Fachleute wurden von englischen Gelehrten im 16. Jh. vom Kontinent für die noch junge Disziplin des Buchdrucks geholt. Dazu recherchierte die Gemeine anlässlich der Karten-Nuss in Nro. 409 zu einem Plan von Cambridge aus 1575 (s. Ausschnitt).

Deutsche Buchdruckerkunst - oben moderne Darstellung des alten Handwerks - war in England gefragt. Siberch eröffnete um 1520 die erste Druckerei in Cambridge (unten) nahe Heighe Warde (jetzt Trinity Street).  - © Bilder: Dt. Kulturbilder (1934), Archiv
Deutsche Buchdruckerkunst - oben moderne Darstellung des alten Handwerks - war in England gefragt. Siberch eröffnete um 1520 die erste Druckerei in Cambridge (unten) nahe Heighe Warde (jetzt Trinity Street).  - © Bilder: Dt. Kulturbilder (1934), Archiv

In dieser Universitätsstadt befindet sich, wie Dr. Karl Beck, Purkersdorf, betont, der "weltweit älteste ohne Unterbrechung existierende Verlag", die Cambridge University Press (CUP). Das "Recht zum Drucken von Büchern" wurde ihr "1534 von Heinrich VIII. (1491-1547)" erteilt.

Gedruckte Umbrüche

Die Drucktradition in Cambridge war bereits um 1520 begründet worden. Die Namen des Deutschen, der das zuwege brachte, nennt Dr. Manfred Kremser, Wien 18: "Johann Lair, der meist John (auch Jan) Siberch auch Siborch oder Ioannes Siburgus bzw. Johannes von Lair zu Sigbergh genannt wird." Siegburg bei Köln war sein Wohnort, geboren wurde er um 1476 in Sieglar, heute Troisdorf-Sieglar in Nordrhein-Westfalen. Geschichtsfreund Dr. Kremser ergänzt, dass in Johanns frühester Kindheit "das erste Buch in England gedruckt" wurde.

Volkmar Mitterhuber, Baden, recherchierte, wie Johann, der in eine Zeit der Umwälzungen geboren worden war, auf die Insel kam: Er heiratete in eine Kölner Buchhändlerfamilie ein. Für seinen Schwager wurde er als Vertreter in Köln und Antwerpen tätig. "Zu Ostern 1518, ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung von Luthers Thesen . . ., traf Johann Lair in Löwen (jetzt Belgien, Anm.) . . . Erasmus von Rotterdam". Dieser hatte zuvor einen Lehrstuhl an der Universität Cambridge inne gehabt. Sein Nachfolger Richard Croke "plante die Herausgabe eines griechischen Lehrbuchs, doch gab es in ganz England keinen Drucker, der griechische Lettern hatte." Johann wurde beauftragt, diese auf dem Kontinent zu besorgen.

"Von 1520 bis 1523 lebte Johann", wie Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, notieren, mit Frau und Kindern "als Buchhändler, Buchdrucker und Buchbinder" in Cambridge. Er brachte eigene Lettern und vielleicht auch Gehilfen mit. Für 1521 ist sein erster Druckauftrag belegt: Eine Rede, die "anlässlich der Visite des Kardinals Thomas Wolsey" gehalten wurde. Diese Druckschrift beinhaltete als erste überhaupt "ein Impressum: "Impressa . . . per me Ioannem Siberch"".

Nur rund zehn Druckwerke von Johann Siberch sind heute noch erhalten. Dabei handelt es sich um Predigten, Lehren des Erasmus sowie Übersetzungen - alle aus Johanns Zeit in England.

Brigitte Schlesinger, Wien 12, fand Hinweise zum Standort der Druckerei bzw. des Wohnhauses des Deutschen in Cambridge: Am Gelände des heutigen "Gonville & Caius College" stand ein "Mietshaus namens King’s Arms", in dem Johann wohnte. Noch heute befindet sich in diesem Stadtteil die Cambridge University Press.

Wie Obertüftlerin Schlesinger anmerkt, kam es damals "äußerst selten" vor, dass "außerhalb der Hauptstadt gedruckt" wurde. "Die Regierung zog es . . . vor, den Druck zentralisiert in London vornehmen zu lassen, wo er auch besser kontrolliert werden konnte."

Vielleicht waren diese Einschränkungen mit ein Grund, warum Johann ca. 1523, nach dem Tod seiner Frau, England verließ. Er zog, wie Gerhard Toifl, Wien 17, ergänzt, zunächst "nach Antwerpen, 1526 wahrscheinlich nach Köln". Mehr als ein Jahrzehnt später ließ er sich zum Priester weihen und "lebte ab 1544 unter dem Namen Johannes von Lair bzw. Johannes Venter bis zu seinem Tod . . . 1554" in Siegburg.

Kein Hund, aber Lettern

Damit zur nächsten Teilfrage der Spezialnuss rund um Cambridge. Gesucht war ein Mann, der viele an Sherlock Holmes’ "Der Hund von Baskerville" denken ließ, obwohl die Namensgleichheit nur Zufall ist. Zum Gesuchten führt Herbert Beer, Wolfpassing, aus: Zunächst nebenbei beschäftigte sich "John Baskerville (1706-1775) . . . mit Buchdruck und Schriftgießerei". Als "Schreibmeister und Steinschneider" lebte er seit 1726 in Birmingham. "Wirtschaftlich unabhängig" machte ihn "ein auf Japanlack spezialisiertes . . . Unternehmen", das Möbel und Holzgefäße für den Haushalt versiegelte.

Wie bereits zitiertes Tüftlerpaar Gerstendorfer anmerkt, galt Baskervilles Leidenschaft "der Typografie, dem Buchdruck und der Korrespondenz mit bedeutenden Zeitgenossen", u.a. mit Erfinder und US-Staatsmann Benjamin Franklin. Dieser hatte 1728 in Philadelphia eine Druckerei eingerichtet.

Atheist als Bibelsetzer

Zuvor erwähnter Schwarzkünstler Toifl (er war lange Jahre in der Österreichischen Staatsdruckerei als Schriftsetzer tätig) notiert zu Baskervilles typografischen Bestrebungen: Die von ihm 1754 "entwickelte Schrift galt als technischer Meilenstein und als wichtige Referenz für die späteren Klassizisten." Solche barocken Schrifttypen sind als "Übergangs-Antiqua" bekannt, was ihre "Stellung . . . zwischen den Renaissance-Antiquen und den klassizistischen Schriftschnitten" beschreibt. Von Baskerville entworfene Typen wurden schon zu seinen Lebzeiten "häufig imitiert" und bestehen bis heute unter seinem Namen. Sie zeichnen sich vor allem durch höheren Kontrast im Druck als ältere Schriften aus.

Nicht zuletzt diese Entwicklungen brachten Baskerville großes Ansehen. Dr. Harald Jilke, Wien 2: "1758 wurde er zum Direktor der Cambridge University Press ernannt, . . . ein außerordentliches Ehrenamt". Öffentlich bestaunt wurden auch seine Vergil-Ausgabe (1757) sowie nachfolgende lateinische Klassiker. Als Meisterwerke gelten das Gebetsbuch "Book of Common Prayer" (u.a. 1762) und eine englischsprachige Bibel 1763. Baskerville selbst war jedoch bekennender Atheist.

Der zuvor erwähnte Tüftler Beer weiter: "Zwischen 1762 und 1767" verhandelte er "den Verkauf seiner Gießerei und Druckerei", weil er in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Bis zu seinem Tod 1775 in Birmingham arbeitete er "als Stempelschneider und Drucker".

P.S. Der - natürlich gedruckte - Buchpreis geht an Dr. Manfred Kremser. Wir gratulieren!

Zusammenstellung dieser Rubrik: Barbara Ottawa