Warum der 16. Wiener Bezirk heute Ottakring heißt und nicht Neulerchenfeld - diese Causa kam in den Mai-Zeitreisen (Seite V) aufs Tapet. Die beiden eigenständigen Gemeinden wurden bei der Stadterweiterung mit 1. Jänner 1892 vereint und bekanntlich Ottakring genannt. Prof. Ferry Kovarik, Wien 16, Kenner und begeisterter Einwohner des Bezirks, weist auf ein Argument hin, das man im damaligen Namensstreit anführte, nämlich dass Ottakring nicht nur flächenmäßig größer war, sondern auch "die um acht oder neun Jahrhunderte ältere Siedlung".

Eine Anekdote rund um die Auseinandersetzung gibt Prof. Kovarik zum Besten: Nach langem Hin und Her "einigten sich die Gemeindeväter von Ottakring und Neulerchenfeld dahingehend, dass dieser neue Bezirk die Bezeichnung Ottakring erhalten solle und im Gegenzug . . . der letzte Bürgermeister von Neulerchenfeld, ein Dürrkräutler (Kräuterhändler, Anm.) mit dem Namen Robert Ulrich, der erste Bezirksvorsteher wird. Was auch geschah! Und die Ottakringer lachten über die Neulerchenfelder, der Name Ulrich war rasch vergessen, aber Ottakring bleibt ewig!"

Robert Ulrich warf bereits Ende 1893 entnervt das Handtuch. Er hatte es satt, so berichtete eine Zeitung damals, "Bezirksmarionette" zu sein. Sein Nachfolger wurde Johann Hofinger, ein Christlichsozialer - und Ottakringer. Ulrich starb im Alter von nur 53 Jahren im Juni 1894 in seiner Wohnung in der Grundsteingasse in Neulerchenfeld.

Depeschen

Zu Freisings Spuren in Wien (vgl. Nro. 407, S. VII) ergänzt Peter Thomas Suschny, Wien 14: "Hinter dem Graben erinnert . . . die Freisingergasse an die Besitzungen des Hochstifts". Auch an den 1911 abgebrochenen Trattnerhof, der im 18. Jh. in der Gegend errichtet worden war, gemahnt eine Adressbezeichnung: der Durchgang "von der Goldschmiedgasse zum Graben" heißt nach wie vor "Trattnerhof". Geheimtipp von Spurensucher Suschny für Geschichtsbegeisterte: Im Haus mit der Adresse Trattnerhof 2 gibt es immer noch einen Paternoster.

An Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7: Ihre süßen Zeilen zur Saccharin-Geschichte (vgl. Nro. 407, S. I) machten Freude! - Besten Dank an Manfred Korinek, Wien 14, für Nachtrag zu Goldgräbern und verlorenen Schätzen! - An Dr. Harald Jilke, Wien 2: Toi, toi, toi für den Übertritt in den Ruhestand!

P.S. Im ZEITREISENLOTTO gewann Monika Rauch, Wien 17; wir gratulieren!