Ein Dreigestirn der frühen Wiener Sternkunde beleuchteten die Zeitreisen im Vormonat: Johannes von Gmunden (ca. 1380-1442), Georg von Peuerbach (1423-1461) und Johann(es) Müller (1436-1476). Besonders Georg von Peuerbach, der in der Zusammenstellung etwas zu kurz gekommen ist, liegt Ing. Gerhard Kromus, Wien 19 (willkommen im Kreis der Zeitreisenden!), am Herzen. Der Spurensucher liefert daher Nachträge: Müller war zuerst "Schüler und dann Mitarbeiter von Georg von Peuerbach und hat dessen gesamtes Wissen nach dessen Tod als guter Selbstvermarkter als sein eigenes herausgegeben. Darum hat er sich auch in Regiomontanus (da er in Königsberg/ Franken geboren wurde) umbenannt - klingt ja viel ehrwürdiger."

Der Mond bot Orientierung auf See.  - © Bild: Peuerbachs "Theoricae", 1596
Der Mond bot Orientierung auf See.  - © Bild: Peuerbachs "Theoricae", 1596

In der Jänner-Ausgabe wurden als Errungenschaft des Regiomontanus Sternentafeln erwähnt, die für das Navigieren von Schiffen unabdingbar waren. Eigentlich handelte es sich um "Mondtafeln", welche es "Columbus und Konsorten ermöglicht haben, wieder über den Atlantik nach Hause . . . zu kommen", so Ing. Kromus. "Erfunden bzw. durch Beobachtungen ausgearbeitet hat dies Georg von Peuerbach." Der Tüftler weiter: Der "Polarstern bzw. der Sternenhimmel war . . . wegen des schlechten Wetters und der Wolken nur selten zu sehen. Der Mond hingegen war trotz Wolkendecke meist zu erkennen."

Neben vielen Leistungen des Oberösterreichers, der "in erster Linie Mathematiker" war, führt Ing. Kromus u.a. sein Geschick beim "Bau von Mess- und Beobachtungsgeräten" an. Für Kaiser Friedrich III. schuf er etwa "eine Taschensonnenuhr", die auch einen Kompass beinhaltete. Er entdeckte "bereits den Unterschied zwischen magnetischem und tatsächlichem Nordpol . . . - also die richtige Ausrichtung der Magnetnadel."

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Eine Erfindung des Landvermessers Johann Jakob Marinoni (1676-1755), ebenfalls Thema in den Jänner-Zeitreisen, hebt DI Dr. Luzian Paula, Wien 3, lobend hervor: "Der von ihm entwickelte Messtisch ermöglichte es, zu Beginn des 19. Jahrhunderts in erstaunlich kurzer Zeit den sogenannten Franziszeischen Kataster in Österreich (in der ungarischen Reichshälfte dauerte es noch einige Jahrzehnte länger) zu erstellen. Damit lag erstmals ein relativ (auch maßstäblich) genaues Grundstücksverzeichnis . . . vor. Im Wesentlichen wurden v.a. die Grundlagen für die Besteuerung der einzelnen landwirtschaftlich genutzten Grundstücke (Acker, Wiese, Weingarten, Wald, Weide etc.) geschaffen. Auch die (gemauerten) Gebäude und (hölzernen) Nebengebäude wurden erfasst . . . Das ganze Werk weist eine erstaunliche Genauigkeit auf, die erst knapp 180 Jahre später mit dem Grenzkataster der Digitalen Katastralmappe (DKM) mühsam erreicht wurde."

Zu Marinoni noch ein Literaturtipp: Mit ihm hat sich Dr. Michael Hiermanseder (danke für Ihren Hinweis!) intensiv befasst und etliche Artikel zu dem gebürtigen Italiener publiziert, u.a. in der "Österreichischen Zeitschrift für Vermessung und Geoinformation". In Heft 2/2017 erschien z.B. der Beitrag "Johann Jakob von Marinoni - geadelt und getadelt", den Dr. Hiermanseder gemeinsam mit dem in Nro. 415 ebenfalls erwähnten Geodäten DI Heinz König verfasste.

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