Berichte über das "Goldland Californien" verführten Leserinnen und Leser unseres Blattes ab 1849 wohl zu sehnsuchtsvollen Tagträumen von Abenteuern und großem Reichtum. Während in Europa die politischen Konsequenzen der Revolution 1848 harte Realität waren, suchten Tausende ihr Glück im fernen Amerika. Wichtige Anlaufstelle war die "nach dem heiligen Franz von Assisi" benannte Stadt San Francisco, wie Dr. Karl Beck, Purkersdorf, festhält. Um diese Metropole drehten sich die Spezialfragen der Rubrik KARTEN GELESEN aus Nro. 401.

Christine Sigmund, Wien 23, liefert erste Details: "Der Mexikanisch-Amerikanische Krieg sorgte dafür, dass die Stadt im Jahre 1846 in den Besitz der USA gelangte." Noch interessierte sich aber kaum jemand für das dünn besiedelte, wasserarme Gebiet.

Das änderte sich schlagartig. Mathilde Lewandowski, Payerbach, dazu: "In seiner Jahresbotschaft vom 5. Dezember 1848 an den Kongress bestätigte der US-amerikanische Präsident James Knox Polk offiziell die Goldvorkommen in Kalifornien ... Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer." Dr. Harald Jilke, Wien 2, fügt an: In gut einem Jahr stieg die Einwohnerzahl San Franciscos "von etwa 900 auf über 20.000".

Aus Europa kamen, wie Volkmar Mitterhuber, Baden, recherchierte, "vor allem deutsche und irische Auswanderer". Zudem zog die verheißungsvolle Nachricht Männer aus China und Australien an. "Unter den Zehntausenden" tauchten "immer wildere Gestalten in Kalifornien auf." Darunter befanden sich Abenteurer "aus dem östlichen Teil der USA, ... die sich ohne Rechtstitel auf unbebautem Land niederließen."

Profite und Nieten

Der rasante Zuzug sorgte für Chaos. Unter den - teils durchaus zwielichtigen - Glücksrittern herrschte das Faustrecht. Rudolf Freiler, Kirchschlag/NÖ, weiter: Eine "Geisterflotte verlassener Segelschiffe verstopfte den ... Hafen". Kaum hatten sie angelegt, folgten die Mannschaften dem Ruf des Goldes. "Viele der Schiffe wurden . . . an Land gezogen und in Hotels, Saloons und sogar in Gefängnisse umgebaut".

Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10: "Schausteller und Akrobaten boten ein billiges Show-Vergnügen." Zahlreiche "sogenannte Theater" dienten vor allem "der Prostitution und dem Glücksspiel in der anfänglich zu 90% männerdominierten Gesellschaft."

Reich wurden nur wenige, obwohl allein von "Juli 1848 bis zum Ende des Jahres" Gold im Wert von "5,500,000 Dollars" gewonnen worden sein soll, wie die "Wiener Zeitung" im Jänner 1849 berichtete. Und trotzdem, so unser Blatt weiter, "wird der Ruin vieler Tausender vorhergesagt". Handelsspekulationen und in die Höhe schnellende Preise waren Gründe dafür.

Erfolgsgeschichten findet man freilich ebenso - wenn auch nicht zwingend unter den Goldgräbern. Eine davon erwähnt Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7: Den Industriellen Levi Strauss zog die Kunde "von den riesigen Goldfunden" 1853 nach Kalifornien, wo er Stoffe und Kurzwaren anbot. Von ihm kaufte "der Schneider Jacob Davis ... reißfestes Segelzeug en gros", aus dem er Hosen fertigte. Er verstärkte "die Taschen sowie alle Säume mit Metallnieten". Dieses Beinkleid war "bei den Goldgräbern ein Hit". Strauss und Davis wurden Geschäftspartner. Ihr bald weiterentwickeltes Produkt ist bis heute als Jean(s) bekannt.

Zündelnde Banditen

Einen Wendepunkt in der Stadtgeschichte stellt die Nacht zum 4. Mai 1851 dar, als ein Feuer ausbrach, so Michael Chalupnik, Sieghartskirchen: Es war der verheerendste aus einer Reihe von "schweren Bränden, die zwischen Dezember 1849 und Juni 1851 San Francisco heimsuchten."

Dabei gab es allen Grund, an einem Unglück als Ursache für das Flammenmeer zu zweifeln. Immer wieder legten Banden Feuer, um im gleißenden Chaos zu plündern. Manfred Korinek, Wien 14, notiert: Man vermutete, dass "die "Sydney Ducks", ehemalige Sträflinge aus Australien, für den Brand verantwortlich waren." Die Bevölkerung hatte die kriminellen Auswüchse nun endgültig satt. "Da die Polizei von San Francisco als unfähig und korrupt galt, gründeten aufgebrachte Bürger das sogenannte "Committee of Vigilance"."

Gerhard Toifl, Wien 17, fügt an: "Schnell entwickelte sich daraus eine schlagfertige paramilitärische Truppe, die praktisch die Aufgaben der Stadtverwaltung nach ihrem Dünken übernahm." Öffentliche Hinrichtungen und Deportationen waren die Folge. Der Verband löste sich bald wieder auf und trat erst einige Jahre später erneut in Erscheinung.

Schließlich war auch die Zeit der auf eigene Faust losziehenden Schürfer vorbei, so Herbert Beer, Wolfpassing, denn "ab 1854" betrieb man den "Goldabbau industriell".

Silberne Barone

Die 1850er-Jahre brachten eine neue Ära: Immense Silbervorkommen wurden entdeckt. Zum Abbau benötigte man Maschinen, demnach auch Kapital. Die Zeit der sogenannten "Bonanza Kings" war gekommen. Brigitte Schlesinger, Wien 12, dazu: Der aus der allseits bekannten Fernsehserie vertraute Begriff "Bonanza" steht u.a. für "ertragreiche Erzader". Die "Silver Barons" und auch "Bonanza Kings" genannten Männer "machten das ganz große Geld".

Mit ihnen änderte sich das Gesicht der Stadt. Als neue Oberschicht gestalteten sie Immobilienpolitik sowie Infrastruktur und förderten den Kulturbetrieb. Mehr und mehr Familien siedelten sich an und San Francisco wurde gesitteter. Die Jahre wilder Gesetzlosigkeit gehörten nunmehr der Vergangenheit an.

P.S. Der Buchpreis geht an Manfred Korinek. Wir gratulieren! Bitte um Nachsicht, dass sich die Zusendung verzögern wird.

Zusammenstellung der Rubrik: Christina Krakovsky