Acht bzw. zehn Jahre schwerer Kerker - so lautete das Urteil gegen zwei Ziegelarbeiter, die am 22. Oktober 1869 den Strohschneider Joseph Prinz auf dem Weg von Untermeidling nach Inzersdorf zusammengeschlagen und ausgeraubt hatten.

Details zu dem Fall können in der aktuellen Print-Ausgabe des Geschichtsfeuilletons nachgelesen werden, und zwar in Folge 1 der neuen Fortsetzungsgeschichte(n). Dafür durchforstete das Zeitreisenteam den "WZ"-Jahrgang 1870 nach interessanten Gerichtssaalreportagen. Unser Blatt hatte schon 1863 begonnen, sich regelmäßig dem "Recht, so wie es leibt und lebt", zu widmen. So hieß es in einem redaktionellen Hinweis zum ersten Erscheinen der Rubrik "Aus dem Rechtsleben".

Den juristisch interessierten Leserinnen und Lesern versprach man damals Prozessberichte "aus allen Theilen der österreichischen Monarchie", geschildert durch "achtbare Juristen". Wer die Beiträge verfasste, ist jedoch leider nicht mehr bekannt, da die Artikel, wie es einst üblich war, ohne Nennung des Autors erschienen.

Übrigens: "Schwerer Kerker" bedeutete einst - im Gegensatz zum einfachen "Kerker" - die strengere Variante der Freiheitsstrafe. Vor 1867 unterschieden sich die beiden Grade v.a. durch das Tragen von Fußeisen. Nach deren Abschaffung konnte die Haft noch durch verschiedene Maßnahmen wie Fasttage verschärft werden - bis 1974, als die Kerkerstrafe fiel.

Depeschen

"Bin begeistert von der Karte "Die Patientin Europa"", schrieb Prof. Dr. Gerhard Fasching, Wien 19, nachdem er die Rubrik KARTEN GELESEN im Jänner gesehen hatte. Der Geschichtsfreund, der sich "derzeit mit den Bildkarten "Königin Europa" aus dem 17. Jh." beschäftigt, interessierte sich für die Quelle. Die Darstellung stammt aus dem Amsterdamer Rijksmuseum und ist auf der Webseite www.rijksmuseum.nl unter dem Titel "Kaart van Europa, ingekleurd als koningin" zu finden. Sie kann in hoher Auflösung heruntergeladen werden.

Hannes Schneller, Wien 17 (willkommen im Tüftlerkreis!), fiel zu Nestroys Persiflage auf Alt-Wiens Kometen-Angst (vgl. Nro. 400) ein anderer Johann ein, nämlich Hölzel, alias Falco. Dieser sang im Lied "Nur mit dir" (Album "Junge Roemer", 1984): ". . . kommt der Komet oder kommt er zu spät, frag nicht . . ."

Die Häufung des Vornamens Brigitte in der Gemeine fiel Prof. Brigitte Sokop, Wien 17 (danke für Schulordnung 1898!) auf; Anfang der 1950er "hatten wir bis zu vier Brigittes in der Klasse." Spezielle Grüße an alle Trägerinnen dieses Namens!

P.S. Im ZEITREISENLOTTO gewann Ing. Helmut Penz, Hohenau/March; herzliche Gratulation!