Ein in Eisen geschmiedeter Kerkerhäftling, eine Prinzessin, die ihn befreien will, ein gnomenhafter Helfer und eine edelmütige Herrscherin - dies sind Ingredienzien einer historischen Novelle der Schriftstellerin Luise Mühlbach (eigentlich Clara Mundt, 1814-1873). Die Erzählung mit dem Titel "Maria Theresia und ihr Ofenheizer" (Wien 1862) war im Dezember 2020 im Geschichtsfeuilleton (Printausgabe, S. V) erwähnt worden. Sie handelt von einem kleinen Bediensteten der Regentin, dem Großes gelingt: Er kann Maria Theresia überzeugen, für die Freilassung des in Preußen inhaftierten Freiherrn Friedrich von der Trenck einzutreten. Bei der erwähnten Prinzessin, angeblich Trencks einstige Geliebte, handelt es sich um Amalie von Preußen, Schwester Friedrichs II.

Clara Mundt (1814-1873) alias Luise Mühlbach.  - © Foto (gemeinfrei): Archiv; Schmuckfarbe: Ph. Aufner
Clara Mundt (1814-1873) alias Luise Mühlbach.  - © Foto (gemeinfrei): Archiv; Schmuckfarbe: Ph. Aufner

Mühlbachs Novelle liest sich wie typische Unterhaltungsliteratur des 19. Jh.s mit einer verklärenden Sicht auf die Vergangenheit. Allerdings verweisen Fußnoten auf eine durchaus seriöse Quelle, nämlich den französischen Gelehrten Dieudonné Thiébault (1733-1807), der zwei Jahrzehnte in Berlin weilte und Einblick ins höfische Leben der Ära Friedrichs II. hatte. Es blieb also die Frage, wieviel Wahrheit wohl in Mühlbachs Dichtung um den Ofenheizer steckt.

Zur Einschätzung der Verfasserin, einer geborenen Neubrandenburgerin, schlug Geschichtsdetektiv Dr. Harald Jilke, Wien 2, in der "Deutschen Biographie" nach: "Für ihre umfangreichen Vorarbeiten zog sie stets zahlreiche Quellen heran, verwertete eigene Erfahrungen als Gesellschafterin einer Gräfin und nutzte ihre vielfältigen Kontakte zum preußischen Hof und zum Adel, um intime Details" zu verarbeiten. "1873 reiste Mühlbach als Berichterstatterin des "New York Herald" für die Weltausstellung nach Wien." Für das US-Blatt "verfasste sie Porträts von . . . Bismarck, Kaiser Wilhelm I., Pius IX., die als Grundlage für spätere Nekrologe dienen sollten." Fazit des Zeitreisenden: "Das klingt schon nach einer gewissen Gediegenheit."

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Eine heiße Spur in Sachen Ofenheizer fand Spezialtüftlerpaar Lisl & Dr. Peter Baran, Wien 14, das auf einen Hofbediensteten namens Franz Stockl stieß. Über ihn berichtet Moriz Bermann im Werk "Maria Theresia und Kaiser Josef II. in ihrem Leben und Wirken" (Wien etc., Hartleben’s Verlag 1881): "Besonders begünstigt von Theresia war der k.k. Kammerthürhüter Franz Stockl (. . . nicht Kammerheizer, wie beständig angeführt wird), welcher von der Gnade der hohen Frau viele Beweise erhielt und so manches unverblümte Wort sprechen durfte, das einem andern Diener nicht leicht nachgesehen worden wäre. Dieser Stockl spielt in allerlei Wiener Anekdoten aus jenen Tagen eine hervorragende Rolle.""

Könnte er an der Befreiung von der Trencks mitgewirkt haben? Seine Lebensdaten sprechen dagegen. Stockl, so steht es bei Bermann, wurde 1710 geboren und starb 1757. Der Freiherr wurde aber erst 1763 befreit, nach dem Friedensschluss mit Preußen (vgl. Zusammenstellung oben auf der Seite).

P.S. In einem Hofschematismus aus 1752 findet sich Franz Stockl als "Anti-Cammer-Thürhütere". In der Reihe der "Cammer-Heitzere" kommt notabene ein Christoph Stockl vor. Ob bzw. wie er mit Franz Stockl verwandt war, ist nicht geklärt.

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner