"Kriegsende auf der Rax, Spätwinter im Hochgebirge" - mit diesen Worten beginnt Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf, einen Erinnerungstext, den sich der Zeitreisende, der "Bub" von einst, von der Seele schreiben wollte und der im Folgenden in voller Länge wiedergegeben wird: "Der Bub liegt mit der Mutter und seinen beiden Brüdern in den Latschen versteckt. Der jüngere Bruder ist erst acht Monate alt, er versteht nicht, warum wir uns verstecken müssen. "Die Russen kommen!", hat es geheißen. "Wir müssen auf die Rax aufsteigen, bei der Tante im Karl-Ludwig-Haus sind wir sicher!" Aber die Russen sind auch aufgestiegen.

Von Goethes "König in Thule" (hier: Druck, ca. 1850) zur "Thulegesellschaft" war es ein steiler Abstieg. Bild: nach A. Scheffer/Archiv
Von Goethes "König in Thule" (hier: Druck, ca. 1850) zur "Thulegesellschaft" war es ein steiler Abstieg. Bild: nach A. Scheffer/Archiv

Der Bub hört Schüsse in der Ferne und die Fenster des Hauses sind beleuchtet. Es wird dunkel und es wird sehr kalt. Langsam wird es ruhig im Haus hier aus der Entfernung. Warten, lange warten - aber der Kleine weint, er kann nicht mehr. "So geht es nicht weiter", sagt die Mutter, "es ist zu kalt!" Der Bub soll nachschauen gehen. Er braucht sich nicht fürchten, denn die Russen tun kleinen blonden Buben nichts.

Der Bub fürchtet sich auch nicht, er ist ja schon fünf Jahre alt. Er geht zum Haus und durch die Hintertüre in die Küche. Aber da ist es sehr hell und sehr laut, da ist Geschrei und Geraufe! Die Tante hat die langen weißen Haare aufgelöst über den Rücken, sie schreit und wehrt sich und läuft davon und ein Soldat läuft ihr nach.

Dann der Abstieg von der Rax. Die Kinder in einem kleinen Leiterwagerl, die Mutter und das Zimmermädchen Käthe ziehen es. Es ist sehr still und sehr dunkel, nur die Sterne leuchten.

Tante Marie lebt nicht mehr, die Mutter und die Brüder leben nicht mehr, auch Käthe lebt nicht mehr. Und wenn es sehr still ist und nur die Sterne leuchten, dann erinnert sich der Bub."

*****

Der seit der Antike faszinierende Mythos um ein im hohen Norden gelegenes Eiland namens Thule beschäftigte die Gemeine vor kurzem. Als im September die Recherchen der Tüftlerinnen und Tüftler präsentiert wurden, fand auch die "Thulegesellschaft" Erwähnung, zu der Rudolf Freiler, Kirchschlag/NÖ, Details ergänzt: Es handelte sich um "eine Geheimgesellschaft, die extrem antisemitisch und deutschvölkisch war und 1918/19 bei der Gründung von rechtsextremen Zeitungen und Parteien überall ihre Hände im Spiel hatte. Unter anderem wurde ein obskurer Münchner Verein namens "Freier Arbeiterausschuss für einen guten Frieden" finanziell und personell unterstützt. Kurz darauf wurde der Verein in "Deutsche Arbeiterpartei" umbenannt. Kurz darauf wiederum besuchte ein Soldat aus Braunau im Auftrag der Reichswehr eine Parteiveranstaltung. Der Soldat hieß Adolf Hitler . . ."

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner