Der Gummifabrikant J. N. Schmeidler versorgte Kundinnen und Kunden in verschiedensten Lebenslagen mit nützlichen Dingen. Zu seinem Sortiment gehörten u.a. "Gummi-Betteinlagen", "Damenbusen" oder Galoschen. Außerdem bei ihm erhältlich: "Vorsichts-Präparate", auch diskret per Versand zu beziehen. Stellte sich trotz aller Vorsicht dennoch ein Kind ein, konnte jenes Produkt nötig werden, das in dieser Annonce am 18. April 1880 in der "Wiener Zeitung" beworben wurde: Die Flasche der französischen Marke Monchovaut war für Säuglinge konstruiert, mit Glasröhrchen im Inneren und außen einem Schlauch samt Aufsatz zum Nuckeln.

Mit Vorsicht zu genießen ist der Hinweis, dass diese Nährweise "so gut wie die natürliche Brust" wirke. Einst war die Sterberate unter "Flaschenkindern", anders als heute, wesentlich höher als bei gestillten.

Ein Problem stellte mangelnde Hygiene dar. Auch die (ansonsten für gut befundene) Monchovaut-Flasche hatte ein Manko: Einen schwer zu reinigenden Korkdeckel. Zum anderen herrschte in weiten Kreisen der Bevölkerung völlige Unkenntnis über richtige Säuglingsnahrung. Zwar waren damals bereits leidlich gute industriell erzeugte Ersatzmittel auf dem Markt, z.B. Liebigs "Säuglingssuppe", doch fehlte hierfür den meisten Familien das Geld. Man griff schon bei Neugeborenen häufig zu Kuhmilch, Mehlsuppen, zuweilen sogar zu Fleischbrühe oder rohen Eiern - mit fatalen Folgen.