Was der alles auf sich hat, das is scho keine Kleinigkeit. Nach unten soll er recht tun und nach oben soll er net anstoßen . . . Und Prügel werfen ihm die g’wissen Herrn . . . zwischen die Füß’ . . ." Aber: "Reiten kann er, unser Burgermaster". - Soweit einige Zitate zu jenem Stadtoberhaupt des 19. Jh.s, das in Frage 2 der Nro. 400 gesucht war. Seinen Namen nennen Martha Rauch, Wien 14, sowie Dr. Roland Kadan, Wien 14: Stephan von Wohlleben.

Stephan von Wohlleben (1751-1823) brachte Wien u.a. frisches Wasser.  - © Bild: Stich nach Gemälde J. B. Lampis, koloriert von Philipp Aufner /"WZ"
Stephan von Wohlleben (1751-1823) brachte Wien u.a. frisches Wasser.  - © Bild: Stich nach Gemälde J. B. Lampis, koloriert von Philipp Aufner /"WZ"

Er war der Titelheld in Fritz Stüber-Gunthers 1915 publizierter Erzählung "Der Bürgermeister", der die eingangs wiedergegebenen Stimmen entnommen sind.

Ein Tiefpunkt in Wohllebens Karriere war, als er Napoleon 1809 den Schlüssel der Stadt überreichen musste. Damit nicht genug, hatte er bei diesem demütigenden Ritual doch "bereits 1805", als die Franzosen Wien das erste Mal besetzten, mitspielen müssen, so Dr. Harald Dousek, Wien 2.

Chaos und Karriere

Die Dienstwohnung des Bürgermeisters befand sich Am Hof, heutige Nummer 9 (rechts vorne).  - © Bild (um 1800): Archiv
Die Dienstwohnung des Bürgermeisters befand sich Am Hof, heutige Nummer 9 (rechts vorne).  - © Bild (um 1800): Archiv

Zu Wohllebens Herkunft notiert Michael Chalupnik, Sieghartskirchen: Geboren wurde er 1751 als "Sohn des evangelischen Regimentsprofosen Johann Friedrich Christian Wohlleben und dessen Gattin Franziska, welche aus Sachsen stammten". Ein Profos, klärt Dr. Manfred Kremser, Wien 18, auf, "war beim Militär für die Ausführung von Disziplinarstrafen" zuständig.

Maria Thiel, Breitenfurt: Der Bub "verlor frühzeitig seine Eltern und wurde . . . im Chaos’schen Waisenhaus" (nach seinem Stifter Freiherrn von Chaos benannt) in Wien erzogen.

Die Institution verwaltete seit "1755 der Magistrat", so Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7; Wohlleben wurde "im Baufach" ausgebildet und "trat 1771 als Accessist (Unterbeamter) ins städtische Unterkammeramt ein."

"Am 7. November 1778", so Wolfgang Woelk, Gotha/D, heiratete er Theresia (1755-1822), geb. Schober.

Beruflich ging es, so Mathilde Lewandowski, Payerbach, steil bergauf: Wohlleben "brachte es durch besondere Leistungen 1789 zum Magistratsrat."

Volkmar Mitterhuber, Baden: "1797 und 1800 war er Stabsoffizier des Bürgerregiments" und kümmerte sich u.a. "um die Waffenübungen der Bürgerschaft."

In historischen Jahrgängen der "WZ" fand DI Karin Endler, Wien 23, manches Detail zu Wohllebens Vita. In der Ausgabe vom 8. Oktober 1796 las man etwa von einer "Gehalts-Vermehrung" für den "Stadt-Unterkämmerer" und "Magistratsrath". Am 8. April 1801 informierte das Blatt über die Verleihung der "Oberkämmerer-Amts-Stelle" an Wohlleben, d.h. er war nun höchster Finanzbeamter der Stadt. Schließlich wurde am 1. Juli desselben Jahres die Erhebung zum "Edlen von" verkündet.