Die "Menschen auf Hawaii sagen, dass die Inseln zwei Präsidenten hervorgebracht haben", berichtet Brigitte Schlesinger, Wien 12, aus eigener Reiseerfahrung. Der eine ist Barack Obama, der im (seit 1959) 50. US-Bundesstaat 1961 geboren wurde. An den anderen erinnert in Chinatown in der Hauptstadt Honolulu u.a. eine Statue.

Den Namen dieses Staatsmannes, der in der Zusatzorchidee der Nro. 414 gesucht war, liefert Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7: Sun Yat-sen (od. Sun Wen, 1866-1925), "Sohn eines Bauern" in Südchina. Er besuchte "ab 1879 eine Missionsschule in Honolulu". Medizin studierte er u.a. in Hong Kong, musste aber nach einem gescheiterten Aufstandsversuch" ab 1895 ins Exil nach Japan, Europa, Macau (damals portugiesische Kolonie) und Kanada. Sun versuchte überall, "Auslandschinesen für die Revolution zu gewinnen."

Hawaii, seit 1898 US-Territorium, stellte Sun, wie eingangs zitierte Spezialtüftlerin Schlesinger festhält, 1904 eine Geburtsurkunde aus. Diese "ermöglichte ihm den legalen Aufenthalt in den USA, der ihm sonst aufgrund des "Chinese Exclusion Act" vom 6. Mai 1882 . . . verwehrt worden wäre". Vor der Rückkehr in sein Geburtsland war Sun, so die Zeitreisende weiter, 1910 noch einmal in Hawaii, wo er einen Ableger der "Tongmenghui (wörtlich Allianz-Bund)" begründete.

Manfred Bermann, Wien 13: Sun war "eine der treibenden Kräfte" der Xinhai-Revolution, welche das Ende einer Jahrtausende währenden Kaiserherrschaft in China einläutete.

Sun Yat-sen (Mitte) am 15. Februar 1912, kurz nach seiner Abdankung als Präsident, bei einer Rede.  - © Foto: Public Domain/wikimedia commons
Sun Yat-sen (Mitte) am 15. Februar 1912, kurz nach seiner Abdankung als Präsident, bei einer Rede.  - © Foto: Public Domain/wikimedia commons

Es war ein Sechsjähriger, der "am 12. Februar 1912" abdankte, wie Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, notiert. Am Ende "der Regentschaft des letzten Mandschu-Kaisers Puyi (1906- 1967, Anm.) aus der Qing-Dynastie" erklärten sich einige Provinzen unabhängig. Dazu erläutert Harald Mandl, Gerasdorf: Die Herrschenden wurden "als Kolonialmacht wahrgenommen". 1644 hatten Kräfte aus der Mandschurei (im Nordosten Chinas) die Ming-Dynastie abgelöst.

Die Ursachen, die zur Revolte führten, waren vielfältig. Mag. Robert Lamberger, Wien 4, attestiert "eine mehrere Jahrzehnte lang anhaltende politische, ökonomische und moralische Krise". Darüber hinaus verlor China damals zunehmend an Souveränität.

Des Kaisers Schulden

Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10: "Durch verfehlte Reformen, die . . . staatliche Verschuldungspolitik gegenüber dem Ausland" und kolonialistische Bestrebungen einiger Großmächte erreichten 1911 kritische Strömungen "in fast allen Teilen des Riesenreiches einen Kulminationspunkt, der als Xinhai-Revolution in die Geschichte eingehen sollte." Ziele waren u.a. "die Abwehr ausländischer Einmischungen" sowie "die Durchführung tiefgreifender, auch sozialer Agrarreformen".

Apropos "Druck von außen". Dazu notiert Volkmar Mitterhuber, Baden: Der im Ausland sogenannte "Boxer-Aufstand" gegen eindringende Großmächte wurde ab Herbst 1900 von West-Staaten sowie Japan niedergeschlagen. China musste "weitere demütigende Einschränkungen seiner Hoheitsrechte hinnehmen und eine Entschädigung von 450 Mio. Silberdollar zahlen". Dr. Alfred Komaz, Wien 19, ergänzt: An der Begebung dieser Anleihe "war auch Österreich-Ungarn . . . beteiligt, obwohl es . . . keine territorialen Ansprüche an China stellte."

Das wirtschaftlich geschwächte Land erholte sich zunächst. Christine Sigmund, Wien 23: Doch als sich 1910 von der Mandschurei aus eine Lungenpest-Epidemie verbreitete, "wurde auch der Eisenbahnverkehr eingeschränkt". Die Sperren sowie Überschwemmungen des Jangtse-Flusses erschwerten den Handel.

Der Unmut weiter Teile der Bevölkerung erreichte, so Gerhard Toifl, Wien 17, "am 10. Oktober 1911 mit den Wuchang-Aufständen". einen Höhepunkt. (Die Region ist heute ein Teil der Wuhan-Metropole am Jangtse im Südosten Chinas.) Diese Proteste gelten als Beginn der Xinhai-Revolution und waren "direkt gegen das Kaiserhaus gerichtet", welches sich zurückzog, um Verhandlungen abzuwarten.

Westliches im Osten

"Bereits im Dezember 1911 wurde Sun Yat-sen Übergangspräsident der provisorischen Republik," so Michael Chalupnik, Sieghartskirchen. "Er war kein Fakten schaffender Staatsmann, sondern ein Theoretiker grundlegender philosophisch-politischer" Ideen. Er wird "als politischer Gründungsvater" weiter verehrt.

Sein Programm trug, wie Ing. Heinrich Eder, Grödig/Sbg., notiert, den Titel "Drei Prinzipien des Volkes". Dr. Karl Beck, Purkersdorf, erläutert, dass es darin um "Volksrechte, Volkswohlfahrt" und erweiterte Gewaltenteilung ging.

Mag. Wolfgang Stelzmüller, Wien 9, mit Details: Durch die "Volksgemeinschaft" sollte der gemeinsam "getragene Staat seine volle Unabhängigkeit und Gleichberechtigung gegenüber anderen Völkern beanspruchen." Weiters sollte "das ganze Volk . . . grundlegende Rechte" erhalten und Vertreter für Regierungsfunktionen wählen. Das "Volkswohlfahrtsprinzip" enthielt Forderungen nach sozialer Revolution und Wohlstandsvermehrung.

Diese Ideen waren, wie Herbert Beer, Wolfpassing, erläutert, "an den US-amerikanischen Progressivismus angelehnt", verknüpft mit traditionellen Ideen. Dr. Edgar Feuerstein, Wien 1, ergänzt: Die provisorische Verfassung erklärte China "zu einer Republik".

Offiziell durch eine Wahl als Präsident bestätigt wurde Sun "am 1. Jänner 1912", so Bernhard Zimmermann, Wien 22; er trug den Titel jedoch "nur bis zum 14. Februar". Dazu Dr. Harald Jilke, Wien 2: "Um einen Bürgerkrieg . . . zu verhindern, verzichtete Sun" auf das Amt zugunsten des Generals Yuan Shikai (1859- 1916), der zwischen Revolutionären und Kaiserdynastie vermittelt hatte. Allerdings, so Helmut Erschbaumer, Linz, proklamierte sich der Militär "1915 selbst zum Kaiser". Im folgenden Jahr zwang man ihn zum Rücktritt. Er starb wenig später.

Sun versuchte, wie Ing. Helmut Penz, Hohenau/ March, herausfand, "ab 1921 in Guangdong (nahe Hong Kong, Anm.) eine eigene Machtbasis aufzubauen". Er strebte bis zu seinem Tod 1925 danach, "seine Ideale einer Republik" in China zu verwirklichen.

Im Exil Jahre zuvor hatte sich Sun den ihn als Chinesen ausweisenden Zopf abschneiden lassen. Er tauschte auch, so Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, die "formelle Männerkleidung der Qing-Zeit", also "Männerrock und Mandarinjacke", gegen den von ihm inspirierten "Sun Yat-sen-Anzug". Dieser wurde "im Westen . . . als "Mao-Anzug" bekannt".

Zusammenstellung dieser Rubrik: Barbara Ottawa