Über nicht einmal 140 Meter erstreckt sich das unscheinbare Gässchen in der Donaumetropole, das die Aufmerksamkeit der Gemeine auf sich zog. "Kaum zu glauben, dass eine so kleine Gasse so eine große Geschichte hat", hält Manfred Bermann, Wien 13, fest und verweist mit dem "Lexikon der Wiener Straßennamen" von Dr. Peter Autengruber (den die Zeitreisen in Nro. 416 als Nussknacker begrüßen durften) auf ein hilfreiches Kompendium.

Konkret führte die kleinen Nuss Nro. 413 in die Rauhensteingasse im heutigen ersten Wiener Bezirk.

Rudolf Freiler, Kirchschlag/NÖ, recherchierte zur "Herkunft des Namens" und fand "mehrere Möglichkeiten: . . . 1208 besaß ein Ritter Otto Turzo von Rauhenstein ein Haus" in dieser Gegend. In der Gasse befand sich später ein Gefängnis, das u.a. der "Rau(c)he Stein" genannt wurde, eine alte Bezeichnung für Strafanstalten. Schließlich ist "seit 1701 ... ein Hausschild "Zum Rauchenstein" nachweisbar." Es wäre auch denkbar, dass es sich um eine Erinnerung an einen Hausbrand handelt.

Maria Thiel, Breitenfurt, fährt fort: Die Gasse, die eine Verbindung zwischen Weihburg- und Himmelpfortgasse ist, wurde "bereits 1341 urkundlich erwähnt." Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Namensgebung, u.a. zu "bei der Himmelpforte, ... Gäßlein beim Himmelpfortkloster" und, gemeinsam mit der Himmelpfortgasse, "Auf dem Steig". Volkmar Mitterhuber, Baden, ergänzt: "Seit 1786" trägt sie die bis heute gültige Bezeichnung.

"Glückliche Enge"

Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, mit einem Detail zur jetzigen Hausnummer 6: "Hier wohnte 1831 Franz Grillparzer". Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, fand zum Einzug des Dichters in dessen persönlichen Aufzeichnungen einen Eintrag aus dieser Zeit und gibt wieder: "Eine neue Wohnung bezogen. Von vier Zimmern, aus denen meine vorige bestand, in zwei, meine gegenwärtige. Das sieht fast einem Herabkommen ähnlich; möge es aber eine Vorbedeutung sein, dass auch das Gemüt in seine vorige, glückliche Enge sich wieder zurückziehen wolle."

Zu dem Domizil, dessen Vorgängerbau vermutlich im 15. Jahrhundert errichtet wurde, informiert Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10: Etwa 1800 entstand der "Neubau, in dem dann Grillparzer logierte. Heute bildet es - es liegt ja an der Rückseite des Hauses in der Kärntnerstraße - zusammen mit dem Haus Nr. 8 einen Teil des Kaufhauses Steffl (ehemals Neumann)."

Herbert Beer, Wolfpassing, widmet sich der Nr. 8, die einst die "Konskriptionsnummer 934" trug: Hier befand sich das Quartier, in dem am 5. Dezember 1791 Mozart verstarb. Am heutigen Bau ist eine Gedenktafel angebracht, die von der "Gesellschaft der Musikfreunde" gewidmet wurde. "Eine zweite Gedenktafel ist verschollen ... 1791 wohnte Wolfgang Amadeus Mozart im ersten Stock des Ecktraktes (zum Haus Stadt 933/ Rauhensteingasse 10). Er komponierte hier "Die Zauberflöte" und das Requiem."

Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, schließt an: "1846 wurde das Gebäude von Pietro di Galvagni erworben, der es gemeinsam mit den Nachbarhäusern ... demolieren ließ. An ihrer Stelle entstand ... der Mozarthof. In dessen Stiegenhaus ließ Galvagni eine Mozartbüste ... aufstellen".

Spitzbuben hinter Gitter

Zur Nr. 10 führt Gerhard Toifl, Wien 17, aus: "Ursprünglich stand hier ein Gebäude, das seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts urkundlich belegt ist. Nach einem Brand scheinen hier (ab 1378) zwei Häuser auf. Offensichtlich war jedoch nur ein Teil der Realität abgebrannt, da nur eines der beiden 1378/1379 neu erbaut wurde ... Später entstand auf diesem Grundstück das sogenannte (Diebs-)Schergenhaus, das bis 1785 als Kriminalgefängnis verwendet wurde" - ab wann genau ist allerdings ungeklärt. "Laut Felix Czeike ("Historisches Lexikon Wien", 1992ff) ab 1368, laut Richard Groner" (Historiker, 1853-1931) erst ab dem 15. Jahrhundert.

Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, weiter: Dieses "zweistöckige Haus mit eisenbeschlagenen Türen und dicht vergitterten Fenstern" wurde auch "Malefizspitzbubenhaus genannt." Dr. Peter Schilling, Wien 18, wirft ein: Auf die unterirdischen Kerker soll die Redewendung "der kommt auf die Dacken" bzw. "ist oder liegt auf der Dacken" zurückgehen, "was sich auf die Strohmatten bezieht, die den Inhaftierten als Lager dienten."

Bereits erwähnter Nussknacker Chalupnik fügt an: In den "Verliesen wurden peinliche Befragungen", sprich Folter, durchgeführt. Diese gesetzlich genau geregelten Misshandlungen wurden "per 1. Jänner 1776 von Maria Theresia abgeschafft. 1785 wurde das Amtshaus aufgelassen."

Das Gebäude, das heute an dieser Stelle steht, wurde 1911/1912 errichtet.

Redaktion der "WZ"

Was unser Blatt mit der Rauhensteingasse zu tun hat, ergänzt Brigitte Schlesinger, Wien 12: Die "Wiener Zeitung" residierte "57 Jahre lang, von 1800 bis 1857" unter der jetzigen Hausnummer "3, wo heute die "Großloge von Österreich der Alten, Freien und Angenommenen Maurer" situiert ist."

Dr. Harald Jilke, Wien 2, räumt mit einer verbreiteten, aber falschen Annahme auf: Der Bau sei im Besitz der "WZ"-Herausgeber, der Ghelen’schen Erben, gewesen. Obwohl dort zwar ab 1784 "die Ghelen’sche Buchdruckerei untergebracht war", gehörte das Haus "aber zu keinem Zeitpunkt einem Mitglied der Familie Ghelen ... Am 5. Juni 1810 wurde das Gebäude von Valentin Graf Eszterházy (k.k. Diplomat, Anm.) erworben."

An dieser Adresse ging auch der Redakteur Joseph Carl Bernard ein und aus, zu dem Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram, festhalten: "Bernard kam 1800 nach Wien. 1815 wurde er Mitarbeiter der "Wiener Zeitung", erst übernahm er die Leitung der Auslandsrubrik, 1819" bekam er den Posten des Chefredakteurs. Fast "dreißig Jahre war er für die Gesamtredaktion zuständig. Er war aber nicht nur Redakteur, sondern auch Textdichter. Er verfasste die Texte zur romantischen Oper "Faust" ... von Louis Spohr ... Zur Musik von Conradin Kreutzer" lieferte er das Libretto "zur Oper "Libussa". Er gehörte zum Bekanntenkreis Beethovens" (vgl. Nro. 413). Bernard wohnte "vor 1820 in der Stadt 991, das war in der Rauhensteingasse 10, wo früher das Kriminalgefängnis stand."

Zusammenstellung dieser Rubrik: Christina Krakovsky