In ein Wissenszentrum im Osten des Habsburgerreiches reiste die Gemeine, um der Frage 2 der Nuss Nro. 412 auf den Grund zu gehen. Neotüftler Ing. Heinrich Eder, Grödig/Sbg., zum Einstieg: Der Astronom Maximilian Hell (Protagonist auf S. I der Oktober-Zeitreisen) hielt sich "1752 in Klausenburg" (heute Cluj-Napoca) in Siebenbürgen auf. Neozeitreisender Pater Johannes Wrba SJ, Wien 1: Hell unterrichtete am dortigen Jesuitenkolleg.

An dieser "Academia Claudiopolitana" begründete, wie Dr. Harald Jilke, Wien 2, ergänzt, der Mönch Nicolaus Ianosi, der zuvor in Wien studiert hatte, 1735 "das Studium der Astronomie". Hell sollte bei der Errichtung einer Sternwarte helfen. Er entwarf, wie Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, anmerken, Baupläne für den Turm und "bestellte die hochwertigen Instrumente in Wien".

Daneben war er, so Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, in Klausenburg "Lehrer der Mathematik und Physik". Helmuth Singer, Wien 13, notiert, dass er dort auch Lehrbücher verfasste und "mit Elektrizität . . . experimentierte". Christine Sigmund, Wien 23, ergänzt: Er richtete sich ein eigenes Labor für physikalische Versuche ein. U.a. zeigte er "großes Interesse am Magnetismus".

Bildung und Krone

Die Geschichte der Bildung im heute rumänischen Cluj- Napoca reicht, wie Brigitte Schlesinger, Wien 12, betont, "weit zurück". Bereits 1581 hatte der Jesuitenorden in der Stadt am Kleinen Someş ein "Collegium" gegründet, das akademische Titel verleihen durfte. An der Wende zum 18. Jahrhundert erhielt der Orden vom Wiener Hof die Genehmigung für die Neubegründung eines "Akademischen Jesuitenkollegiums", für das "repräsentative Bauten" errichtet wurden. Diese höhere Bildungsanstalt wurde "1753 . . . unter Maria Theresia als kaiserliche Universität ("Universitas Claudio-politana") neu organisiert", u.a. um den Einfluss der Kirche zu verringern.

Universitas Claudiopolitana um 1890.  - © Bild: Archiv
Universitas Claudiopolitana um 1890.  - © Bild: Archiv

Hell erlebte diese Umbenennung noch vor Ort mit, die Fertigstellung des Observatoriums jedoch nicht mehr. Prof. Brigitte Sokop, Wien 17, nennt den Grund: "Ab 1755 war er wieder in Wien", wo er die neue Universitätssternwarte leitete.

Entscheidungen zu Universitätsgründungen in Siebenbürgen fielen von Wien aus, noch bevor das Gebiet Kronland wurde.

Eugen Mertins, Wien 16 (willkommen in der Gemeine!), notiert, dass dieser Schritt "erst 1765 . . . formell" erfolgte. Dr. Manfred Kremser, Wien 18, ergänzt, dass das in "Zusammenhang mit der Proklamation des Großfürstentums Siebenbürgen" im selben Jahr stand.

Dr. Peter Schilling, Wien 18, zur Vorgeschichte: Mit dem Frieden von Karlowitz, der "unter Mitwirkung eines Astrologen" geschlossen wurde, fielen 1699 u.a. Ungarn (ohne Banat) und Siebenbürgen an die Habsburger. Volkmar Mitterhuber, Baden, weiter: Im 18. Jh. wurde Siebenbürgen "von einem Gubernium (Provinzregierung, Anm.) in Hermannstadt (heute Sibiu)" sowie von "der Siebenbürgischen Hofkanzlei in Wien unter Wahrung seiner Autonomie verwaltet."

Zum Ende der Selbstbestimmung führt Dr. Wilhelm Baier, Graz-Andritz, aus: "Nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 wurde Siebenbürgen integraler Bestandteil Ungarns."

Ins 20. Jh. blickt Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf: "1920 erfolgte durch den Friedensvertrag von Trianon die Angliederung . . . an Rumänien." Damals wurden, so Gerhard Toifl, Wien 17, "die Bemühungen zur Errichtung einer neuen Sternwarte in Klausenburg . . . aufgenommen." Die alte war bis 1893 in Betrieb gewesen.

Siebenbürgen heißt übrigens auch Transsilvanien oder Erdély, was jeweils soviel wie "jenseits des Waldes" bedeutet. Erstgenannte Bezeichnung wird u.a. auf sieben Gerichtsstätten zurückgeführt, die im Mittelalter von deutschen Siedlern begründet worden waren.

Szekler, Landler etc.

Über die Jahrhunderte kamen diverse Volksgruppen, von denen Heidi Liebl, Wien 23, einige nennt: "Rumänen, Ungarn, Szekler, Roma, Siebenbürger Sachsen."

Apropos Szekler: Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, möchte festhalten, dass diese "nach der alten Ordnung des (Groß-)Fürstentums Siebenbürgen als selbständige Nationalität galten" und dass "der ethnische Ursprung . . . nicht ganz geklärt" ist.

Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, zum "sächsischen Bevölkerungsanteil": Er akkulturalisierte sich bis zum frühen 18. Jh., mit "Ausnahme von Sächsisch Fenesch" (Siedlung im heutigen Kreis Klausenburg).

Zu den Wurzeln der deutschen Zuwanderer kommt Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7: "Es waren wohl . . . Moselfranken. Der Name "Sachsen" ist . . . keine Herkunftsbezeichnung, sondern war in Südeuropa . . . für deutsche Bergleute gebräuchlich." Jahrhunderte später bildeten diese "Sachsen" eine "selbständige lutherische Landeskirche". Im 18. Jh. entstand so eine protestantische Enklave. Herbert Beer, Wolfpassing: In den 1730ern wurden "Protestantengruppen aus dem landesfürstlichen Salzkammergut", aus dem "Landl" (im Land ob der Enns), "der Steiermark und Kärnten . . . zwangsdeportiert." Im k.k. Kerngebiet war ihre Konfession verboten. Die später sogenannten Siebenbürger Landler wurden "an die Militärgrenze zum Osmanischen Reich" umgesiedelt.

P.S. Recherchen zur Zusatzorchidee Nro. 412 über einen Wiener Hofmathematiker u.a. von Mag. Margaretha Husek, Wien 23, und Mag. Richard Solder, Wien 13, sind für nächsten Monat reserviert.

Zusammenstellung dieser Rubrik: Barbara Ottawa