Von imposanter Gestalt, "ein grosser sehniger Körper", das Antlitz "mit energischen Gesichtszügen", am Platz überzeugt die "Schärfe" seiner Stöße - kurz: Sein Spiel "kann als vorzügliches bezeichnet werden." So kamen Journalisten 1897 ins Schwärmen, wenn der neue "Stern" den Rasen betrat. Die Rede ist von Mark Nicholson, der für den Wiener Fußball eine entscheidende Rolle spielte. Seinen Spuren folgte die Gemeine anlässlich der Orchidee der Nro. 410.

Brite stürmt Wien

Zu den Anfängen des Wiener Fußballs "Ende des 19. Jh.s" kommt Ing. Helmut Penz, Hohenau/March: Den Sport pflegten die "damals in Wien lebenden englischen Gastarbeiter", oft Gärtner. "Auf der Insel war die Jagd nach dem runden Leder bereits äußerst beliebt und die Wiener Engländer wollten" sie "auch in der Fremde nicht missen."

Abzeichen des Sport-Clubs Nicholson.  - © Bild: SC Nicholson
Abzeichen des Sport-Clubs Nicholson.  - © Bild: SC Nicholson

Auch eingangs erwähnter "Magnus Douglas "Mark" Nicholson" (1871- 1941) war Brite, nahe Birmingham geboren, wie Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, herausfand: "Seine fußballerische Karriere begann im Alter von 18 Jahren". Dr. Harald Jilke, Wien 2, schließt an: Zwei Jahre später "unterschrieb er ... bei West Bromwich Albion", einem erfolgreichen Club, gegründet 1878 von Arbeitern einer Sprungfedernfabrik.

Um 1893 wurde ihm eine Stelle in London "bei Thomas Cook & Son", dem großen Tourismusagenten, angeboten, so Brigitte Schlesinger, Wien 12. Nun reiste er viel, stand aber sofern möglich weiter als Fußballer zur Verfügung. "Nach einem Aufenthalt in Marseille wurde er 1897 ... als Büroleiter nach Wien versetzt." Dr. Peter Schilling, Wien 18: Dort fand er Anschluss an "den jungen Wiener Club ... "Vienna"" und genoss bald den Ruf, der beste Stürmer der Stadt zu sein.

Dabei dürfte der Brite "ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle" gewesen sein, wie Rudolf Freiler, Kirchschlag/NÖ (Chapeau für Bildfunde!), anmerkt: "So ist verbürgt, dass er zu einem ... Cup-Finale aus Gründen der Fairness nicht antreten wollte, weil der stärkste Spieler" der Kontrahenten nicht am Platz sein konnte.

Der Brite wollte auch organisatorische Grundfesten schaffen. Dr. Gerhard Jungmayer, Wien 22, dazu: Auf seine Anregung wurde "das "Comité zur Veranstaltung von Fußballwettspielen" gegründet." Das war der Beginn der Verbandsgeschichte für den österreichischen Fußball.

Harry Lang, Wien 12, weiter: "1900 schloss sich dieses Comité als Interessensvertretung aller österreichischen Fußballvereine zusammen." Dr. Karl Beck, Purkersdorf: Es folgte die Umbenennung in "Österreichische Fußball-Union" (ÖFU). Maria Thiel, Breitenfurt, fährt fort: "Noch im Gründungsjahr gelang es der ÖFU, alle damals bedeutenden österreichischen Fußballvereine für dieses Vorhaben zu gewinnen."

Später wurde die Organisation als "Österreichischer Fußball-Bund" tätig.

Eine Aufgabe des ursprünglichen Comités war es, Matches mit ausländischen Mannschaften zu veranstalten. So kamen zu Ostern 1899 Studenten aus Oxford nach Wien, um sich mit Hiesigen zu messen. Die Engländer schlugen die Wiener 15:0; bei einem zweiten Spiel 13:0. Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf, zitiert schmunzelnd aus der "Allgemeinen Sport-Zeitung" zum Spielverlauf: "Der Ball rollt gemüthlich für einige Secunden flach den Boden entlang, nicht selten durch die Beine der gegnerischen Leute (= Wiener, Anm.), die mit ihren weitausholenden Tritten und Stössen in der Regel ihr Ziel verfehlen."

Der Zuschauerandrang war trotzdem gewaltig: Die Einnahmen betrugen über 3000 Kronen - ungefähr so viel machten die Reisespesen der Briten aus. Der Sport wurde stetig beliebter, wie Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, aufzeigt: 1907 gab es in Österreich "schon 300 Vereine."

Das beobachtete Nicholson nur mehr aus der Ferne. Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10: Er kehrte "im Oktober 1900 ... nach England zurück, verfolgte aber keine aktive Fußball-Karriere mehr."

Ihm zu Ehren gründeten 1913f "Favoritner und Margaretener ... den Sport-Club Nicholson" (s. Bild l.u.), wie Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, notieren. Ab 1933 bis zur Auflösung 1973 nannte sich der Verein "FC Wien".

Länderspiele ohne Staat

Die Frage nach dem ersten österreichischen Länderspiel brachte mehrere Daten aufs Tapet. Volkmar Mitterhuber, Baden, nennt "Sonntag, den 12. Oktober 1902": Es spielte Österreich "gegen Ungarn auf dem WAC-Platz" (Wiener Athletik Sportclub) im Prater. "Freilich sprach man" in der Monarchie "nicht von "Österreich gegen Ungarn"". Es wurde als "Städtespiel zwischen Wien und Budapest" beworben. Den Ausgang 5:0 für Wien verfolgten 500 Zuschauer. Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, dazu: Das Match gilt als "erstes offizielles österreichisches Länderspiel, da diese Begegnung erstmals namentlich von den Landesverbänden ÖFU und Magyar Labdarúgó Szövetség (= Ungarischer Fußballverband) ausgerichtet wurde." Manfred Bermann, Wien 13, ergänzt einen anderen Anwärter: "Das erste Länderspiel, allerdings inoffiziell", fand "am 8. April 1901 gegen eine Schweizer Auswahl", die 0:4 verlor, statt.

Erwähnter Zeitreisender Freiler wirft ein: Es gab aber bereits vor 1901 "Städteduelle", etwa "gegen Berlin und Prag".

So liest man in anderen Quellen den 12. März 1899 als Datum zum ersten Länderspiel. An diesem Tag trat eine repräsentative Wiener Mannschaft in Prag gegen ein Team der Böhmischen Athleten-Union an (2:2). Aber nicht nur auf Länderebene, auch innerhalb Wiens lassen offizielle Spieldaten rätseln.

Erbfeinde am Rasen

Den Start des bis heute unter dem Namen "Wiener Derby" bekannten Kampfs zwischen zwei Erzrivalen nennt Johann Tischer, Muckendorf/Donau: "Am 8. September 1911" spielte der "Sportklub Rapid" gegen den "Wiener Amateur-Sportverein", der sich 1926 in "Austria" umbenannte.

Herbert Beer, Wolfpassing, fügt an: Monate zuvor, am "14. Mai 1911", war "Rapid erstmals auf die kurz zuvor gegründeten "Amateure"" getroffen - allerdings mehr oder weniger freundschaftlich. Das Match "vom 8. September war aber gleichzeitig das allererste Meisterschaftsspiel für beide Vereine und gilt somit auch als Mutter aller Derbys." Gerhard Toifl, Wien 17: Die "Begegnung endete mit 4:1 für Rapid. Ab diesem Tag nahm der große Konkurrenzkampf Fahrt auf."

P.S. Welche zwei Rivalen lange vor Rapid und Austria um die Vorherrschaft am Wiener Rasen kämpften, war Thema der Zusatzorchidee, zu der u.a. Christine Sigmund, Wien 23, recherchierte. Der Antwortreigen folgt in einem Monat!

Zusammenstellung dieser Rubrik: Christina Krakovsky