Gustav Mahler (1860-1911) um die Zeit seines Wechsels von Hamburg an die Wiener Hofoper.  - © Foto (gemeinfrei): NYPL
Gustav Mahler (1860-1911) um die Zeit seines Wechsels von Hamburg an die Wiener Hofoper.  - © Foto (gemeinfrei): NYPL

Das Jahr 1911 wurde unser Katastrophenjahr." Mit diesen Worten aus den Erinnerungen des Malers Carl Moll (1861-1945) beginnt Dr. Manfred Kremser, Wien 18, den Antwortreigen zur Frage 1 der Nro. 414, die ganz im Zeichen von 1911 stand. In diesem Jahr starb mit Molls Schwiegersohn einer der größten Komponisten und Dirigenten seiner Zeit. Den Gesuchten, der mit Molls Stieftochter Alma, geborene Schindler (1879-1964), verheiratet war, nennen Dr. Edgar Feuerstein, Wien 1 (willkommen im Tüftlerkreis!), sowie Manfred Höbart, Wien 15: Gustav Mahler.

Geboren wurde er, so KR Wilhelm Fleischberger, Baden, am "7. Juli 1860 in Kalischt" (tschech. Kalitě).

Im Alter von 15 Jahren kam er nach Wien, wo er Unterricht am Konservatorium nahm. Einen seiner Lehrer gibt Ing. Heinrich Eder, Grödig/Sbg., an: Bei Julius Epstein (1832-1926) studierte Mahler Klavier. Mit Franz Krenn (1816- 1897) ergänzt Mag. Robert Lamberger, Wien 4, den Kompositionslehrer.

Tosenden Applaus erntete Mahler sowohl an der Wiener Hofoper (l.) als auch an der New Yorker "Met".  - © Bilder: Wien Museum (l.), NYPL (r.; Schmuckfarbe: WZ)
Tosenden Applaus erntete Mahler sowohl an der Wiener Hofoper (l.) als auch an der New Yorker "Met".  - © Bilder: Wien Museum (l.), NYPL (r.; Schmuckfarbe: WZ)

Nicht zu verwechseln mit dem "(gleichnamigen) Doktor der Rechte sowie Advokaten Franz Krenn", geb. 1837, betont Mag. Georg Schilling, Wien 18; letzterer wurde "später der Gatte von . . . Emma Than(n)er", Schülerin Bruckners.

Apropos Anton Bruckner: Wie Helmut Erschbaumer, Linz, ergänzt, hörte Mahler bei diesem Vorlesungen in Wien.

Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, fand heraus, dass Mahler den Schulstoff nebenbei lernte. Die Matura "als Externer" schaffte er beim zweiten Versuch.

Mag. Margaretha Husek, Wien 23: Sein erstes festes Engagement führte ihn "1880 als Operettenkapellmeister" nach Bad Hall. Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, zählt die Stationen der folgenden Jahre auf: Laibach, Olmütz, Kassel, Prag, Leipzig, Budapest und Hamburg. "In den Sommermonaten zog er sich . . . zurück" und widmete sich der Komposition, "teilweise . . . in eigens für ihn errichteten Komponierhäuschen."

Als "Ferienkomponist" bezeichnen Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram, den Vielbeschäftigten, der nur im Urlaub Zeit für seine eigenen Schöpfungen fand. Das Tüftlerpaar verweist auf die Entstehung seiner "großen Werke am Attersee, am Wörthersee und ab 1908 in Toblach" (Südtirol).

Flucht vor "Gesindel"

1897 erfolgte seine "Berufung an die Wiener Hofoper", so Dr. Brigitte & Dr. Gottfried Pixner, Wien 13, "wo er dem Haus eine Serie unüberbietbarer Höchstleistungen bescherte."

In der New Yorker Opernszene (hier: Karikatur aus den 1880ern), in der Mahler nach seinem Abgang aus Wien mitmischte, ging es turbulent zu. - © Bild (gemeinfrei): Digital Commonwealth
In der New Yorker Opernszene (hier: Karikatur aus den 1880ern), in der Mahler nach seinem Abgang aus Wien mitmischte, ging es turbulent zu. - © Bild (gemeinfrei): Digital Commonwealth

"Am 15. April" wurde "der Vertrag unterzeichnet, der Mahler für ein Jahr als Kapellmeister . . . verpflichtete", stellt Christine Sigmund, Wien 23, fest. Um die Anfeindungen gegen ihn als Juden zu unterbinden, war er zum Katholizismus konvertiert. Zum Stichwort Antisemitismus wirft die Tüftlerin ein: Im selben Jahr "wurde Karl Lueger Bürgermeister" von Wien.

Dr. Alfred Komaz, Wien 19: Mahlers "Debüt bildete 1897 eine triumphale "Lohengrin"-Aufführung. Mit großer Energie reformierte er den Opernbetrieb, indem er etwa gegen Claque (bezahlte Klatscher, Anm.) und Zuspätkommende vorging und . . . die Verdunklung des Zuschauerraumes einführte."

Zu Mahlers Wirken in der Kaiserstadt merkt Volkmar Mitterhuber, Baden, an: "Er intensivierte die Probenarbeit" und versuchte, die Sängerinnen und Sänger "im dramatischen Ausdruck zu schulen". Herbert Beer, Wolfpassing, ergänzt, dass Mahler die "Einheit von musikalischer und szenischer Darstellung" anstrebte.

Den "Tod seiner kleinen Tochter", der vierjährigen Maria Anna, die an Diphtherie und Scharlach erkrankt war, erwähnt Harald Mandl, Gerasdorf (willkommen im Tüftlerkreis!), als traumatisches Ereignis im Leben des Künstlers. Der Verlust fiel in dessen "annus horribilis" 1907, so Rudolf Freiler, Kirchschlag/NÖ: "Kurz darauf wurde eine schwere Herzerkrankung bei Mahler festgestellt." Es "kam noch eine besonders heftige Pressekampagne gegen den Operndirektor" hinzu. Man habe ihm nie verziehen, dass er "aus dem Tummelplatz der k.k. High Society einen ernsthaften Musentempel gemacht" hat.

Bernd Zimmermann, Wien 22: Es gab auch "Vorwürfe der Misswirtschaft".

Dr. Peter Autengruber, Wien 8 (willkommen in der Gemeine!): "1907 dirigierte er das letzte Mal in Wien und ging dann an die Metropolitan Oper", kurz "Met", in New York.

Schon erwähnte Zeitreisende Sigmund führt eine Aussage Mahlers zu seiner Entscheidung an: "Ich gehe, weil ich das Gesindel nicht mehr aushalten kann."

Bei der Abreise im Dezember, so Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, hatten sich "rund zweihundert Menschen . . . am Westbahnhof eingefunden, darunter Arnold Schönberg, Alban Berg, Anton Webern, Alfred Roller, Carl Moll, Gustav Klimt, Bruno Walter und Arnold Rosé". Alma Mahler schrieb dazu in ihren Erinnerungen: "Sie standen, als wir ankamen, alle schon da, die Hände voll Blumen, die Augen voll Tränen . . . Als sich der Zug in Bewegung setzte, sprach Gustav Klimt aus, was viele dachten: "Vorbei!""

Blitz-Kur bei Dr. Freud

Die "erste Aufführung", die Mahler an der "Met" dirigierte, nennt Dr. Harald Jilke, Wien 2: Wagners "Tristan", ein "großer Erfolg". 1909 wurde er Chefdirigent "des Orchesters, das unter dem Namen "New Yorker Philharmoniker" Weltruhm" erlangen sollte. "In den zwei Saisonen, die ihm noch verblieben", leitete er "95 Konzerte".

Dr. Wilhelm Baier, Graz-Andritz: In seinen letzten Lebensmonaten gab es "auch in New York menschliche und künstlerische Schwierigkeiten mit dem philharmonischen Orchester. Die Liebesaffäre seiner Frau mit Walter Gropius brachte Mahler beinahe um den Verstand."

Dass der Musikus deswegen sogar Patient Sigmund Freuds wurde, erwähnt Gerhard Toifl, Wien 17; die beiden trafen einander "im holländischen Leiden", wobei die Konsultation "nur einen Nachmittag dauerte". In die Zeit der Ehekrise fällt auch "die Entstehung der (unvollendeten) 10. Symphonie". Das Manuskript "weist eine Fülle intimer Eintragungen auf", die sich an Alma richteten, etwa "am Schluss des Finales: "Für dich leben! Für dich sterben! Almschi!"

Zu Mahlers berühmter Gattin, die er 1902 ehelichte, merkt Prof. Brigitte Sokop, Wien 17, an: "Sie musste die eigene musikalische Karriere aufgeben, hatte nun den Beruf, "ihn glücklich zu machen"."

Einen Eintrag in Almas Tagebuch aus dem Jahr 1901 zitiert Brigitte Schlesinger, Wien 12: "Er hält von meiner Kunst gar nichts - von seiner viel - und ich halte von seiner Kunst gar nichts und von meiner viel. So ist es!"

Univ.-Prof. Dr. Georg Schmid, Saint-Oradoux-près-Crocq/F, vermutet, dass die "Angst vor der "Zehnten"", d.h. "sie nicht zu erreichen, wie vordem Beethoven, Schubert, Bruckner", Mahler mitnahm.

Dass ihn zeitlebens verschiedene gesundheitliche Probleme plagten, erwähnt Wolfgang Woelk, Gotha/D, und führt ein "Hämorrhoidenleiden, an dem er mehrmals fast verblutet wäre", sowie "nicht auskurierte Mandelentzündungen" an. Das "verursachte vermutlich die bakterielle Herzerkrankung", die letztlich zum Tode führen sollte.

Sein "letztes Konzert in New York" datiert Dr. Karl Beck, Purkersdorf, auf "21. Februar 1911". Im April, so Martha Rauch, Wien 14, "langte der Todkranke in Paris ein", wo er vergeblich ärztliche Heilung suchte.

Letzte Atemzüge

Die Rückreise nach Wien schildert schon zitierter Zeitreisenmedicus Dr. Kremser, erneut mit Worten Carl Molls, der Mahler in Paris abholte: "Nachmittags schaffen wir den liegenden Kranken - durchs Waggonfenster in sein Coupé". In Wien dauert der Todeskampf im Sanatorium Loew in der Mariannengasse, Wien 9, noch acht Tage. Moll weiter: "Die beiden letzten Stunden darf ich dem Sterbenden mit dem Sauerstoff-Apparat das Atmen erleichtern. Um 11 Uhr nachts (18. Mai 1911, Anm.) ist dies zu Ende."

Übrigens: Wie der Pathologe und Autor Hans Bankl (1940-2004) 2001 erklärte, könnte man Mahler "heute innerhalb von einer Woche völlig heilen" - mit "vier bis sechs Penizillininfusionen".

Auf Mahlers musikalisches Erbe blickt Dr. Gerhard Jungmayer, Wien 22, der "neben den Symphonien . . . v.a. die Orchesterlieder" schätzt, etwa "die fünf Lieder nach Gedichten von Friedrich Rückert" (besonders ""Um Mitternacht" und das berührende "Ich bin der Welt abhanden gekommen""). Auch die "Kindertotenlieder" sind Rückert-Vertonungen.

Mahler-Opern sind "keine erhalten", so Mag. Wolfgang Stelzmüller, Wien 9 (willkommen in der Gemeine!), der einige Titel aufzählt: ""Herzog Ernst von Schwaben" (vernichtet), "Die Argonauten" (vernichtet), "Rübezahl" (verloren)."Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, weist aber auf "Die drei Pintos", ein von Carl Maria v. Weber hinterlassenes Opernfragment, hin, das Mahler fertigstellte. Letztlich war das Werk "viel weniger eines von Weber als von Mahler".

P.S. Zum Joachimsthalerplatz in Ottakring recherchierten u.a. Prof. Ferry Kovarik, Wien 16, sowie Dr. Peter Schilling, Wien 18. Mehr dazu im März!

Zusammenstellung dieser Seite: Andrea Reisner