Da die Nuss Nro. 408 den Tüftlerkreis in nordische Gefilde führte, hatte Prof. Dr.-Ing. Klaus Schlabbach, Hamburg/D, einen Vorsprung, wie der Zeitreisende schmunzelnd anmerkt: "Von Wien aus gesehen bin ich in Hamburg ja schon halbwegs in den arktischen Regionen", ist doch Norwegen, das Thema der 2. Frage, von der Elbstadt quasi nur einen Katzensprung entfernt. Im "Juni 1905", so der hanseatische Nussknacker, "löste das Parlament (Storting) . . . die Union" mit Schweden, und zwar "ganz unblutig". Norwegen erreichte nach Jahrhunderten wieder Eigenständigkeit.

400 Jahre Nacht

"Bis zum Kieler Frieden vom 14. Jänner 1814 war Norwegen eine dänische Provinz und führte die dänische Flagge", informiert Dr. Wilhelm Baier, Graz-Andritz.

Das ""Doppelkönigreich" Dänemark-Norwegen (eine Personalunion)" dauerte, so Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, "vom Ende des 14. Jh.s bis 1814".

Als "400-Jahre-Nacht" bezeichnete der "norwegische Dramatiker Henrik Ibsen" diese Ära, so Dr. Alfred Komaz, Wien 19; Christian III. (König Dänemarks und Norwegens ab 1534) hatte zwar noch erklärt, dass Norwegen "auf ewige Zeiten" zu Dänemark gehöre, diese dauerten dann aber ""nur" bis Anfang des 19. Jh.s".Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf: "In den napoleonischen Feldzügen wurde Dänemark an Frankreichs Seite in den Krieg verwickelt und nach der Niederlage gegen Großbritannien und Schweden 1814 zum Rückzug aus Norwegen gezwungen."

Die Dänen mussten laut Vertrag "Norwegen an Schweden abtreten", so Maria Thiel, Breitenfurt, die ergänzt, dass damals die Unabhängigkeitsbewegung erstarkte. Christine Sigmund, Wien 23: "Am 17. Mai 1814" gab sich Norwegen "eine liberale Verfassung", die nach dem Ort der Versammlung, Eidsvoll, benannt ist. Dr. Karl Beck, Purkersdorf: Mit ihr wurde "die volle Souveränität des Landes" erklärt. "Schweden beharrte jedoch auf Erfüllung des . . . Friedensvertrages." Es kam "zu Schwedens "Norwegischem Feldzug", der mit dem Waffenstillstand und der Konvention von Moss am 14. August 1814 endete". Norwegens Traum von der Unabhängigkeit platzte.

Als "Heringssalat" wurde die ab 1844 geltende Unionsflagge Norwegens verspottet.  - © Bild: "Orient Line Guide", 1894
Als "Heringssalat" wurde die ab 1844 geltende Unionsflagge Norwegens verspottet.  - © Bild: "Orient Line Guide", 1894

Mit der Union mit Schweden entbrannte auch ein lange währender Flaggenstreit. Michael Chalupnik, Sieghartskirchen: "Der norwegische Kaufmann und Politiker Frederik Meltzer entwarf 1821" das noch heute gültige Landessymbol, es existierten aber lange verschiedenste Varianten nebeneinander. Erst ab 1899 verwendete Norwegen Meltzers Version für alle Zwecke.

Ing. Helmut Penz, Hohenau/March: "Ab 1844 bildet König Oskar I. . . . als Symbol der Gleichstellung beider Staaten der Union im oberen Liek (innerer, mastseitiger Teil der Flagge, Anm.) sowohl der norwegischen als auch der schwedischen Flagge eine Kombination beider Nationalflaggen ab" (s. Abb. u.). Wie Mag. Hermann Hayn, Ma. Enzersdorf, einwirft, kam für dieses bunte Symbol "der Spottname "Heringssalat"", (schwed. "Sillsallad") auf.

Norwegens Staatswappen beschäftigte Herbert Beer, Wolfpassing: Es "ist eines der ältesten Europas und war ursprünglich ein persönliches Wappen des Königs". Zu sehen ist darauf bis heute ein Löwe ("den norske løve") mit einer Axt.

"Am 23. Mai 1905 kam es schließlich zu folgenschweren Streitigkeiten . . . um eigenständige Konsulate", so Brigitte Schlesinger, Wien 12. "Am 7. Juni" löste das Storting einseitig die Union. Es wurde eine Volksabstimmung festgelegt. Der 13. August "wird ein Festtag" für Norwegen, die Wahlbeteiligung ist hoch. Über die Stimmung in der Hauptstadt Kristiania (nun Oslo) berichtete damals eine Zeitung: "Seit dem frühen Morgen herrscht lebhaftes Treiben in den Straßen. Gesangsvereine singen unter großer Begeisterung von Tausenden . . . nationale Lieder."

Håkons Taschentuch

Das Abstimmungsergebnis war überwältigend, wie Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, festhält: "eine fast 100-prozentige Mehrheit für die Auflösung der Union"! (Wählen durften damals aber nur Männer, Frauen erst ab 1913.)

Dr. Gottfried Pixner, Wien 13: Der Polarforscher und Diplomat Fridtjof "Nansen mit seinem internationalen Ansehen hatte . . . einen gewichtigen Einfluss" auf den Ausgang des Referendums gehabt.

Wie Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, notieren, stellte sich "Großbritannien . . . auf die Seite Norwegens".

1907 garantierten schließlich vier Großmächte die Souveränität des neuen Staates: Deutsches Reich, Frankreich, Großbritannien und Russisches Reich.

Volkmar Mitterhuber, Baden: Die "am 23. September 1905 unterzeichnete Konvention von Karlstad (Stadt in Schweden, Anm.) beinhaltete die volle Anerkennung Norwegens als unabhängiger Staat und die Abdankung des schwedischen Königs vom norwegischen Thron". Die "Auflösung der Union erfolgte offiziell am 26. Oktober 1905."

Dr. Harald Jilke, Wien 2, informiert, "dass Prinz Carl von Dänemark am 18. November" als Håkon VII. zum König "von Norwegen gewählt wurde." Über seine Mutter stammte er "aus dem schwedischen Königshaus Bernadotte", war jedoch auch "Mitglied der dänischen Königsfamilie." Wie Dr. Jilke mit Verweis auf seinen eigenen Vornamen augenzwinkernd ergänzt, hat(te) Norwegen etliche "Könige namens Harald".

Schon erwähnter Zeitreisender Dr. Litschauer zitiert noch einen Ausspruch Håkons, der übrigens "über eine seiner Urgroßmütter" auch mit "den Wittelsbachern und den Habsburgern" verwandt war. Das Bonmot spielt "auf die verfassungsrechtlich äußerst eingeschränkte Rolle des Monarchen" an: "Ein Taschentuch ist das einzige, in das ich in Norwegen meine Nase stecken darf."

Funken des Friedens

Einen Nebenpfad nach Morokulien, ein Areal beiderseits der schwedisch-norwegischen Grenze, gut 100km östlich von Oslo, beschreitet DI Gerhard Raimann, Alland: Zur Erinnerung an den "100-jährigen Frieden" zwischen den beiden Ländern wurde 1914 ein "Denkmal errichtet, das von dem schwedischen Architekten Lars Johan Lehming kostenlos entworfen" worden war. Er "wurde deshalb aus seiner Arbeitsstelle bei der schwedischen Verteidigung entlassen, da die Loslösung Norwegens 1905 von vielen Schweden immer noch als Schmach empfunden wurde. Das Monument . . . aus weißem Granit" besteht aus zwei "Säulen, die sich je in Norwegen und in Schweden befinden". Darauf stehen "zwei Männer, die einander . . . die Hände reichen". In dem ringsum errichteten Park wird u.a. "eine Amateurfunkstation betrieben, die entgegen sonstigen Gepflogenheiten . . . Sonderrufzeichen beider Länder (SJ9WL für Schweden bzw. LG5LG für Norwegen) verwendet."

P.S. In den September-Zeitreisen werden Beiträge zu den verbleibenden Teilen der Nuss Nro. 408 folgen. Mit Frage 1 zum sagenumwobenen Thule beschäftigten sich etliche Tüftler, darunter nicht nur Brigitte Weiser, Wien 8, und Dr. Gerhard Jungmayer, Wien 22, sondern auch Dr. Peter Schilling, Wien 18, und Dr. Robert Porod MMBA, Frauenhofen/Horn. Zur Orchidee um Nansens völkerrechtliches Engagement recherchierte u.a. Manfred Bermann, Wien 13. Der Zusatzorchidee zur Nordpolexpedition Amundsens widmete sich nicht zuletzt Martha Rauch, Wien 14.

Zusammenstellung dieser Rubrik: Andrea Reisner