Ich kenne meine Pappenheimer / Und Sie, mein Herr, sind auch so einer." So sang die Berliner Chansonnette Evelyn Künneke in einem Schlager der frühen 1950er. Der Refrain ging Dr. Alfred Komaz, Wien 19, durch den Kopf, als vor einigen Monaten in den Zeitreisen die Pappenheimer aufs Tapet kamen. Einst hörte der Zeitreisende dieses Zitat nämlich zuweilen aus dem Munde seiner Mutter, "scherzhaft, aber meist . . . mit ernstem Unterton".

Dem geflügelten Wort widmeten sich einige Gemeine-Mitglieder, nachdem auf S. V der Nro. 400 Hinweise zu dieser Wendung erbeten worden waren.

"Der Spruch "Ich kenne meine Pappenheimer" bezog sich ursprünglich", so Dr. Komaz weiter, "auf das nach seinem Befehlshaber, dem kaiserlichen General Gottfried Heinrich zu Pappenheim, so genannte Kürassierregiment im Dreißigjährigen Krieg." Kürassiere waren mit (Leder-)Panzer versehene Kavallerietruppen.

Burg Pappenheim auf einem Foto von Tüftler Dusik; Statue des Feldherrn im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien, aufgenommen von Dr. Komaz.  - © Fotos: Peter Dusik, Dr. Alfred Komaz (danke!)
Burg Pappenheim auf einem Foto von Tüftler Dusik; Statue des Feldherrn im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien, aufgenommen von Dr. Komaz.  - © Fotos: Peter Dusik, Dr. Alfred Komaz (danke!)

In Friedrich Schillers Wallenstein-Trilogie (fertiggestellt 1799), so Dr. Karl Beck, Purkersdorf, lässt der Dichter "den Feldherren Wallenstein sagen: "Daran erkenn’ ich meine Pappenheimer"". Anders als heute, da man den Spruch eher ironisch im Sinne von "Schlawiner" verwendet, war der Satz damals anerkennend gemeint. "Wallenstein zeigt sich darüber gerührt, dass die Pappenheimer keinen kursierenden Gerüchten Glauben schenken wollen, sondern nur von ihm selbst die Wahrheit zu erfahren hoffen." Und: "Einer vom Regiment Pappenheim zu sein, stand für unbedingten Mut, Treue und Tapferkeit."

Besungener Haudegen

Der Bedeutungswandel, den die Wendung im Laufe der Zeit erfuhr, klingt in einem Studentenlied an, das Tüftler Dr. Beck zitiert (in dieser Version wird der Name des Feldherrn zu "Pappenheimer" verballhornt): "General Pappenheimer, der soll leben, / General Pappenheimer lebe hoch! / Beim Bier und beim Wein, / lust’ge Pappenheimer woll’n wir sein."

Dem Heerführer wenden sich auch Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram, zu: Der 1594 geborene Franke kämpfte "unter Wallensteins Oberbefehl" und führte "die kaiserlich-katholischen Truppen . . . von Sieg zu Sieg".

Dr. Harald Jilke, Wien 2, weiter: General Pappenheim galt als "impulsiv und draufgängerisch" sowie "furchtlos und zuverlässig". Wegen seiner Narben im Gesicht, die er sich bei Gefechten zuzog, war er als "Schrammenheinrich" oder "Schrammhans" bekannt. 1632 wurde er in der Schlacht von Lützen tödlich verwundet.

Eine tragende Rolle hatte er auch im oberösterreichischen Bauernaufstand 1626 gespielt, der mit seiner Hilfe und furchtbarer Härte niedergeschlagen wurde. Dr. Jilke zitiert dazu ein zeitgenössisches Lied: "Hascha, dort kommt der unsinnig’ / Von Pappenheim geritten ganz grimmig, / Rennt über alle Zäun’ und Gräben, / Daß ihm gleich die Haar aufstäben . . ."

Zum Stammsitz des Geschlechts, dem der General angehörte, informiert Peter Dusik, Wien 23: Pappenheim "ist ein Städtchen mit schöner Burgruine, die ich . . . 2014 anlässlich eines Urlaubs . . . fotografierte" (s. Bild r. unten). Der Ort "liegt im südlichen Mittelfranken, unweit der Grenze zu Oberbayern". In der Nähe befindet sich Solnhofen, bekannt als Schieferabbaustätte.

Stadt ausgelöscht

Die Grausamkeit der Pappenheimer betrachtet Dr. Manfred Kremser, Wien 18, indem er deren Rolle in einer der "schlimmsten Gewaltorgien des Dreißigjährigen Krieges" beleuchtet: "Am 20. Mai 1631 war die "Bluthochzeit von Magdeburg" . . . Zwei Drittel der Stadtbevölkerung, mehr als 20.000 Menschen, wurden niedergemetzelt oder kamen, zum kleineren Teil, durch das gelegte Feuer . . . ums Leben." Matthäus Merian schreibt dazu im "Theatrum Europaeum", einem ab 1635 erschienenen Geschichtswerk in 21 Bänden: ". . . dann des Pappenheims Volck . . . so an aller Unchristlichkeit ärger als Türcken gewütet . . . haben mit nidergehawen beydes der Weiber und kleine Kinder . . .". Daher rührt, so Dr. Kremser weiter, der heute nicht mehr geläufige Begriff "magdeburgisieren", was ein "massakerhaftes Auslöschen" meint. Der Zeitreisenmedicus glaubt daher, "Wallenstein hat seine Pappenheimer zumindest im Sinne dieser Bestialität nicht wirklich gekannt."

Einst Kanalräumer

Einen sprachgeschichtlichen Ausflug ins Mittelalter machte Gerhard Toifl, Wien 17, der erläutert, warum die Pappenheimer damals anrüchig waren: In Nürnberg stand der Begriff "Pappenheimer" für Kloakenreiniger. Zu erklären ist dies damit, dass die zu Reichserbmarschällen ernannten Pappenheimer einst die Aufgabe hatten, "auf Reichstagen . . . für gereinigte Gruben zu sorgen".

Grimms Wörterbuch liefert dazu eine schöne Belegstelle eines anonymen Dichters des 16. Jh.s: "da ran der dreck / heraber keck / nach pappenhaimers regel".

Zu guter Letzt ein Literaturtipp zum Thema Wallenstein von einem stillen Zeitreisenden: Leo Perutz (1882-1957) widmete in seinem Roman "Nachts unter der steinernen Brücke" eine von 14 Episoden, das Kapitel "Der Stern des Wallenstein", dem historischen Feldherrn. Der stille Zeitreisende schwärmt: "schöne Sprache, historisch astrein, spannende Handlung"!

Zusammenstellung dieser Rubrik: Andrea Reisner