K.k. Feld-Gendarmen um 1855.  - © Bild (gemeinfrei): NYPL
K.k. Feld-Gendarmen um 1855.  - © Bild (gemeinfrei): NYPL

Gendarmen sind den Tüftlerinnen und Tüftlern frisch in Erinnerung. Immerhin bestand der staatliche Wachkörper "bis 30. Juni 2005", wie DI Paul Bargmann, Katzelsdorf, zur Frage 1 der Nro. 404 notiert. Die Gemeine recherchierte zu "Gens d’armes" interessante Details: Kennen Sie die B-Gendarmerie? Wussten Sie, dass Gendarmen kaserniert waren?

Zunächst liefert Manfred Bermann, Wien 13, eine Deutung der französischen Phrase: "gens d’armes" = "Waffenträger" (N.B. wörtlich: "bewaffnete Leute"). Hierzulande wurde die Gendarmerie "zur Aufrechterhaltung der sogenannten inneren Sicherheit etabliert".

Zu den Anfängen dieser Truppe in Österreich führt Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, aus: "Am 8. Juni 1849 bewilligte Kaiser Franz Joseph I. die Errichtung einer Gendarmerie in den Kronländern". Übrigens war noch "um 1900 . . . die Schreibweise . . . "Gensdarmerie"" üblich.

"Vater" der k.k. Gendarmerie, J.F. Kempen von Fichtenstamm, um 1849.  - © Bild: Archiv
"Vater" der k.k. Gendarmerie, J.F. Kempen von Fichtenstamm, um 1849.  - © Bild: Archiv

Als "Teil des kaiserlichen Heeres", so Ing. Kaiser weiter, war sie damals "dem Kriegsministerium unterstellt. Insgesamt blieb die Gendarmerie bis 1918 ein militärisch organisierter Wachkörper." Das bedeutete, dass "das militärische Dienstrecht" galt. Deshalb waren Gendarmen "in der Regel kaserniert". (In den Posten gab es Unterkünfte.) Sie durften auch "nicht heiraten". Es wurden aber Ausnahmen gemacht.

Mit Schwert und Helm

Die Aufstellung des Gendarmerie-Korps wurde 1849, wie Dr. Manfred Kremser, Wien 18, festhält, Feldmarschall-Lieutenant Johann Franz Kempen von Fichtenstamm (1793-1863) übertragen. "Als Leiter von Gendarmerie und (in weiterer Folge, Anm.) Polizei hatte er mit seinen Vertrauensleuten völlig freie Hand in diesem neu eingerichteten Ausforschungsdienst." Die neuen Wachkräfte waren dafür zuständig, "alle Ämter, Statthalter, Bezirkshauptleute, die Offiziere des Militärs und sogar Minister" zu beobachten. Ihre Uniform "bestand aus einem schwarz-grünen Rock . . ., grauen Hosen mit roten Seitenstreifen und einem Helm." Als Bewaffnung diente ein "Vorderlader-Perkussionsgewehr mit Bajonett und ein Säbel".

Das wurde einem Gendarmerie-Postenführer zum Verhängnis, wie Mag. Silvia Rainer-Heilmann, Klosterneuburg, von Wienerwald-Spaziergängen weiß: Nahe Weidling "gibt es am Weg zur Windischhütte ein Denkmal für Adolf Robl, der 1896 in "getreuer Pflichterfüllung"" durch unzählige Stiche "mit seinem eigenen Bajonett . . . getötet wurde." Es wird vermutet, dass der junge Mann "zwei Falschmünzer gestellt" hatte.

Zunächst war die Gendarmerie durch Erfolge in der Kriminalitätsbekämpfung bei der Bevölkerung beliebt. Was sich danach änderte, schildert Herbert Beer, Wolfpassing: "Die k.k. Gendarmerie" wurde "in der Ära des Neoabsolutismus . . . politisch instrumentalisiert". Zu ihren Aufgaben gehörte dann auch das Erstellen von Dossiers über Beamte (Lehrer, Richter etc.).

Einfacher Gendarm auf mühsamer Patrouille im Regen anno 1888 (Näheres im Text).  - © Bild: Satire-Blatt "Kikeriki", 1888. "WZ"-Kolorierung: Philipp Aufner
Einfacher Gendarm auf mühsamer Patrouille im Regen anno 1888 (Näheres im Text).  - © Bild: Satire-Blatt "Kikeriki", 1888. "WZ"-Kolorierung: Philipp Aufner

Zum Alltag eines Gendarmen auf dem Land um 1875 fand Brigitte Schlesinger, Wien 12, eine Schilderung des Rechtshistorikers Helmut Gebhardt aus 2014: "Der Dienst . . . war äußerst beschwerlich und vor allem geprägt durch die sehr anstrengenden Fußpatrouillen, die zu jeder Tageszeit und bei jeder Witterung durchgeführt werden mussten."

Dazu passt die Karikatur oben aus 1888, die einen Gendarmen - schon in neuer Uniform mit Hut - im Regen zeigt. Darüber ist ein Eisenbahn-Direktor zu sehen. Wie das Satire-Blatt "Kikeriki" überspitzt formulierte, erhielt er den Orden, weil er einem "Lokomotivführer während der ganzen Fahrt im Wege" stand. Der Gendarm aber, der bei einem Bahnunglück "faktisch einer Anzahl Personen das Leben gerettet hat", muss sich ohne Auszeichnung "um geringen Lohn aufopfernd plagen wie bisher".

Persönliches merkt die zuvor erwähnte Zeitreisende Schlesinger an: Ihr "verstorbener Schwiegervater, AbtInsp Kurt Schlesinger, war auch Gendarm" und ist als "Gendarmerielehrer . . . pensioniert worden".

Fußvolk und De Funès

Die ersten österreichischen "Gens d’armes" gab es, wie Maria Thiel, Breitenfurt, festhält, bereits 1805. Während der Besetzung durch die Franzosen wurde hierzulande eine Gendarmerieeinheit geschaffen. Deren Kader, so Dr. Alfred Komaz, Wien 19, waren Franzosen, die "gemeinen Gendarmen aber Österreicher".

Augenzwinkernd merkt der schon zitierte Tüftler Dr. Kremser an, dass auch "1966ff . . . Franzosen in Österreich als "Gens d’armes" zu sehen" waren: "Wer erinnert sich denn nicht - mit einem stillen Lächeln auf den Lippen - an Louis de Funès (1914- 1983)" in dem Film "Der Gendarm von St. Tropez", der damals in den heimischen Kinos anlief.

Martha Rauch, Wien 14, interessierten die ersten urkundlich erwähnten Gendarmen. Die Geschichtsfreundin konsultierte den "Brockhaus" (1884) zu den französischen Wurzeln: Karl VII. (reg. 1422-1461) errichtete "15 adelige Ordonnanz-Kompagnien", wobei Ordonnanz die Gefechtsaufstellung bezeichnet. In der Truppe fanden sich auch "Schwergepanzerte". Diese wurden in der Einzahl "Homme d’armes" genannt. "Ihre Mehrzahl hieß Gens d’armes und die Gesamtheit dieser geharnischten, mit Lanze, Schwert und Streitaxt auf gepanzerten . . . Hengsten kämpfenden Edelleute war die Gendarmerie".

Später sollte der Name auf verschiedenste Heeresteile oder Gardeeinheiten angewandt werden. Als Beispiele bringt Gerhard
Toifl, Wien 17
, die in Frankreich erstmals 1609 "für den Thronfolger aufgestellte . . . Bewachungstruppe" oder die "Gendarmerie Nationale" (ab 1791).

Vorbild Lombardei

Die Idee einer Einheit, so Tüftler Toifl weiter, die "als Sicherheits- und Militärpolizei, teilweise aber auch als Kampftruppe eingesetzt wurde", verbreitete sich von Frankreich aus in Europa. So fand man auch in Luxemburg und Deutschland Gendarmerie-Einheiten. In Italien versehen "Carabinieri" bis heute Dienst. In der Lombardei, die zum von Napoleon geschaffenen "Königreich Italien" gehörte, war ebenfalls ein solcher Wachkörper im Einsatz.

Das Gebiet kam, wie Volkmar Mitterhuber, Baden, ausführt, "nach dem Wiener Kongress 1815 wieder an Österreich". Im Zuge der revolutionären Ereignisse 1848f wollten die Behörden "eine Sicherheitstruppe für das gesamte Gebiet der Habsburgermonarchie" aufstellen. Und zwar, ergänzt Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, nach Vorbild der "Organisation der lombardischen Gendarmerie". Kaiser Franz Joseph I. bewilligte die Pläne umgehend. Sie wurden mit 18. Jänner 1850 Gesetz.

Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, weist darauf hin, dass das offizielle Entstehungsjahr der Gendarmerie in Österreich auch "erst mit dem Ende des Ersten Weltkriegs" angesetzt werden kann: Gendarmen wurden damals von Soldaten zu Staatsbeamten gemacht und waren als solche "nicht mehr den Militärgerichten unterstellt."

Beibehalten hat man, wie Dr. Wilhelm Baier, Graz-Andritz, informiert, das "alte Korpsabzeichen", eine "stilisierte Granate."

Der neu organisierte zivile Wachkörper war um 1934 in innerpolitische Kämpfe verstrickt. Ab 1938 wurden Gendarmen entweder entlassen, in Konzentrationslager abgeführt oder in die deutsche Ordnungspolizei eingegliedert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte, so Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, "der Wiederaufbau der Gendarmerie". Sie war "die einzige bewaffnete Macht, die der Republik zur Verfügung stand". Deshalb wurden ihr auch Aufgaben zugewiesen, "die nicht in ihre Kompetenz fielen", so etwa ab 1946 der Grenzschutz.

Zurück zum Militär

Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf: "Nach dem Krieg war ein bewaffnetes Österreich für die Besatzungsmächte vorerst undenkbar." Die Einstellung der Westmächte änderte sich vor allem "nach der kommunistischen Machtübernahme in Prag und Budapest". Sie unterstützten daraufhin "die Aufstellung stehender bewaffneter Einheiten unter dem Deckmantel "Gendarmerieschule" und ab dem 1. August 1952 als "B-Gendarmerie", aus der ... das Bundesheer hervorging."

Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, erläutert, dass das "B für Bereitschaft" steht. Die Einheit wurde "aufgestellt aus erfahrenen Offizieren und Mannschaften der Gendarmerie" und verrichtete "militärischen Dienst".

Ein jüngeres Ereignis in der komplexen Geschichte der Gendarmerie nennt Dr. Harald Jilke, Wien 2: Den Überfall auf das Wiener Hauptquartier der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) 1975. Dies "führte zur Gründung eines Gendarmerie-Sonderkommandos", genannt "Cobra".

Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, ergänzt Grundsätzliches: Die Gendarmerie war "exekutives Vollzugsorgan, . . . nie Behörde". Sie hatte "deshalb keine Entscheidungsgewalt". Ihre Spitze bildete in der Zweiten Republik "das Gendarmerie-Zentralkommando in Wien . . . Diesem untergeordnet waren die Landesgendarmeriekommanden in acht Bundesländern", außer in Wien, wo die Polizei zuständig war.

Mit "1. Juli 2005" wurde die Gendarmerie, so Mag. Robert Lamberger, Wien 4, "endgültig aufgelöst". Dazu Dr. Karl Beck, Purkersdorf: Durch "Zusammenführung vom Bundessicherheitswachekorps, Kriminalbeamtenkorps und der Bundesgendarmerie" schuf man die Bundespolizei.

P.S. Antworten zur Orchidee der Nro. 404 (inkl. Lieblings-Exponate), nicht zuletzt von Rudolf Freiler, Kirchschlag/NÖ, sowie Prof. Brigitte & Dr. Hans Werner Sokop, Wien 17, sind für Mai reserviert.

Zusammenstellung dieser Seite: Barbara Ottawa