Auf Reisende wartet in Zeiten grassierender Seuchen manch böse Überraschung. Davon konnten auch Erzherzogin Maria Theresia und ihr Gemahl Franz Stephan ein Lied singen. Die Gemeine widmete sich u.a. dieser Episode bei Recherchen zur kleinen Nuss Nro. 411: Das noch keine drei Jahre verheiratete Paar brach "am 17. Dez. 1738" gen Süden auf, so Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf; Ziel war die Toskana, wo Franz Stephan nach Aussterben der Medici als Großherzog einziehen sollte. Die Route führte "über Klagenfurt und Bozen", schließlich überquerte man die Grenze zur Republik Venedig, die damals bis zum Gardasee reichte.

"Die Einreiseformalitäten erfolgten am 28. Dez. 1738 bei Dolcè am Etsch", nahe Verona, setzt Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, fort. "Eines hatte man in Wien . . . übersehen: Weil in Ungarn die Pest ausgebrochen war, bestimmte die Serenissima alle Einreisenden zu einer . . . Quarantäne. An eine auf diplomatischem Weg zu erlangende Dispens davon hatte man nicht gedacht! Vielleicht hatte man . . . angenommen, dass für Tochter und Schwiegersohn des Kaisers" ein Auge zugedrückt würde. Doch, stellt Ing. Helmut Penz, Hohenau/ March, klar, die Republik "duldete . . . keine Ausnahme", nicht einmal bei hohen Herrschaften.

"Möglicherweise hat dabei eine gewisse Missachtung der Person Franz Stephans eine Rolle gespielt", vermutet Rudolf Freiler, Kirchschlag/NÖ, und fügt an: "Der Kaiser in Wien war über den Mangel an Courtoisie sehr verärgert". Auch dass man auf der Reise zuvor schon Unannehmlichkeiten erlebt hatte, erwähnt der Tüftler: Bei der Nächtigung "in Schloss Porcia" in Spittal/Drau war "das eheliche Bett zusammengebrochen".

Und nun auch noch die unfreiwillige Verzögerung. Die "Durchlauchten und ihre höhergestellte Begleitung" wurden im "Schloss des Malteserritters und Grafen Scipione Buri" einquartiert, "während die niederen Bediensteten . . . im Lazarett" bleiben mussten, so Brigitte Schlesinger, Wien 12. Und: "Die Villa Buri war mit "Spanischen Reutern" (auch Igel genannt) umgeben, eine Art Barrikaden . . ., und von 200 Grenadieren der Republik Venedig bewacht. Die Quarantäne wurde streng kontrolliert, allerdings . . . ließ die venezianische Regierung wöchentlich für 2.000 Dukaten Fische und Fleischspeisen unentgeltlich" herbeischaffen.

Gemütlichkeit kam trotzdem nicht auf. Das Domizil war nur für Sommeraufenthalte ausgestattet, durch breite Spalten unter den Türflügeln zog es, von den steinernen Böden ging es kalt her, solide Öfen fehlten.

Immerhin, ergänzt Tüftlerin Schlesinger, "erließ der venezianische Gesundheitsrat . . . den Eingeschlossenen einige Tage." Nach zwei Wochen durften sie abreisen. Nach anderen Quellen wurde die eigentlich mindestens drei bis vier Wochen dauernde Quarantäne ohne Genehmigung abgebrochen.

Schlesien und die Welt

"Dass Maria Theresia den Verlust Schlesiens niemals verschmerzte", lernte einst jedes Schulkind, so auch Maria Thiel, Breitenfurt, die sich damit einem dunklen Kapitel im Leben der Regentin und dem zweiten in der Nuss angeschnittenen Thema zuwendet: dem Siebenjährigen Krieg 1756- 1763. Um das durch Preußen abspenstig gemachte Schlesien zurückzugewinnen, ging Maria Theresia sogar "ein Bündnis mit . . . dem Erbfeind" Habsburgs ein: Frankreich.

Kanzler Kaunitz antichambrierte, um Habsburgs Erzfeind Frankreich auf Maria Theresias Seite zu bringen. - © Bild: Archiv/gemeinfrei
Kanzler Kaunitz antichambrierte, um Habsburgs Erzfeind Frankreich auf Maria Theresias Seite zu bringen. - © Bild: Archiv/gemeinfrei

"Politisch gesehen war ihr Kanzler Wenzel Anton Graf Kaunitz-Rietberg der führende Mann, welcher als Kriegsplanung reine Kabinettspolitik bevorzugte", so Manfred Bermann, Wien 13: Dies "mündete . . . in der sogenannten Umkehr der Allianzen ("renversement des alliances")". Die "über Jahrhunderte" bestehende Opposition zu Frankreich wurde überwunden.

Eine "Schaltstelle der Macht in Versailles" nennt Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7: "Madame de Pompadour, die Mätresse des Königs (Ludwig XV., Anm.)", die großen Einfluss auf ihren Liebhaber hatte. "Kaunitz umschmeichelt . . . die Marquise, die außerdem Maria Theresia bewundert. Die Pompadour wird alsbald Österreichs beste Vertreterin".

Außerdem, so Mathilde Lewandowski, Payerbach, "wurde bekannt, dass Maria Theresia sich mit der russischen Zarin Elisabeth . . . verständigt hatte. Friedrich erkannte, was sich in der "Herrschaft der Unterröcke", wie er höhnte, zusammenbraute."

"Der entscheidende Hintergrund ist . . . die englisch-französische Auseinandersetzung auf drei Kontinenten", so Univ.-Prof. Dr. Georg Schmid, Saint-Oradoux-près-Crocq/F, der ergänzt, dass manche vom "Ersten Weltkrieg" reden.

Auch das Empire suchte Alliierte, so Herbert Beer, Wolfpassing. Es kam zum "britisch-preußischen Zusammengehen". Bald "eskalierte der Konflikt." Preußen gelang eine "rasche Besetzung Sachsens". Nach weiteren Siegen wendete sich das Blatt, Friedrichs Lage schien 1761 "ausweglos".

Dann kam es zum (von Friedrich so bezeichneten) "Mirakel des Hauses Brandenburg", merkt schon zitierte Spurensucherin Lewandowski an. "Der Tod der russischen Kaiserin Elisabeth im Sommer 1762 brachte Preußens Errettung: Ihr Nachfolger, Peter III., war ein glühender Bewunderer" und nun auch Unterstützer Friedrichs.

Hohe Kosten, viel Leid

Aufgrund "allgemeiner Kriegsmüdigkeit und wirtschaftlicher Erschöpfung" erreichte Sachsen "Friedensverhandlungen zwischen Österreich und Preußen", so Dr. Peter Schilling, Wien 18. Am 15. Februar 1763 wurde der Friede von Hubertusburg in Sachsen unterzeichnet. Der Zeitreisende zitiert eine Aufstellung, die das Ausmaß der Katastrophe für das Habsburgerreich erahnen lässt: "Von den Menschenleben der Zivilbevölkerung . . . abgesehen, betrugen die Gesamtverluste von 1756 bis Ende 1762 im Felde 303.592 Mann (Tote, Verwundete, Invalide und Kriegsgefangene), 82.483 Pferde. 397 Kanonen, 31 Mörser, 354 Munitionswagen, 89 Fahnen, 23 Standarten und eine Pauke."

Dass der Krieg der "Bevölkerung enormes Leid" brachte, betont auch Michael Chalupnik, Siegharts-kirchen, und nennt ungefähre Gefallenenzahlen: Österreich 140.000, Preußen 180.000, Russland 120.000, Frankreich 70.000, Großbritannien 40.000.

Und wofür? Dr. Harald Jilke, Wien 2, bringt es nüchtern auf den Punkt: "Der Status quo ante bellum wurde wiederhergestellt."

Das heißt, der Konflikt endete, "ohne dass es in Europa zu wesentlichen Besitzverschiebungen gekommen wäre", notiert Gerhard Toifl, Wien 17. "Preußen behielt Schlesien, verpflichtete sich aber", bei der Kaiserwahl den Sohn Maria Theresias, Joseph II., anzuerkennen.

Die oft beschworene Friedensliebe der Landesmutter reflektiert Volkmar Mitterhuber, Baden: Ihre militärischen Konflikte waren meist Defensivkriege. Als Preußen Schlesien annektierte, sah sie einen "Verstoß gegen die göttlich legitimierte Rechtmäßigkeit monarchischer Herrschaft". Doch auch sie hielt sich nicht immer daran; der Tüftler nennt ein Beispiel: "Die Annexion Galiziens 1772 bedeutete den ersten Schritt zur Zerschlagung" Polens. Friedrich II. ätzte gegen Maria Theresia, die die Teilung moralisch ablehnte, jedoch mittrug: "Sie weinte, aber sie nahm".

Aus ihren letzten Jahren ist ein Zitat überliefert, aus dem Kriegsverdruss spricht; damit schließt Christine Sigmund, Wien 23: "Besser ein mittelmäßiger Frieden als glücklicher Krieg."

Zusammenstellung dieser Rubrik: Andrea Reisner