Als Josef Resler, Wien 16, in der Juni-Ausgabe einen Hinweis auf das Haus Trattnerhof 2 (Wien 1) las, kam ihm ein Tag des Jahres 1945 in den Sinn - es wird vermutlich der 8. Februar gewesen sein, den der Zeitreisende der Gemeine schildert: "Ich stand kurz vor meinem 13. Geburtstag. Der Schulalltag war nicht mehr von Disziplin beherrscht, einige Lehrkräfte waren schon "abgereist", man kümmerte sich nicht mehr um die Anwesenheit der Schüler, und so gab es genug Gelegenheit, statt des Schulbesuchs andere Aktivitäten zu setzen. Eine Alternative . . . war für uns drei Freunde der regelmäßige Besuch des OP-Kinos (steht für "Ohne Pause", Anm.) am Graben, wo wir uns so lange aufhielten, bis uns der Platzanweiser nach dem Ablauf der Besuchszeit hinauswarf, in das Winterwetter . . . Dann gingen wir fast immer in das Haus Trattnerhof 2, um mit dem Paternoster zu fahren, und zwar rundherum, oben und unten, ohne die Kabine - so wie es Vorschrift war - zu verlassen. So auch an diesem Donnerstag . . . Als ich mich mit der Kabine am oberen Umkehrpunkt befand, wurde der Strom abgeschaltet, die Sirenen begannen zu heulen, es gab Fliegeralarm. Eine Bretterwand verhinderte jeden Ausbruchsversuch. Bald begann die FLAK zu schießen, Bomben fielen, zuerst entfernt, dann immer näher, das Haus bebte, der Paternoster rüttelte, die Einschläge in unmittelbarer Nähe versetzten mich in Angst und Schrecken. Die Zeit des Bombardements schien endlos. Die Sirenen mit dem Entwarnungssignal waren für mich Befreiung und Erlösung, es gab wieder Strom, und der Paternoster bewegte sich wieder abwärts. Gleich im obersten Stockwerk sprang ich hinaus, rannte die Stiegen hinunter und eiligst nach Hause, wo Mutter schon sorgenvoll auf mich wartete . . . Ich bin nach diesem Erlebnis niemals wieder mit einem Paternoster rundherum gefahren!"

*****

Um dem "Dahinwelken" des Wienerischen entgegenzuwirken, hat Dr. Hans Werner Sokop, Wien 17, Zeitreisender und (Mundart-)Lyriker mit beachtlicher Publikationsliste, soeben ein neues Buch veröffentlicht: "Redensarten aus Wien" (Edition scribere & legere, 172 S., 12) ist ein vergnügliches Sammelsurium von Sprüchen, aufgeschnappt "in der Schule, auf der Gasse, am Spielplatz, beim geselligen Beisammensitzen" sowie - Dr. Sokop ist Jurist - "in Strafberufungsbescheiden betreffend groben Unfug (Ordnungsstörung, Lärmerregung, Anstandsverletzung und ungestümes Benehmen)", heißt es im Vorwort. Wichtigste Quelle ist aber Dr. Sokops Großmutter Katharina Parrer, Jg. 1881. Von ihr hörte der Enkel Sätze wie "Greif dar aufs Hirn und schrei: "O Herr, ich bin dumm!"" Oder (war man langsam): "Dem kaunst im Geh de Hosn flickn". Auf die Frage, ob es heute kalt sei, setzte es: "Dem Pfoarer san scho drei Gäns dafruan." Schließlich: "Unkraut verdirbt net - und aa Mistviech des stirbt net."

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner