Dem Salzkammergut sind etliche Zeitreisende innig verbunden, so auch Dr. Hans Werner Sokop, Wien 17, der am 17. November 1946 im Alter von vier Jahren in der evangelischen Kirche in Hallstatt getauft wurde. Bildmaterial zum Ort sowie ein dazu passendes Gedicht des Spurensuchers zierten bereits die Collage in der Oktober-Ausgabe. Nun folgen Gemeine-Recherchen zur kleinen Nuss Nro. 409 rund um den Kulturraum, der heute im engeren Sinn den Oberlauf der Traun und ihrer Zuflüsse in OÖ, im weiteren Sinn auch Gebiete in der Steiermark und in Salzburg umfasst.

Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, mit einer Begriffsklärung: Ein "Kammergut" war "Besitz der Landesherren". Im Falle der erst später als Salzkammergut bezeichneten Region waren das die "Erzherzöge des Hauses Habsburg". Die darin "vorkommenden Bodenschätze" flossen ihnen direkt zu.

Krieg ums Kristall

Wo erstmals das "Camergut des Saltzes" erwähnt wird, weiß Mag. Margaretha Husek, Wien 23: "1524 wurde das erste Reformationslibell (eine Urkunde; lat. libellus = Büchlein, Anm.) erlassen. In diesem wurden sämtliche Vorschriften für die Amts- und Betriebsführung aller mit dem Salzwesen verbundenen Einrichtungen zusammengefasst."

Es folgen weitere Libelle 1563 und 1656, so Dr. Karl Beck, Purkersdorf, der dazu erläutert: "In diesen Erlässen . . . finden sich auch Aufschlüsse über die soziale Lage der Bergarbeiter etc."

Auf die lange Tradition der Salzgewinnung in der Region verweist Christine Sigmund, Wien 23: In Hallstatt wurde schon seit Jahrtausenden Salz abgebaut.

Ins Mittelalter blickt Dr. Alfred Komaz, Wien 19: Mit dem wichtigen Lebens- und Konservierungsmittel ließ sich "viel Geld verdienen". Und "wie so häufig, wenn es ums Geld geht, kam es auch hier zu kriegerischen Auseinandersetzungen, so etwa gegen Ende des 13. Jahrhunderts".

Ein "Salzkrieg" tobte zwischen "Albrecht I. von Österreich" und dem Salzburger Erzbischof Konrad von Fohnsdorf, notiert Maria Thiel, Breitenfurt: Ersterer hatte "1292 den Befehl gegeben, das Salzwerk in der Gosau" zu errichten, was Konrad freilich missfiel, da man "in dessen Gebiet bei Hallein ebenfalls Salz" abbaute.

Wie soeben erwähnter Tüftler Dr. Komaz anmerkt, vermittelte angeblich die "Gemahlin Albrechts", die "kluge und geschäftstüchtige Elisabeth von Görz und Tirol". Mit der Region blieb sie auch später verbunden: "Das Wittum Elisabeths (das Vermögen zu ihrer Versorgung nach dem Tod des Ehemanns) lag nämlich auf dem Gebiet des heutigen Salzkammerguts".

Als die Habsburger 1526 "ihre Regentschaft in Böhmen begannen", bedeutete dies wieder Aufschwung fürs Salzkammergut, so Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7: Ab nun wurde das dort gewonnene Weiße Gold der Habsburger "nach Böhmen geliefert", nicht mehr jenes aus dem erzbischöflichen Hallein, das damit einen wichtigen Markt verlor.

Wie ein Augenzeuge Hallein viel später, nämlich anno 1800 sah, zitiert Volkmar Mitterhuber, Baden: "Der schwarze Dampf, der aus den Salzpfannen emporsteigt, verfinstert das Tageslicht . . . auf den blassen Gesichtern der Einwohner . . . ist Armuth und Kummer gezeichnet".

Gefährlicher Wasserfall

Der Salztransport erfolgte großteils auf der Traun. "Das schwierigste Hindernis" dabei nennt Gerhard Toifl, Wien 17, mit dem Traunfall. Ab "1552 wurde dort ein . . ., teilweise aus dem Felsen herausgesprengtes, Gerinne von fast 400m Länge . . . angelegt". Dieser "Fahrbare Fall" war "innen mit Holz verkleidet". Vom "Traunfallkanal gibt es ein Modell im Schifffahrtsmuseum Grein" an der Donau, das der Tüftler im August besuchte.

Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, erwähnt Wasserbauingenieur Thomas Seeauer als Schöpfer des "Meisterwerks" aus dem 16. Jahrhundert.

Ein Problem in der Region war seit jeher der "enorme Holzmangel", so Dr. Robert Porod, MMBA, Frauenhofen/Horn: Es kam zu "rücksichtsloser Abholzung"; den Rohstoff brauchte man für die Salzgewinnung und -verschiffung. Ende des 16. Jh.s beschloss man, "eine Soleleitung von Hallstatt nach Ebensee zu führen", wo eine große Saline entstand. In der Gegend gab es "noch ausreichend Waldbestand" und auch der Weitertransport konnte von dort aus leichter erfolgen.

Dass der Bau des ersten Schienenstrangs auf dem Kontinent ebenfalls mit der Salzausfuhr zusammenhing, ergänzt Manfred Bermann, Wien 13: Die "Pferdeeisenbahn Linz-Budweis" wurde 1832 eröffnet, mit "späterer Verlängerung nach Gmunden, wo das Salz, von . . . Ebensee mit dem Schiff über den Traunsee kommend, verladen wurde".

"Das Salz blieb die einzige wirtschaftliche Grundlage" der Region, so Ing. Helmut Penz, Hohenau/ March - "bis zum Beginn des Fremdenverkehrs Anfang des 19. Jahrhunderts".

Auf "ein einschneidendes Ereignis" für die Zukunft des Salzkammergutes als Touristenmagnet und speziell Ischls als Kurort geht Herbert Beer, Wolfpassing, ein: Erzherzogin Sophie und ihr Gemahl Franz Karl nahmen dort Mineralsolebäder, worauf sich "bei der bislang kinderlosen Familie . . . der ersehnte Nachwuchs einstellte". Ihr Ältester, Franz Joseph, sollte für Ischl bekanntlich noch eine große Rolle spielen. "Neben der kaiserlichen Familie wählten auch etliche berühmte Künstler Ischl als Sommerdomizil", u.a. A. Bruckner, J. Strauß oder J. Brahms.

Unter den Sommergästen der malerischen Gegend erwähnt Dr. Harald Jilke, Wien 2, den einstigen ""WZ"-Chefredakteur Friedrich Uhl, seine Tochter Frida und deren Gatten August Strindberg." Uhl besaß eine Villa in Mondsee.

Auf Maria Jeritza (1887- 1982) verweist Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, der die später in den USA lebende Opernsängerin beim "Empfang zum österreichischen Nationalfeiertag im Generalkonsulat in New York" in den 1970ern kennenlernte. Sie selbst schrieb ihren "raschen Aufstieg in den Kreis der Weltstars einem Ereignis im Salzkammergut zu: . . . 1910 sucht das Sommertheater in Bad Ischl einen Sopran für die Rolle der Rosalinde in der "Fledermaus"." Sie wurde engagiert und eroberte die Herzen der "illustren Gästeschar einschließlich des Kaisers im Sturm."

Chruschtschow & Sisi

Einen Staatsmann, der 1960 u.a. ins Salzkammergut reiste, nennt Brigitte Schlesinger, Wien 12: Der sowjetische Ministerpräsident Nikita Chruschtschow (1894- 1971) "weilte vom 30. Juni bis 7. Juli 1960 in Österreich". Der Aufenthalt mitten im Kalten Krieg sorgte "international für Aufsehen". Er "spiegelte das gute Verhältnis der beiden Länder" wider. Der Kremlchef besuchte mehrere Bundesländer in einem umgebauten Postbus aus "den Saurer-Werken Wien", fortan als "Saurer 5 GVFU Chruschtschow Bus" bekannt.

Eine Nacht blieb er am Fuschlsee. Dazu Dr. Manfred Kremser, Wien 18: Seine Bleibe war "das Hotel Fuschl", das dem "(Bad Reichenhaller) Salzbaron Konsul Dr. Carl "Ady" Vogel" gehörte. "Nikita konnte hier in seiner Suite in aller Ruhe seine Schuhe ausziehen und den Traumblick . . . genießen." Wenige Jahre zuvor war "das Hotel . . . als Schloss Possenhofen der Kaiserin Sis(s)i zu Film-Weltruhm gekommen."

Zusammenstellung dieser Rubrik: Andrea Reisner