Dem einstigen Ottakringer Essighersteller Carl Huber ist Prof. Ferry Kovarik, Wien 16, auf der Spur. Wie in Nro. 401 (November 2019) berichtet, sucht der Geschichtsfreund Hinweise auf das bis in die 1960er bestehende Unternehmen. Besonders hilfreich wäre nach wie vor eine Darstellung des nicht mehr existierenden Gebäudes am Stöberplatz 7.

"Ein Foto des Hauses kann ich leider . . . nicht bieten", so DI Eva Baumgartner, Gablitz, die bei ihrer Recherchetour jedoch einen tollen Fund machte - und unerwartet in ein Wortgewitter Karl Kraus’ geriet. Der Essig-Macher hatte nämlich den Zorn des Publizisten auf sich gezogen. Dieser warf dem Unternehmer in der "Fackel" Nr. 743-750 (Dezember 1926) die "Schändung sprachlicher Denkmäler" vor, begangen in Kooperation mit diversen Blättern "aller Parteien", die Reklame-Verse aus dem Hause Huber druckten. Das Rezept: Abgewandelte Zitate großer deutscher Dichter.

So entdeckte Kraus im Anzeigenteil der "Arbeiter-Zeitung" folgende Erweiterung einer bekannten Passage aus dem Drama "Die Jungfrau von Orleans" von Friedrich Schiller: "Nichtswürdig ist die Nation, die nicht / Ihr Alles freudig setzt an ihre Ehre; / Drum ist es jedes Bürgers Pflicht, / Eifrig zu trinken Huber-Liköre. / Überall erhältlich."

Ein weiterer Dichterfürst musste dran glauben. Unter dem Titel "Der neue Goethe" brachten die "Wiener Neuesten Nachrichten" diese Ergüsse: "Mich ergreift, ich weiß nicht wie, / Himmlisches Behagen, / Hab’ mit Salat in Huber-Essig / Ich gefüllt den Magen. / Überall erhältlich".

"Und dafür", wetterte Kraus schon in einer früheren "Fackel"-Ausgabe (Oktober 1926), "wird Geld genommen, unter den Auspizien einer "Schriftleitung", die es in ihr Ressort einzuordnen hat, und für die, sobald Pinke winkt, es mit Goethe Essig ist."