Melancholisch, leicht verstimmbar und sehr intelligent - so charakterisierte einer die Ratten, der engen Kontakt mit ihnen pflegte: Ein Mitglied der berühmten russischen Zirkus-Dynastie Durow trat um 1890 häufig mit dressierten Tieren auf, u.a. mit hunderten von Ratten. Sie folgten ihm auf sein Geheiß, kletterten an ihm hinauf, bis sie ihn fast bedeckten, und ließen sich durch die Luft werfen.

Abseits der Manege waren die Tiere freilich keine gern gesehenen Zeitgenossen. Immer wieder wurde auch Wien von Rattenplagen heimgesucht, weshalb die Kommune eigene Rattenfänger beschäftigte. Um die Wende zum 20. Jahrhundert übernahm dies die Firma Balzer, ein Familienbetrieb. Eine Reportage verriet 1904 das Erfolgsrezept: Pferdegulasch - mit Gift gewürzt. Dem Mahl, das die Mutter des jungen Chefs in einem großen Kessel zu kochen pflegte, fielen zahlreiche Wiener Nager zum Opfer.

Andere bevorzugten bei der Bekämpfung eher Fallen, wie sie etwa in der abgebildeten Annonce, erschienen am 19. Dezember 1899 in der "Wiener Zeitung", angepriesen wurden.

Bekanntlich wurde man die Ratten nie ganz los. So mehrten sich in den 1920ern die Klagen wieder. Eine verzweifelte Brigittenauerin, die sogar nachts mehrmals ins Gesicht gebissen worden war, griff zu einem merkwürdigen Mittel: Sie schlief mit Ledermaske samt metallener Nasenspitze.