Blick durch die Weihburggasse Richtung Franziskanerplatz. - © Bild: Archiv/gemeinfrei
Blick durch die Weihburggasse Richtung Franziskanerplatz. - © Bild: Archiv/gemeinfrei

In eine schmale, leicht gekrümmte Gasse in der Wiener Innenstadt führte Frage 2 der Nro. 406 die Gemeine. Der Tüftlerkreis schlendert - zumindest im Geiste - durch die geschichtsträchtige Häuserschlucht und hebt im Vorbeigehen das eine oder andere bemerkenswerte Gebäude hervor. Vorher gibt Maria Thiel, Breitenfurt, noch allgemeine Auskunft: Die Weihburggasse verband "ursprünglich . . . die Kärntner Straße mit der Seilerstätte". Wer einst bis ans Ende der Weihburggasse spazierte, so Dr. Alfred Komaz, Wien 19, stand vor der "Kurtine", also dem "Wall zwischen zwei Basteien", der an dieser Stelle "zum Seilerstättentor (nachmals Karolinentor) durchbrochen" wurde. Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf: "Nach Demolierung der Kurtine (1862/63) wurde die Weihburggasse 1867 bis zum Parkring verlängert."

Dem Gassennamen, der seit dem 18. Jh. in verschiedenen Schreibweisen gängig ist, geht Martha Rauch, Wien 14, auf den Grund und verweist "auf die Zeit der . . . Stadterweiterung am Anfang des 13. Jh.s" (siehe auch gegenüberliegende Seite). Dr. Robert Porod, MMBA, Frauenhofen/Horn, notiert, dass die "Weihenburg" darin steckt. "Wihenburc, Weiherburg" etc. wurde, wie Dr. Herbert Peherstorfer, Wien 3, ergänzt, "ein altes Befestigungsstück mit einem Turm" genannt. Einer Deutung zufolge hat dies, so Christine Sigmund, Wien 23, "nichts mit der Weihe zu tun, sondern mit jenem alten Wort "Weich"", das im "Weichbild" (= Siedlungsgebiet) enthalten ist.

Stau durch Gaffer

Die "mauerumschlossene Siedlung" wurde nach Recherchen von Mag. Susanna Michner, Wien 9, "1234 erstmals erwähnt", bestand aber "ziemlich wahrscheinlich" schon früher, im 11./12. Jh. "Zu dieser Zeit war "Wien" von der Burgmauer umschlossen, die den hier interessierenden Bereich gar nicht umfasst hat. Es ist verständlich, dass man das Bedürfnis hatte, diese kleine Siedlung außerhalb der Mauer eigens zu umfrieden". Die ab 1200 errichtete "Ringmauer" verlief so, "dass das Weihburg-Areal innerhalb zu liegen kam."

Damit beginnen wir unsere Tour bei der Weihburggasse 1. Warum sich um die Mitte des 19. Jh.s vor einem Vorgängerbau des Hauses an der Ecke Kärntner Straße, Trauben von Menschen, genauer: Männern, gebildet und für Verkehrschaos gesorgt haben sollen, erklärt Gerhard Toifl, Wien 17: "Zwischen Oktober 1758" und "Mai 1759" habe hier "ein schönes Mädchen namens Fatime gewohnt", die den algerischen Gesandten als Teil seines Harems begleitet habe und nach der Abreise des Diplomaten in Wien geblieben sei. Später kam das Gerücht auf, bei der Dame, die sich immer wieder rauchend am Fenster zeigte, habe es sich um eine (Neu-)Lerchenfelderin gehandelt. Nichtsdestotrotz hieß das Haus noch länger "Zur schönen Algierin" (sic).

Schutt und Arbeitslose

1763 ersetzte man es, wie Volkmar Mitterhuber, Baden, konstatiert, durch einen "vierstöckigen Neubau", in dem das Geschäft "Zur Stadt Nürnberg" eingerichtet wurde. Das heute erhaltene Haus stammt aus 1885. Ende des Zweiten Weltkriegs wurde es durch einen Bombentreffer stark beschädigt. Lange war wegen des Schutts "nur ein schmaler Gehsteig" zwischen Weihburggasse und Kärntner Straße passierbar.

Dem Geschäftshaus Zwieback, Weihburggasse 2, wendet sich Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, zu: Im Vorgängerbau "wohnte 1864/65 Johann Strauß (Sohn) mit Jetty Treffz", seiner ersten Frau. Auch im Hotel "Kaiserin Elisabeth" schräg vis-à-vis gingen musikalische Größen ein und aus: Richard Wagner (1862), Franz Liszt (1879) oder Edvard Grieg (1896). Im "Gariboldischen Haus", das einst an der Stelle stand, logierten 1767 die Mozarts.

Der Steffl, von der Weihburggasse aus betrachtet. - © Bild: Archiv/gemeinfrei
Der Steffl, von der Weihburggasse aus betrachtet. - © Bild: Archiv/gemeinfrei

Das ehemalige Palais Pereira (Nr. 4) nimmt Dr. Gottfried Pixner, Wien 13, unter die Lupe: Erbaut wurde es 1840-42 "nach Entwurf von Ludwig Förster".

Ein Stück weiter befindet sich auf Nr. 10-12 das Haus der Wiener Ärztekammer. Wie Dr. Wilhelm Baier, Graz-Andritz, notiert, war etwa an dieser Stelle, im "Haus des niederösterreichischen Regimentsrats Prokop Gervasius Freiherr von Gollen", 1721 das Fragamt einquartiert. Zuvor war diese u.a. für Arbeitsvermittlung zuständige Einrichtung, so Mathilde Lewandowski, Payerbach, mit dem kurz "Dorotheum" genannten Versatzamt in Verbindung gestanden.

Damit geht Dr. Peter Schilling, Wien 18, weiter und merkt an: "In der Weihburggasse stehen noch Häuser aus dem 18. Jh.", z.B. ein "um 1730" entstandenes Wohngebäude mit der heutigen Nummer 13. Auf der anderen Straßenseite sehen wir mit Nr. 14 "ein hochbarockes Wohnhaus", laut dem Kunstführer "Dehio" erbaut "1722 für Anna Maria Woreitherin in der Art des Johann Lucas von Hildebrandt". Brigitte Schlesinger, Wien 12, verweist auf Ernst Graner, der das Haus samt charakteristischem Schmiedeeisenbalkon um 1900 malte.

Dem "Zentralbad mit altem Hausbrunnen" (Nr. 18-20) widmet sich Liane Bosch, Wien 8 (willkommen im Kreis der Zeitreisenden!): Das "Kaiserbründl" wurde 1889 eröffnet; einige Jahre nach 1900 sorgte "dort . . . "Luziwuzi", der jüngere Bruder von Kaiser Franz Joseph", mit "homoerotischen Exkursionen" für einen Skandal.Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.- Wagram, notieren, dass diese "einzige große Badeanstalt in der Innenstadt . . . orientalisch anmutende Kaltwasser-, Dampf- und Warmwasserabteilungen" besaß - getrennt für Männer und Frauen.

Theater auf Nr. 24

Schräg gegenüber in Nr. 21, befand sich einst ein Gasthaus namens "Stadt Bamberg", so Michael Chalupnik, Sieghartskirchen; der 1787 errichtete Bau mit offenen Pawlatschengängen im Hof steht heute noch.

Mit dem "Dehio" in der Hand referiert Dr. Karl Beck, Purkersdorf, zum Haus Nr. 22: Es handelt sich um "das ehemalige Kaiserstein-Palais mit mehreren Bauphasen, Renaissancebau Mitte des 16. Jh.s". 1700 "um viergeschossigen Eckturm erweitert".

"Als Musikliebhaber" denkt Gesandter i. R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, "an das Ronacher", dessen Gebäudekomplex sich bis zur Weihburggasse 24 erstreckt, wobei der "Haupteingang im Rundbau an der Ecke Himmelpfortgasse/Seilerstätte liegt". Rudolf Freiler, Kirchschlag/NÖ, weiter: Erbaut wurde "das Ronacher . . . 1887/88 von Fellner und Helmer", die v.a. als Theaterarchitekten berühmt wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es bis 1955 als "Ausweichquartier des Burgtheaters", später einige Jahre als ORF-Domizil.

Beim Palais Abensberg-Traun, Nr. 26, endet unser Spaziergang. Herbert Beer, Wolfpassing: Erbaut wurde es "1872-74 durch den Architekten Ludwig Tischler". Über dem Portal prangt "das Wappen der Familie".

P.S. Dass wir den an die Weihburggasse grenzenden Franziskanerplatz samt -kloster übergangen haben, hat seinen Grund: Recherchen dazu, u.a. von Harry Lang, Wien 12, und Dr. Manfred Kremser, Wien 18, folgen im Juli!

Zusammenstellung dieser Rubrik: Andrea Reisner