"Rumpeldipumpel, der Himmel ist offen, die Hölle ist zu, ein Engerl bist Du" - diesen Spruch hörte man, wenn Ilse Mislik, Wien 20 (willkommen im Kreis der Zeitreisenden!), mit ihren Freundinnen "Himmel/Hölle" spielte: "Zwei Mädchen hielten sich an den Händen, dazwischen wurde ein weiteres Kind hin und her bewegt". Nach Lust und Laune konnte der Reim auch auf "ein Teuferl bist Du" enden. So erinnert sich die 1939 geborene Zeitreisende an vergangene Zeiten im Hamerlingpark (Wien 8). Solange dieser Platz "von Bombentrichtern ... verunstaltet war, formten wir aus dem lehmigen Boden Figuren". Freilich wurden diese allzu gern "von "schlimmen" Buben mutwillig zertreten".

Zur Gruppe ehemaliger "schlimmer Buben" zählt sich auch ein Nussknacker, der der Gemeine besser als Dr. Manfred Kremser, Wien 18, bekannt ist. Um 1960 war er als Knirps in Simmering unterwegs. Er spielte auch das im Freundeskreis so genannte "Pölzt": Dabei schlug man einem Kameraden blitzartig einen Gegenstand aus der Hand. Es galt folgender "Ehrencodex": Fiel das Objekt zu Boden, gehörte es dem Schläger, "wenn er gleichzeitig "pölzt!" gerufen hatte ... Schultaschen wurden ... am nächsten Tag zurückgegeben". Andere Kostbarkeiten konnte man im Tauschgeschäft auslösen.

Heute begeistert sich der Tüftler eher für eine Partie "Mensch ärgere Dich (nicht)" mit dem "fast schon sechs Jahre" alten Enkel.

Von Spielen nicht nur aus Kindertagen erzählte die Gemeine anlässlich der Spezialfragen in der Rubrik KARTEN GELESEN (Nro. 407), die ausnahmsweise ein Brettspiel zierte.

"Mensch ärgere Dich nicht" war übrigens das einzige Brettspiel, das Brigitte Schlesinger, Wien 12, als Kind besaß. In einer Schachtel verwahrte sie einige wenige Schätze, u.a. "eine "Schildkröt"-Puppe mit Schlafaugen" - "mein ganzer Stolz!", erinnert sich die Tüftlerin und erzählt weiter: "Im Frühsommer 1960 erkrankte ich an Scharlach" und kam "in das St.-Anna-Kinderspital ... in Quarantäne. Unsere Wohnung wurde "ausgespritzt", mein Spielzeug ... fiel der Vernichtung anheim." Einzige Ausnahme war die geliebte Puppe, "die offenbar desinfiziert werden konnte ... Als ich nach langen drei (oder waren es gar vier?) Wochen nach Hause kam, brach ich in Tränen aus! An eine Neuanschaffung von Spielsachen war aus finanziellen Gründen nicht zu denken".

Im Herbst kam ohnehin ein würdiger Ersatz: Die Zeitreisende, die bereits "vor Schulbeginn lesen konnte, verschlang ... schon im ersten Schuljahr" Buch um Buch. Für ausreichend Nachschub sorgte die Lehrerin.

Buchfreund Volkmar Mitterhuber, Baden, kann das nachempfinden: "Fast noch lieber" als jedes Spiel mochte er als Kind "das (einbändige!) Lexikon "Die Welt von A bis Z"". Der Tüftler schwärmt: Das Buch bekam "ich Anfang der 1950er von meiner Lieblingstante ... geschenkt!"

Schach gegen den Vater

Auf einige Spiele-Klassiker kommt Herbert Beer, Wolfpassing, zu sprechen, der sich in Jugendtagen u.a. mit Mühle, Dame oder Halma die Zeit vertrieb. Diese drei erwähnt auch Dr. Alfred Komaz, Wien 19, der sein Repertoire u.a. um "Schnapsen, Tarock und Bridge" erweiterte, "weil den Erwachsenen die Partner ausgegangen sind." Gemeinsam mit den Enkelkindern wird heute mitunter das Scrabble-Brett hervorgeholt und "auf Deutsch, Englisch und Französisch" getüftelt, wobei man "so herrlich diskutieren kann, ob es einen Begriff tatsächlich gibt."

Dr. Karl Beck, Purkersdorf, schließt sich - u.a. mit Quartett - der Kartenfraktion an und ergänzt: "Da fällt mir die Firma Piatnik in der Hütteldorfer Straße ein." Dort erstandene Tarockkarten hielt der kunstaffine Geschichtsfreund "auf Aquarellpapier" fest.

Zwei im Tüftlerkreis beliebte Brettspiele erwähnt Gerhard Toifl, Wien 17: "Als Kind spielte ich gerne DKT (Das kaufmännische Talent, Anm.) ... und mit meinem Vater Schach". Heutzutage steht in "Erholungspausen" vom Knacken der Zeitreisen-Nüsse Würfelpoker mit der Gattin auf dem Programm.

Bereits genannten Zeitreisenden Mitterhuber "fasziniert ... das Schachspiel" bis heute. Als Bub war er außerdem stolzer Besitzer einer mechanischen Eisenbahn - "eine elektrische war für meine Eltern unerschwinglich."

Dörfer auf dem Teppich

Als Lokführer auf Miniaturgleisen war auch Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, unterwegs: "An meiner Holzeisenbahn aus den frühen 1950er-Jahren hängen so viele Erinnerungen (u.a. an meinen früh verstorbenen Vater), dass ich mich nie von ihr trennen würde." Inzwischen rätselt Dr. Litschauer bei verschiedenen "Wissensquiz-Formaten" mit: ""Gehört.gewusst" am Sonntag in Ö1 ist mein Favorit. Da muss die Antwort binnen Sekunden erfolgen. Das habe ich auch seinerzeit bei Rudolf Horneggs "Quiz 21" im Fernsehen erlebt, wobei ich selbst etliche Male recht erfolgreicher Kandidat war."

Von ihrer "Kleinbahnanlage" aus Kindertagen schwärmt Mag. Luise Gerstendorfer, Dt.-Wagram. Gemeinsam mit Gatten Ing. Konrad Gerstendorfer betreibt sie inzwischen eine Garteneisenbahn. Der Tüftler blickt zurück: "Da meine Kindheit in die Kriegszeit fiel, hatte ich nicht viel Spielzeug. Ich hatte einen Teddybären, der war mein Liebling".

Mit "Matchboxautos und Holzhäuschen" erschuf Dr. Harald Jilke, Wien 2, als Bub "kleine Dörfer auf dem Teppich." Inzwischen widmet sich der Tüftler dem Schachspiel oder orientiert sich "an den Wünschen ... der Enkelinnen."

Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, liebte als Kind ihr "Dichterquartett" und erinnert sich auch an "einen hübschen Tante-Emma-Laden im Kleinformat, in dem man diverse Dinge in Mini-Schachteln kaufen konnte (z.B. Mehl, Reis, aber auch Seifen oder OMO). Und es gab natürlich auch eine winzige Kassa."

Peter Thomas Suschny, Wien 14, hat sich mit dem Thema Kinderspiele bereits während seiner Arbeit an einer Ausstellung zum 60-Jahr-Jubiläum der Kinderzeitschrift "Wunderwelt" 2009 befasst. Der Geschichtsfreund führt das mysteriös anmutende "Mörderspiel" an: Dabei wird geheim ein Bub oder Mädchen als Übeltäter auserkoren. Der tippt im Dunkeln "einem Kind auf die Schulter, dieses schreit "Ahhh" und fällt auf den Boden." Das Licht geht wieder an, ein Detektivskind wirft prüfende Blicke in die Gesichter und ermittelt anhand von "Minenspiel den Mörder".

Kunstvolle Bilderbücher

In Nordeuropa spielte man gern "Hammer und Glocke". - © Bild: Archiv/gemeinfrei
In Nordeuropa spielte man gern "Hammer und Glocke". - © Bild: Archiv/gemeinfrei

Lektüre für den Nachwuchs - allerdings aus dem 19. Jahrhundert - war ebenfalls Thema der Spezialfragen der Mai-Zeitreisen. Schon erwähnter Tüftler Dr. Komaz nennt den gesuchten Verleger: Der in Hannover gebürtige "Heinrich Friedrich Müller, der 1805 nach Wien kam" und "1807 die Witwe des Kunsthändlers Lukas Hohenleithner heiratete". Müller führte "deren Betrieb im Geschäftslokal des verstorbenen Hieronymus Löschenkohl am Kohlmarkt" weiter.

Heinrich Friedrich Müller (1779-1848). - © Gemälde von Johann Peter Krafft (1822)/Belvedere
Heinrich Friedrich Müller (1779-1848). - © Gemälde von Johann Peter Krafft (1822)/Belvedere

Ab 1812 stand schließlich der Name des neuen Besitzers über dem Verlag. Erwähnter Tüftler Dr. Litschauer: Dort produzierte er "Bilderbücher für die Jugend in hoher Qualität. Diese Sparte war von den Verlegern bis dahin sehr vernachlässigt worden." Müller engagierte "für die Herstellung ... anerkannte Meister des Malens, Zeichnens und Kupferstechens".

Genannter Geschichtskenner Dr. Beck fügt an: Zusätzlich "vertrieb er Jugendspiele wie "Hammer und Glocke"". Besonderer Beliebtheit erfreute sich dieses Gesellschaftsspiel "im Norden Europas".

Bereits zitierter Zeitreisender Dr. Kremser grübelt, ob sich im Tüftlerkreis wohl jemand schon mit diesem "faszinierenden Spiel" die Zeit vertrieben hat ...

Zusammenstellung dieser Rubrik: Christina Krakovsky