Eine Singer-Nähmaschine, wie sie am 20. Juni 1869 in der "Wiener Zeitung" beworben wurde, war einst Wunschtraum aller Frauen, die sich mit Nadel und Faden die Finger wund nähten - für die Kleidung der eigenen Familie oder ein bescheidenes Zubrot durch Heimarbeit. Das Original kam aus den USA, wo sich Isaac Merritt Singer 1851 ein Patent für eine verbesserte, einfach zu bedienende Nähmaschine sicherte (basierend auf einer Konstruktion des Maschinenbauers Elias Howe). In Wien hatte schon ab 1807 der Tiroler Josef Madersperger an einem Apparat getüftelt: Die "Nähhand" war funktionstüchtig, setzte sich aber nicht durch. Die massenhafte Verbreitung der Nähmaschine durch Singer erlebte Madersperger, der 1850 arm starb, nicht. Auf dem Opernring eröffnete die US-Firma in den 1860ern eine Verkaufsniederlage, ab 1883 betrieb sie ein Werk in Floridsdorf. Dass die Marke in die Kunstgeschichte einging, verdankt sie dem belgischen Dichter Paul van Ostaijen (1896-1928), der um 1915 eine grotesk-komische "Ode an Singer" (niederl. "Huldegedicht aan Singer") schrieb. Als Persiflage auf Werbung kehrt darin der Slogan "Singers Nähmaschine ist die beste" immer wieder. So heißt auch eine "Oper oder Ode oder Opernode" (1966) des österreichischen Komponisten Otto M. Zykan (1935-2006).