Als man in Wien Hakenkreuze in die Rahmen ihrer Bilder schnitt, wusste sie, dass sie ihre Koffer packen musste - wieder einmal. Die 1900 geborene Josefstädterin Trude Waehner hatte sich nicht nur als expressionistische Malerin und Grafikerin einen Namen gemacht, sie engagierte sich auch im Kampf gegen den Faschismus. Vor den Nazis hatte sie schon 1933 fliehen müssen; damals befand sie sich in Berlin, wo sie zwei Jahre eine große Schau vorbereitet hatte. Die kam dann freilich nie zustande.

Selbstporträt Trude Waehner (1900-1979).  - © Kunsthandel Widder
Selbstporträt Trude Waehner (1900-1979).  - © Kunsthandel Widder

Zurück in Wien ist sie für den Werkbund tätig, hilft aber auch Verfolgten, indem sie Pässe für Antifaschisten fälscht. 1937 widmet ihr die Galerie Würthle eine Personale. Es sollte für längere Zeit die letzte Anerkennung in ihrer Heimat sein. Kurz nach dem "Anschluss" wird sie von der Gestapo gesucht. Doch sie kann mit ihrem jüdischen Mann Fritz Schmidl und ihrem Sohn aus erster Ehe, Gustav Szekely, geb. 1922, fliehen. Die Rückkehr aus New York 1947 gestaltet sich schwierig. Ihr Refugium in ihrem Elternhaus Buchfeldgasse 6, Wien 8, kann sie erst wieder beziehen, nachdem ein Rechtsstreit mit ihrem Mieter, Autor Heimito von Doderer, ausgefochten ist (vgl. Nro. 318, Dezember 2012).

Nach einer Ausstellung in der Albertina 1966 wird die international geschätzte Künstlerin angefeindet. Porträtaufträge bekäme sie, ebenso wie Oskar Kokoschka, "überall, nur nicht in Österreich", klagte Kulturstadtrat Viktor Matejka damals.

Nun hat Wien ihr immerhin einen Platz gewidmet, nämlich den sog. Alserspitz an der Einmündung der Skodagasse in die Alserstraße, Wien 8.

Der künstlerische Nachlass befindet sich in der Kunsthandlung Widder, Johannesgasse 9-13, Wien 1. Infos zu Leben und Werk: www.trude-waehner.at