Folgende Szene spielte sich 1904 auf der Spiritusausstellung im Wiener Prater ab: Ein Herr mittleren Alters umrundet immer wieder ein rätselhaftes Objekt auf dem Gelände vor der Rotunde, eine Bahn mit nur einer Schiene. Das Vehikel mit zwei hintereinander angeordneten Rädern lag im Ruhezustand auf die Seite geneigt da. Welcher Motor trieb es an, wie hielt es Balance? Über diesen Fragen verzweifelte der mittlerweile fluchende, auf dem Bauch liegende, an der Maschine rüttelnde Mann fast - bis ihn ein schmunzelnder Ausstellungsbesucher über die geheimnisvolle Kraft aufklärte: Seitlich am Wagen war ein Gestänge angebracht, in das man ein Pferd spannte.

Der Wissensdurstige - es war der Wiener Schriftsteller Eduard Pötzl (1851- 1914), der dieser Episode ein Feuilleton im "Neuen Wiener Tagblatt" widmete - schlug sich an die Stirn.

Die hier abgebildete Annonce, die am 12. August 1900 in der "WZ" erschien, zeigt, dass die Einschienenbahn auch durch Menschen angetrieben werden konnte. Die simple Anlage mit einer Spurweite von null war für Fabriken, Landwirtschaft oder als Feldbahn gedacht.

In anderer Ausführung kam das Einschienen-Prinzip damals als futuristisch anmutendes Verkehrsmittel in Schwung, z.B. in Wuppertal, das 1901 seine Schwebebahn eröffnete.