Tiefe Finsternis herrschte "im europäischen Frühmittelalter", so Dr. Harald Jilke, Wien 2 - jedenfalls was die Naturwissenschaften anging, die hierzulande zu einem "Stillstand" gekommen waren; "im arabischen Raum" hingegen konnten damals "große Fortschritte auf den Gebieten der Mathematik und Astronomie erzielt werden".

Gemeine-Recherchen zur Orchidee der Nro. 412 beleuchteten die Pioniere der heimischen Sternkunde, die im 14. Jahrhundert wurzelt. "Die erste Pflegestätte der Astronomie als Wissenschaft", informiert Dr. Wilhelm Baier, Graz-Andritz, "war die 1365 gegründete Wiener Universität."

Einen Mann namens Heinrich von Langenstein nennen Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram; er war "einer der ersten Rektoren" (ab 1393) und auch Astronom.

Planeten aus Pappe

Für die Belange dieser Wissenschaft "war die Artistische Fakultät "zuständig", eine Mischung aus Geistes- und Naturwissenschaften", stellt Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, fest, der zu erwähntem Rektor Langenstein, einem gebürtigen Hessen, ergänzt: Er befasste sich nicht nur mit der Sternkunde, sondern war auch "Philosoph und Theologe". Der Zeitreisende berichtet weiters zum ersten Gebäude der Hochschule: "Das von Herzog Albrecht III. gestiftete Herzogskolleg (collegium ducale) in der Schönlaterngasse wurde mit einem Astronomischen Turm zur Beobachtung der Gestirne ausgestattet."

Auf ein wissenschaftliches "Dreigestirn" weist Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, hin; ihm war es zu verdanken, dass "die Astronomie in Österreich" im 15. Jahrhundert "eine erste Blüte erlebte".Manfred Bermann, Wien 13, listet die gesuchten Männer auf: Johannes von Gmunden (um 1380-1442), Georg von Peuerbach (1423-1461) sowie Johannes Müller (1436-1476), auch als Regiomontanus bekannt.

Skizze aus einem Nachdruck von Peuerbachs bekanntestem Werk, einer Theorie über die Planeten. - © Bild (gemeinfrei): G. v. Peuerbach, Theoricae novae..., Ausgabe aus 1596; Schmuckfarbe: Ph. Aufner
Skizze aus einem Nachdruck von Peuerbachs bekanntestem Werk, einer Theorie über die Planeten. - © Bild (gemeinfrei): G. v. Peuerbach, Theoricae novae..., Ausgabe aus 1596; Schmuckfarbe: Ph. Aufner

"Als Begründer der angesehenen Wiener astronomischen Schule" gilt Johannes von Gmunden, wie Gerhard Toifl, Wien 17, herausfand. "Er wurde in Gmunden . . . geboren" und "1406 . . . an der Universität Wien zum Magister promoviert". Bald "hielt er dort Vorlesungen", unter anderem über das Werk "Physik" von Aristoteles. Zu den Unterrichtsmethoden merkt Spurensucher Toifl an, dass "Johannes . . . seine Ausführungen mit Funktionsmodellen anschaulich machte und mit seinen Schülern astronomische Instrumente aus Pappe anfertigte."

Bekannt ist der Gmundner unter anderem für seinen "Kalender für den Zeitraum von 1439 bis 1514", notiert Helmuth Singer, Wien 13. Er war auch der Lehrer von "Georg Aunpeck von Peuerbach", der "als Wegbereiter des kopernikanischen Weltbildes" gilt, "obwohl er selbst der Geozentrik anhing."

Kaiserliches Horoskop

Georg von Peuerbach machte 1453 seinen "Magister artium", so Prof. Brigitte Sokop, Wien 17, und "wurde . . . von König Ladislaus Postumus von Böhmen als Astrologe eingestellt."

Wie P. Johannes Wrba SJ, Wien 1, anmerkt, war es üblich, dass Wissenschafter auch "astrologische Berechnungen" für den jeweiligen Regenten machten.

Heidi Liebl, Wien 23, erinnert in diesem Zusammenhang an zwei große Astronomen des 16. bzw. 17. Jh.s, die "in Prag für Kaiser Rudolf II." arbeiteten und ihn ebenfalls mithilfe von Sterndeutung zu beraten hatten: "Tycho Brahe und Johannes Kepler".

Die von Kepler erstellten "Rudolfinischen Tafeln" erwähnt Ing. Heinrich Eder, Grödig/Sbg.; sie enthalten astronomische sowie astrologische Berechnungen.

Zu Georg von Peuerbach kehrt Volkmar Mitterhuber, Baden, zurück und ergänzt, dass jener "u.a. bereits im Jahre 1456 das Erscheinen des Halley-Kometen beobachtete."

Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, informiert: "Im Schlossmuseum Peuerbach (OÖ) gibt es eine Dauerausstellung" zu Georg von Peuerbach sowie "über die Geschichte der Sternkunde" bis zu seiner Zeit.

Böse Vorahnung

Johann Müller, auch Regiomontanus (1436-1476) genannt, starb auf Roms Boden. - © Bild (gemeinfrei): Archiv. Schmuckfarbe: Ph. Aufner
Johann Müller, auch Regiomontanus (1436-1476) genannt, starb auf Roms Boden. - © Bild (gemeinfrei): Archiv. Schmuckfarbe: Ph. Aufner

Dessen "genialen Schüler Regiomontanus . . . aus Königsberg in Franken (nun Bayern, Anm.) gebürtig", nennt Dr. Peter Schilling, Wien 18. Er wurde u.a. "Neubegründer der Trigonometrie" ("De triangulis omnimodis", 1462ff) sowie "Begründer der Lehre von den Kometen". Zum Werdegang des "bedeutendsten Astronomen seiner Zeit" teilt der Tüftler mit: "Nach seinem Studium in Leipzig übersiedelte er nach Wien, erwarb den Magistergrad und lehrte an der Universität." Sein Vorteil war, dass er "des Griechischen mächtig war und auf die klassischen Texte zur Geschichte der Naturwissenschaften (Archimedes, Apollonios, Ptolemäus) zurückgreifen konnte".

Seine "Beziehung zum kaiserlichen Hof" in Wien betont Herbert Beer, Wolfpassing, der anmerkt, dass Regiomontanus "für Friedrich III. ein Horoskop über dessen Braut Eleonore von Portugal" erstellte, und später eines "über den Thronfolger Maximilian I."

Seine erstmals 1474 in Nürnberg erschienenen Ephemeriden, also Sterntafeln zur Standortbestimmung von Schiffen, waren, so Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, "unter Seefahrern hochgeschätzt." Ausgaben dieses umfangreichen Werks hatten, wie Brigitte Schlesinger, Wien 12, einwirft, Christoph Columbus, Vasco da Gama und Amerigo Vespucci bei Entdeckungsreisen im Gepäck. "Auch im Instrumentenbau brachte es Regiomontanus zu höchster Präzision." Als ihn "ein Ruf des Papstes" nach Rom ereilte, um an einer Kalenderreform mitzuwirken, sei er diesem nur "sehr widerwillig" gefolgt. Angeblich soll er "eine Vorahnung von seinem Tod gehabt" haben.

Christine Sigmund, Wien 23: Wohl "am 6. Juli 1476 verstarb er in Rom". Zu seinem frühen Ende gibt es verschiedene Theorien. "Vermutlich war eine Epidemie", möglicherweise die Pest, "an seinem Ableben schuld . . ."

Zusammenstellung dieser Rubrik: Andrea Reisner