Chapeau! Als Fehlerjäger hat sich Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, in der Gemeine einen Namen gemacht, dem er nun erneut gerecht wird. Zwischen Weihnachten und Neujahr kam der Spurensucher dazu, die November-Zeitreisen genauer zu studieren. Den Gotland-Artikel "Gekaperte Königin des Meeres" (Nro. 401) lobte Dr. Litschauer zwar als "tolle Geschichte", fand aber Ungereimtheiten.

Christian D. Grabbe, der Bertolt Brecht inspirierte. - © Bild: Archiv/gemeinfrei
Christian D. Grabbe, der Bertolt Brecht inspirierte. - © Bild: Archiv/gemeinfrei

In jenem Absatz, in dem Dr. Litschauer selbst zitiert wurde, war in einer redaktionellen Ergänzung vom "altrussischen Handelszentrum Nowgorod an der Ostsee" die Rede. So formuliert denkt man freilich an die Stadt Nowgorod, die keineswegs an der Ostsee liegt. Gemeint war aber die Republik Nowgorod, die sich vom Ural bis zur Ostsee erstreckte.

Ein weiterer Lapsus geht auf redaktionelle Bearbeitung zurück. In den Zeitreisen hieß es, der dänische König Waldemar IV. "hinterließ keine männlichen Nachkommen", dafür "aber drei Töchter". Wie Dr. Litschauer richtig anmerkt, hinterließ Waldemar jedoch nur eine Tochter, die spätere Regentin Margarethe I. "Er hatte zwar insgesamt vier Töchter, drei starben aber noch zu seinen Lebzeiten", konnten vom Vater bei dessen Tod also nicht hinterlassen werden. Das Zeitreisenteam sagt "Pardon!" und bedankt sich bei Dr. Litschauer für die Hinweise!

Im Zuge der Korrespondenz verriet Dr. Litschauer seine "Quelle zu großen und bedeutenden Genealogien", nämlich die traditionsreiche Reihe "Europäische Stammtafeln". Diese großformatigen Bände wurden "in den letzten Jahren . . . von einer Vittorio Klostermann GmbH in Frankfurt am Main herausgegeben". Sie erfreuen "bezüglich Genauigkeit und Detailliertheit das Herz eines jeden Genealogen"!

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Der deutsche Dramatiker Christian Dietrich Grabbe (1801-1836) schrieb in jungen Jahren das Stück "Herzog Theodor von Gothland" um einen (fiktiven) Herrscher der Insel, die in der eingangs erwähnten Zusammenstellung die Hauptrolle spielte. Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, interessierte sich aber für ein anderes Grabbe-Werk, das ebenfalls zu einem in den Zeitreisen behandelten Thema führt, nämlich zu Karthago bzw. dessen berühmtestem Feldherrn: In der Tragödie "Hannibal" wird dieser "trotz heftigen Widerstands Opfer gesellschaftlicher Umstände, an denen er zerbricht."

Die Abwertung des Helden des 2. Punischen Krieges hat "Grabbe zutiefst berührt." Darin sah der verkannte Wegbereiter des modernen Dramas "sein eigenes Schicksal dem des Siegers von Cannae und des Besiegten von Zama . . . verwandt", empfand er doch auch selbst "Bitterkeit über das Verhalten der Heimat", die ihn nach anfänglicher Anerkennung "mit Demütigungen kränkte."

Entstanden ist Grabbes "Hannibal" anno 1835, ein Jahr bevor sein Schöpfer in tristen Verhältnissen in Detmold bei Bielefeld starb. Die Uraufführung, so Prof. Dr. Rath, erfolgte jedoch erst im Dezember 1918 in München.

Einen Theaterbesucher fesselte das Stück damals besonders: Bertolt Brecht (1898-1956). Er begann daraufhin selbst an dem Stoff zu arbeiten - freilich als Abrechnung mit Krieg und Heldentum. Brechts "Hannibal" blieb Fragment. Zu Lebzeiten des Autors erschien lediglich die erste Szene im "Berliner Börsen-Courier".

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner