Die diplomatischen Beziehungen zwischen dem Habsburgerreich und dem Gesandten von Tripoli hatten die Zeitreisen im Jänner und im März beschäftigt. Warum hofierte man 1724/1725 in Wien die Vertreter eines Barbareskenstaates, der bekanntlich Seeräuberei betrieb?

Rudolf Freiler, Kirchschlag/NÖ, merkt an, dass im Artikel suggeriert wurde, Österreich habe sich "den Piraten angedient", wie es der Tüftler formuliert. Man bedenke jedoch, "dass diese Herrschaften brutale Erpresser waren", denen k.k. Handelsschiffe ausgeliefert waren. Was gefangenen Passagieren blühte, nämlich Sklaverei, wusste man. "Da war eine gewisse Höflichkeit . . . zweckmäßig". Auch die "großen Seemächte" mit "hunderten Kriegsschiffen" mussten sich arrangieren.

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"Persönliche Anmerkungen eines Diplomaten i.R." liefert Dr. Josef Litschauer, Wien 10, der ebenfalls um Verständnis für die k.k. Diplomatie ersucht. Der Spurensucher erinnert daran, "dass Österreich 1724, als der Besuch einer tripolitanischen Gesandtschaft in Wien stattfand, durch den Besitz der Königreiche Neapel und Sizilien eine - wenn auch nicht sehr schlagkräftige - Mittelmeermacht war". An "möglichst geregelten Beziehungen zu den Barbareskenstaaten (Tripolis, Tunis, Algier; Marokko nur partiell - hier insbesondere die Stadt Saleh am Atlantik)" war man also "höchst interessiert". Doch Übereinkommen "hatten erst dann vollen Wert, wenn sie alle Piratenstaaten umschlossen. War man nur mit einem im Krieg, bedienten sich die Korsaren aus den anderen, nicht kriegführenden Staaten der kriegführenden Flagge zum Seeraub . . . Die wenigen Kriegsschiffe Kaiser Karls VI. flößten den Nordafrikanern . . . keinen nachhaltigen Respekt ein."

Womit konnte Habsburg dann Eindruck schinden? Eine Analyse lieferte Dr. Litschauer schon vor Erscheinen der März-Zeitreisen, in denen ebenfalls auf die k.k. Wunderwaffe hingewiesen wurde: Prinz Eugen, Präsident des in diesen Angelegenheiten zuständigen Hofkriegsrates. "Sein Ansehen bei der Hohen Pforte, unter deren - oft nur formaler - Oberhoheit die Barbareskenstaaten standen, war nach seinen fulminanten Türkensiegen besonders groß. Ab 1724 war die Hohe Pforte bereit, als Vermittler zwischen Wien und den Barbareskenstaaten zu fungieren."

Probleme machte Algier. Es wollte, so Dr. Litschauer, "außer mit Frankreich und England keine Verträge schließen." Immerhin gelang "1725 der Abschluss eines Handels- und Schifffahrtsvertrags" mit Tunis, später auch mit Tripoli.

"Wir wern kan Richter brauchen"? Diesem in den Jänner-Zeitreisen "etwas sarkastisch" wirkenden Spruch entgegnet Dr. Litschauer: "Und ob man bei den durch die Verträge geschaffenen Konsulargerichten Richter brauchte! Die Gestaltung der Beziehungen zu den Barbareskenstaaten gehörte in jener Zeit sicher zu den Schwerpunkten der kaiserlichen Außenpolitik."

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner