Meor ehrod das Ault, meor grüozod das Nü, und blibod üs sealb und dor Hoammad trü!" Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, jetzt nur Bahnhof verstehen, so sind Sie schon auf der richtigen Spur. Einer Schmalspur, um genau zu sein. Die Zusatzorchidee der Nro. 404 drehte sich um die Bregenzerwaldbahn. Dazu recherchierte u.a. Dr. Manfred Kremser, Wien 18, der auf diese Verse des Vorarlberger Mundartdichters Gebhard Wölfle (1848- 1904) stieß. Anlässlich der Eröffnung der Bahn in den Bregenzerwald schuf er das Gedicht, dessen Schlusszeilen eingangs zitiert wurden. Übersetzt heißt das: "Wie ehren das Alte, wir begrüßen das Neue und bleiben uns selbst und unserer Heimat treu." Eine weitere Zeile lautet: "d’Zuokumpft rumplot mit G’wault daher", also, "die Zukunft rumpelt mit Gewalt daher".

Wenn wir schon bei Wälderbähnle-Versen sind, erwähnt Gerhard Toifl, Wien 17, ein Lied, das im Ländle jeder kennt: "Fahr’ mr no’ a kläle" ("Fahren wir noch ein bisschen"). Einst spöttisch gemeint, wird es heute mit nostalgischem Unterton angestimmt. Zwei Stellen aus dem Ohrwurm, der all die Hindernisse bei einer Fahrt mit dem Bäh(n)le besingt, lauten: "Zwüsche Dore - Lange isch’s Wäldarbähle bade ’gange." Oder: "Haltestelle Egg, s’ Wäldarbähle steackt im Dreck."

Bregenz (hier die Uferpromenade). - © Bild (gemeinfrei): Archiv
Bregenz (hier die Uferpromenade). - © Bild (gemeinfrei): Archiv

Schwer zugänglich war das Gebiet für Manfred Bermann, Wien 13, gaben doch seine "an die 20kg Bücher über Eisenbahnen . . . nichts, aber wirklich nichts" über das "Wälderbähnle" her. Eckdaten erfuhr der Tüftler aus anderen Quellen: Es verkehrte auf 35km "zwischen Bregenz und Bezau" im Bregenzerwald.

Militärisches Maß

Wie Mag. Robert Lamberger, Wien 4, festhält, handelt es sich um eine "Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 760mm, der sog. Bosnischen Spurweite."

Die "militärische Logik" hinter der "Bosnaspur" betrachtet Univ.-Prof. Dr. Georg Schmid, Saint-Oradoux-près-Crocq/F: Die Bosnabahn (ab 1879 in Etappen eröffnet) war "das erste moderne Verkehrsmittel, das Sarajewo erreichte." In Österreich wurden "nicht wenige Lokalbahnen mit dieser Spurweite gebaut . . . (Zillertal, Pinzgau etc.), um im Kriegsfalle auf ausreichend Lokomotiv-Material zurückgreifen zu können."

Im Bregenzerwald war schon in den 1860ern die Idee aufgekommen, eine Pferdebahn zu bauen, informiert Christine Sigmund, Wien 23. Doch die Bevölkerung zeigte sich "eher skeptisch". Erst "1891 stellte ein Konsortium einen neuen Antrag für den Bau einer schmalspurigen Lokalbahn."

"Am 7. September 1900 erfolgte im "Riedener Tunnel" der Spatenstich", so Maria Thiel, Breitenfurt. Doch schon "während der Bauzeit zerstörte ein Hochwasser die meisten Neubauten im Achtal". Die Baufirma ging "in Konkurs", die Weiterführung des Projektes verzögerte sich.

Mit "Johann Bertolini" nennt Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, einen der beteiligten Baumeister; er leitete die Errichtung "von Teilstücken wie die Strecke Andelsbuch-Bersbuch sowie einige Brückenbauten".

Bezau im Bregenzerwald. - © Bild (gemeinfrei): Archiv
Bezau im Bregenzerwald. - © Bild (gemeinfrei): Archiv

Dr. Wilhelm Baier, Graz-Andritz, erwähnt die "tausend Arbeiter aus dem Trentino, aus Slowenien, Kroatien und Ungarn", die am Bau beteiligt waren.

Am 15. September 1902 wurde die Bahn dem Verkehr übergeben. DI Paul Bargmann, Katzelsdorf, nennt mit dem 21. September jenes Datum, an dem in Egg ein Volksfest anlässlich der Eröffnung begann.

Die Betriebsführung, so Herbert Beer, Wolfpassing, übernahmen "die k.k. österreichischen Staatsbahnen". Im Jahr "1932 ging die Konzession . . . an die Bundesbahnen Österreichs (BBÖ) über, den heutigen ÖBB" (vgl. Zeitreisen, Sept. 2019).

Zunächst hatte "die Bahn der Region den erwünschten Aufschwung" beschert, merkt Dr. Karl Beck, Purkersdorf, an. Doch schon "nach 34 Jahren, . . . 1936, wurde der erste Antrag auf Einstellung . . . gebracht."

Alles im Fluss

Auf "der liebevoll gestalteten Homepage" des Vereines "Bregenzerwaldbahn-Museumsbahn" erkundigte sich Dr. Harald Jilke, Wien 2: "Als großes Problem erwies sich die Linienführung durch das teilweise schluchtartige Engtal der Bregenzer Ach. Immer wieder führten Hangrutschungen, Felsstürze und Zerstörung durch Hochwasser zu Streckenunterbrechungen".

"Über die Wirtschaftlichkeit herrschten von Anfang an Zweifel", u.a. waren "viele Stationen weit weg von den . . . Ortschaften", so Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, der 1963 noch "das Vergnügen" hatte, "die "schnuckelige" Bahn im Vollbetrieb zu erleben."

"Ab 1960 wurde die Strecke vernachlässigt", stellen Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram, fest: "Die letzten größeren Neubauten" hatte man "1939 bis 1941" getätigt, wobei für die Arbeit "auch Kriegsgefangene eingesetzt" worden waren.

Brigitte Schlesinger, Wien 12, berichtet, dass es am Abend des 11. Jänner 1965 "kurz nach Egg . . . zu einem Felssturz" kam. "Die Diesellokomotive stürzte ca. 30 Meter tief in die Bregenzer Ache, der nachfolgende Postwagen blieb - weil die Kupplung zur Lokomotive brach - am Hang auf der Stützmauer hängen". Es wurde "der Lokomotivführer . . schwer verletzt". Die Passagiere und ein Postbeamter kamen mit dem Schrecken davon.

Dr. Alfred Komaz, Wien 19: Im September 1965 wurde derselbe Postler, der das Unglück im Jänner miterlebte, "bei einem Überfall auf den Postwagen, der an diesem Tag über eine Million Schilling . . . transportierte", durch zahlreiche "Schnitt- und Stichwunden schwer verletzt, der Täter musste aber ohne Beute flüchten. Das Verbrechen blieb unaufgeklärt."

Endstation 1985

"Ganz arg war das Jahr 1980", so Michael Chalupnik, Sieghartskirchen; im April gab es nach "Unterspülung der Rotachbrücke keinen Zugverkehr mehr". Im Sommer machten Hangrutschungen erneut Probleme, sodass schließlich "die Strecke von Kennelbach bis Egg" unbefahrbar war. Im Oktober wurde "der verbleibende Betrieb zwischen Egg und Bezau aufgegeben." Offiziell verlautbart wurde die komplette Einstellung 1985.

Heute wird ein kurzes Stück "als Museumsbahn" geführt, so Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf. Von "Bezau über Reuthe nach . . . Schwarzenberg" verkehren auf ca. 5km historische Dampf- und Dieselloks.

Betreiber ist der schon erwähnte Verein "Bregenzerwaldbahn-Museumsbahn", gegründet 1985, so Volkmar Mitterhuber, Baden; er schaffte es, nach einigen Jahren Betriebsruhe einen Abschnitt wieder befahrbar zu machen.

Der öffentliche Verkehr zwischen Landeshauptstadt und Bregenzerwald wird nun mit Bussen bewältigt. Schon zitierter Spurensucher Dr. Kremser ist begeistert von einem Projekt: "Sieben Haltestellen der . . . Gemeinde Krumbach" wurden von Architektinnen und Architekten "aus sieben verschiedenen Ländern" gestaltet. Mit diesen "Buswartehüsle" holte die "knapp 1000 Seelen zählende" Gemeinde "die Welt (der Architektur) ins Dorf . . . Ja, die Bregenzerwälder sind wahrlich keine Hinterwäldler."

Zusammenstellung dieser Rubrik: Andrea Reisner