Erste Besucher bewundern im Hofmuseum 1891 u.a. den oben eingeschnittenen "Turmbau zu Babel".  - Bilder: "Das Interessante Blatt" (22. Okt. 1891); l.ob.: © KHM-Museumsverband; Repros, "WZ"-Kolorierung & -Montage: Ph. Aufner
Erste Besucher bewundern im Hofmuseum 1891 u.a. den oben eingeschnittenen "Turmbau zu Babel".  - Bilder: "Das Interessante Blatt" (22. Okt. 1891); l.ob.: © KHM-Museumsverband; Repros, "WZ"-Kolorierung & -Montage: Ph. Aufner

Am Anfang steht bzw. hängt die Darstellung der Bibelstelle zur babylonischen Sprachverwirrung - zumindest bei dieser fiktiven Tour in Beantwortung der Orchidee der Nro. 404. Gesucht war, so Dr. Wilhelm Baier, Graz-Andritz, das "Kunsthistorische Museum (KHM)" am Wiener Burgring, das "zu den größten und bedeutendsten Museen der Welt" zählt.

Etliche Gemeine-Mitglieder verrieten dem Tüftlerkreis ihre Lieblingsobjekte aus den Sammlungen des Hauses. Für Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, ist es der "Turmbau zu Babel" (1563) von Pieter Bruegel d. Ä.

Dieses Gemälde konnte schon vor fast 130 Jahren im damals neu errichteten Kunsttempel besichtigt werden. (Es war nach 1648 aus dem Besitz Kaiser Rudolfs II. in Prag nach Wien gekommen.) "In den ersten beiden Monaten" nach Eröffnung am 17. Oktober 1891 kamen mehr als "200.000 Gäste. Man bedenke die damaligen Öffnungszeiten: vier Tage in der Woche" für nur wenige Stunden, so Zeitreisenpaar Gerstendorfer. Für Mag. Luise Gerstendorfer ist übrigens "Wien, vom Belvedere aus gesehen" von Canaletto, ca. 1760 entstanden, der Favorit unter den Ausstellungsstücken.

Der Maler "Bernardo Bellotto, genannt Canaletto", begeistert auch Michael Chalupnik, Sieghartskirchen. Im Speziellen dessen Gemälde, die Schloss Hof in Niederösterreich zeigen. Sie waren "eine wichtige Quelle" für die ab 2002 erfolgte "Rekonstruierung der . . . Terrassenbereiche" des kaiserlichen Lustschlosses.

Gemüse & Fischkopf

Ebenfalls angetan haben es Zeitreisendem Chalupnik "die Gemüseköpfe von Arcimboldo". Dieser Künstler fasziniert auch Prof. Brigitte Sokop, Wien 17. Die Spurensucherin verweist auf "jeweils . . . zwei Werke aus den Zyklen "Jahreszeiten" und "Elemente"", die im KHM hängen. Giuseppe Arcimboldo (ca. 1526-1593) "wirkte unter drei Kaisern an den Höfen von Wien und Prag, er war auch Techniker, Erfinder, Musiker und Kostümbildner."

Zu nicht in Wien ausgestellten Werken des "Multitalents" verrät Nussknackerin Prof. Sokop: Das aus Büchern zusammengesetzte Porträt eines Bibliothekars hängt hinter dem PC der Tüftlerin. "Der Jurist" ist in ihren Augen "grauslich". Dessen Gesicht bilden Fische und gerupftes Geflügel.

Große Pläne

Die Idee, Wien ein kunsthistorisches Museum zu geben, wurde, so Dr. Karl Beck, Purkersdorf, "im Zuge der 1858 anlaufenden Stadterweiterung" immer konkreter. In "zahlreichen Entwürfen für die Ringstraße" waren zwei Museen vorgesehen. Für diese wurde 1867 "ein Wettbewerb . . . ausgeschrieben, und dabei deren heutige Platzierung festgelegt." Einer der Teilnehmer war Carl von Hasenauer (1833-1894). Dieser wurde mit dem "damals in Zürich tätigen Gottfried Semper" (1803-1879) zusammengespannt.

Sempers Vision des "Kaiserforums": Museen mit Schwibbögen.  - © Bild: Archiv/Franz Alt, 1873
Sempers Vision des "Kaiserforums": Museen mit Schwibbögen.  - © Bild: Archiv/Franz Alt, 1873

Letzterer hatte, so Volkmar Mitterhuber, Baden, größere Pläne für den Platz am Ring: Neben den Museen waren "zwei Flügel der Neuen Burg vorgesehen, die, durch Schwibbögen über die Ringstraße miteinander verbunden und . . . gegen Norden abgeschlossen, ein riesiges "Kaiserforum"" bilden sollten. Semper verließ jedoch Wien 1876 nach Zwist im Planungsstab.

Hasenauer hatte 1871 den Museumsbau begonnen. Christine Sigmund, Wien 23, fand heraus, dass er sich bei seinem Wunsch nach "notwendiger Ruhe an der Fassade" nicht durchsetzen konnte. Diese "gefiel den Kritikern nicht, sie bevorzugten . . . Barock."

Bereits "am 3. Nov. 1889" öffnete, notiert Herbert Beer, Wolfpassing, "die Waffensammlung", 1890 die Bibliothek. Die Zusammenführung anderer Bestände "des Allerhöchsten Kaiserhauses aus dem Unteren und Oberen Belvedere, der Hofburg und Schloss Ambras in Tirol" brauchte weitere zwei Jahre.

Einen persönlichen Pfad ins Museum beschreitet Dr. Alfred Komaz, Wien 19: Unter den ersten hochrangigen Besuchern aus fernen Ländern war 1894 "der spätere Kaiser (Tenno) von Japan Komatsu Yashihito". Der diesem Land verbundene Tüftler hält schmunzelnd fest: Bei der Aussprache wird "das "U" unterdrückt." Man spricht also "Komaz".

Zum ursprünglichen Namen des heutigen KHM kommt Gerhard Toifl, Wien 17: "Bis 1919 . . . k.k. kunsthistorisches Hofmuseum". Es unterstand "dem Oberstkämmereramt und gehörte zum Familien-Fideikommiss des Hauses Habsburg-Lothringen". Die stiftungsähnliche Einrichtung beschränkte die Vererbung und Veräußerung von Gütern. Dr. Manfred Kremser, Wien 18, dazu: 1875 erfolgte eine "Generalinventur des kaiserlichen Kunst- und Kulturbesitzes". Der Zeitreisenmedicus fragt augenzwinkernd, ob es hierfür einen "Fideikommissinventurprotokollschreiberassistenten" gab.

In der Kammer

Blicken wir in einen besonderen Teil des KHM, der für viele die Hauptattraktion darstellt: Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, merkt zur Kunstkammer an, dass dort "wertvolle und einzigartige Ausstellungsstücke wunderbar präsentiert" werden. Dr. Harald Jilke, Wien 2, nennt sie eine "faszinierende Zusammenstellung aus Natur, Kunst und Mechanik - von Kuriositäten über erstaunlich ausgereifte "Spielzeuge" bis zu Kostbarkeiten, die oft nur dazu dienten, den Protz anderer zu übertrumpfen."

Saliera von Cellini.  - © Bild: Altes Foto aus 250-Jahr-Sondernummer der "WZ", 1953
Saliera von Cellini.  - © Bild: Altes Foto aus 250-Jahr-Sondernummer der "WZ", 1953

Einzigartig in der Verarbeitung und handwerklichen Raffinesse ist die dort ausgestellte "Saliera" - eines der Lieblingsstücke von Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7. Das 28,5cm lange Salzfass wurde von "Benvenuto Cellini 1540 bis 1543 in Paris" aus "Gold, teilweise emailliert, Ebenholz und Elfenbein" gefertigt. Schlagzeilen machte im Jahr 2003 der Diebstahl der Saliera sowie ihre spätere Rückkehr.

Brigitte Schlesinger, Wien 12, sieht sich ebenfalls "immer wieder gerne die Automaten, Uhren und wissenschaftlichen Instrumente" sowie die "Elfenbeinschnitzereien" in der Kunstkammer an. Die Geschichtsfreundin möchte noch ein "fast schon groteskes Bild" im Besitz des Museums (ausgestellt auf Schloss Ambras) erwähnen. Das Sujet: "Erzherzog Karl Joseph (1649-1664) . . . im Alter von vier bis fünf Jahren" mit einem Eichhörnchen. Es ist das einzige "mit voller Signatur überlieferte Hofporträt von Cornelis Sustermans", Bruder des "bekannteren Justus".

Für Gesandten i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, übertrifft "die Ehrfurcht vor dem Ganzen . . . Partikulares." Seine Bewunderung gilt der Fülle an "Pracht und Herrlichkeit im Haus" insgesamt. Zur Teilfrage nach Eingliederung großer Bestände nach 1918 erwähnt der Geschichtsfreund die "sogenannte Estensische Kunstsammlung" des Herzogtums Modena, das Besitz des Hauses Österreich-Este war.

Wie Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, anmerkt, holten sich 1919 "bewaffnete italienische Einheiten" mehr als 60 Werke italienischer Maler aus dem Museum am Ring. Mit dem Friedensvertrag von Saint-Germain wurden die meisten "Ansprüche Belgiens, der Tschechoslowakei sowie . . . Italiens" auf Gegenstände aus Wiener Museen negativ beschieden. Einzig Ungarn machte man letztendlich ein paar Zugeständnisse.

Nachdem, so Mag. Robert Lamberger, Wien 4, die "Enteignung des Hauses Habsburg-Lothringen gesetzlich verfügt wurde, ging mit Beschluss des Kabinettrates vom 18. Juni 1920 die . . . Verwaltung der ehemaligen Hofmuseen" an das Unterrichtsministerium.

Unter den übertragenen Beständen war auch die Tapisserien-Sammlung. Diese Kunstform nutzte Rudolf Freiler, Kirchschlag/NÖ, um eine "Querverbindung" zu den "Mittelmeerpiraten" auf S. I der März-Zeitreisen herzustellen: Karl V. ließ "nach dem Tunisfeldzug (1535, Anm.) herrliche Wandteppiche anfertigen . . . Die Originalkartons (= die Vorlagen, Anm.) befinden sich im KHM."

Spurensucher Freiler schätzt dort besonders den Adlerkameo. Das Relief aus einem Schmuckstein "war ein Geschenk an Augustus (röm. Kaiser, regierte 31v. Chr. bis 14n.Chr., Anm.) und gewiss hat er ihn in Händen gehalten. Das gibt ihm eine ganz besondere Aura. Ich spüre immer den Hauch der Geschichte."

Manfred Bermann, Wien 13, notiert, dass das Museum "im November 1920" Kunsthistorisches Staatsmuseum in Wien und erst "ab 1921 Kunsthistorisches Museum" hieß.

Versteckter Dante

Lieblingsstücke verrät auch Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf: "Het Pelsken (ca. 1638, Anm.), das Pelzchen, Rubens zweite Frau Hèléne Fourment. Ein zärtliches Bild, eine Liebeserklärung". Im selben Saal steht der "Ildefonso-Altar: gewaltig, strahlend, majestätisch". Er wurde um 1630 ebenfalls von Peter Paul Rubens (1577-1640) geschaffen.

Mag. Silvia Rainer-Heilmann, Klosterneuburg, schätzt die "Selbstporträts von Rembrandt", der von 1606 bis 1669 lebte. Maria Thiel, Breitenfurt, favorisiert Raffaels "Die Madonna im Grünen" (ca. 1506). DI Paul Bargmann, Katzelsdorf, nennt die "Bauernhochzeit" (ca. 1568) von Pieter Bruegel d. Ä. Damit sind wir auf dem Rundgang wieder beim Maler des "Turmbau zu Babel" angelangt.

Zuletzt blicken wir uns noch mit Dr. Hans Werner Sokop, Wien 17, im prachtvollen Stiegenhaus um: Auf der "von Klimt ausgestalteten Wand über den Stufen . . . schaut ein schwarzer Dantekopf hervor".

P.S. Danke für die Zusendungen zu Lieblingsobjekten, die diese fiktive Tour ermöglicht haben. Sie war einigen vielleicht ein kleiner Ersatz für den zur Zeit nur online zu besichtigenden Kunsttempel. Die Wiedereröffnung des KHM ist derzeit für Ende Mai geplant.

Zusammenstellung dieser Seite: Barbara Ottawa