Kommt die Sprache auf weiße Ankömmlinge in neuen Gefilden, folgen meist ruhmreiche Geschichten: Entdecker, die ferne Länder erkunden, Wissenschafter auf waghalsigen Expeditionen, Abenteurer, deren Erlebnisse gern erzählt werden. Mit Barnard Walford, dem vermutlich ersten Wiener, der seinen Fuß 1791 auf den fünften Kontinent setzte, verhält es sich anders. An seine Fährte heftete sich die Gemeine und grub dabei die Biografie eines Herumtreibers aus. Anlass dazu boten die Spezialfragen in der Rubrik KARTEN GELESEN der Nro. 413.

Bagatelle hart bestraft

Den 1768 in Wien geborenen Walford, der schon als Kind Englisch lernte, zog wohl der Wunsch nach einem besseren Leben um 1783 nach London. Die britische Metropole galt als hartes Pflaster - zu hart für den Einwanderer, der ein Schattendasein fristete. Dieses Schicksal teilte er mit vielen Notleidenden, die versuchten, ihre Lage durch Diebstähle aufzubessern.

Aborigines in Tasmanien.  - © Bild: National Gallery of Victoria, Melbourne
Aborigines in Tasmanien.  - © Bild: National Gallery of Victoria, Melbourne

Auch Walford kam mit dem Gesetz in Konfikt, wie Volkmar Mitterhuber, Baden, festhält: Laut Anklage hatte er auf der "Petticoat Lane in London", einem bis heute existierenden Straßenmarkt für Kleidung, "einen Wäschekorb" entwendet. Brigitte Schlesinger, Wien 12, mit Details: Es handelte sich um "einen Weidenkorb", den er "einem 15-Jährigen ... geraubt" hatte. Die Ausbeute war überschaubar: 28 Windeltücher, ein Damenkleid mit "damals modischen Bischofsärmeln", ein Petticoat, vier Kleider und ein Umhang für Kinder sowie acht Tischtücher.

Das Verdikt war hart, so Thomas Jandl, PhD, Washington/Wien (willkommen im Tüftlerkreis!): "Barnard Walford wurde "transported", das heißt wegen Diebstahls in England zu (siebenjähriger, Anm.) Zwangsarbeit in Australien verurteilt". Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf: Solche "drastischen Strafen für kleine Diebstähle wurden ... verhängt, weil die britische Kolonialverwaltung ... Arbeitskräfte benötigte."

Truganini (l.), eine der letzten Aborigines Tasmaniens. R.: Typische Squatter-Hütte.
Truganini (l.), eine der letzten Aborigines Tasmaniens. R.: Typische Squatter-Hütte.

Nach einem Aufenthalt in den "Hulks", den Gefängnisschiffen, die vor der britischen Küste lagen, wurde Walford weiter verfrachtet. Manfred Höbart, Wien 15, notiert: Die Überfahrt fand auf "dem Schiff "Active" der "Third Fleet" anno 1791" statt. Dr. Harald Jilke, Wien 2, fügt an: "Auf diesem Schiff wurden 175 männliche Sträflinge transportiert. Davon starben 21 auf See".

Diese dritte Flotte, die Sträflinge Richtung Australien schickte, bestand aus elf Segelschiffen, die insgesamt über 2.000 Gefangene an Bord führten. Mehr als 170 Männer und ungefähr zehn Frauen überlebten die Fahrt nicht. Den ersten Transport dieser Art erwähnt Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7: "1788 landete eine Flotte mit etwa 1.000 Sträflingen in Port Jackson. Hier wurde die Siedlung Sydney gegründet. Nach enormen Anfangsschwierigkeiten war die neue Kolonie ab 1792 in der Lage, sich mit den notwendigsten Gütern zu versorgen."

Glückliche Wende

Zumindest für den Wiener wandte sich das Schicksal zum Besseren. "Nach dem Ende seiner Strafe erhielt Barnard Walford Land", so Gerhard Toifl, Wien 17: "Er ließ sich nieder und heiratete eine Irin." Später zog er "mit seiner Familie in die neugegründete Siedlung New Norfolk auf Tasmanien". Schließlich betrieb er sogar "ein eigenes Gasthaus in Hobart." Dort starb er "im Jahr 1828" als "angesehener Bürger", wie es auf seinem Grabstein heißt.

Die Landvergabe geschah natürlich nicht zufällig, wie Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram, anmerken: "Die Besiedlung Tasmaniens" sollte "die britische Dominanz als internationale Seemacht" sichern. "Die Regierung in London" sowie "ihr Vertreter in New South Wales ... wollten Stützpunkte" auf der Insel südlich des Festlandes einrichten. "Zwischen 1820 und 1840 stieg" die Zahl der europäischen Einwanderer "von etwa 4.350 auf über 57.000 an."

Die Tasmanier, deren Land zusehends von den sogenannten Squatters besetzt und großteils rücksichtslos bewirtschaftet wurde, setzten sich zur Wehr. Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, führt aus: "Die britischen Direktiven, wonach Gewalthandlungen gegen Einheimische bestraft werden müssten, wurden vom ersten entsandten Lieutenant Governor nicht kundgemacht, weshalb sich die Auseinandersetzungen in einer Art rechtsfreiem Raum ereigneten. Der wachsende Zustrom weiterer Siedler ... ließ die Spannungen eskalieren. Erwachsene Frauen und Männer der Autochthonen wurden erschlagen, die verwaisten Kinder in eine Art Knechtschaft (für die Feldarbeit und die Viehhütung) verschleppt."

Der Schwarze Krieg

Die brutale Verdrängung der tasmanischen Bevölkerung ist als "Black War" (Schwarzer Krieg) bekannt, wie DI (FH) Thomas Hochwarter, Litzelsdorf/Bgld. (willkommen in der Gemeine!), informiert: "Die Auseinandersetzungen fanden ca. 1830 ihr Ende, nachdem ... die Aborigines durch die britischen Besatzer in die Reservationszone auf Flinders Island (nördlich von Tasmanien, Anm.) deportiert worden waren."

Bereits erwähnte Geschichtsfreundin Schlesinger fügt an: Auf der knapp "70km langen und 30km breiten Insel" nahm "das Sterben ... kein Ende ... Aufgrund epidemischer Infektionskrankheiten war die Todesrate ... hoch. 1833 lebten" nur mehr "57 Aborigines" auf dem Eiland. Darunter zeitweise auch eine Frau namens Truganini, die 1876 über 60-jährig verstarb, als vermutlich letzte tasmanische Aborigine. Noch in den 1830er-Jahren waren Programme gestartet worden, die wenigen Verbleibenden zu "zivilisieren und zu christianisieren".

P.S. Der Buchpreis geht an Manfred Höbart. Herzliche Gratulation!

Zusammenstellung dieser Rubrik: Christina Krakovsky