Das Verhältnis zwischen den beiden Astronomen Georg von Peuerbach und Johann(es) Müller, genannt Regiomontanus, stand in Zeitreisen Nro. 416 in dieser Rubrik im Fokus. Dazu meldete sich Univ.-Prof. i. R. Dr. Helmuth Grössing MAS, Wien 8, zu Wort. In seiner 1983 erschienenen Habilitationsschrift "Humanistische Naturwissenschaft. Zur Geschichte der Wiener mathematischen Schulen des 15. und 16. Jahrhunderts" widmete er dem "großen Astronomen und Mathematiker Georg Ulrich Aunpekh von Peuerbach (1423-1461) ein eigenes Kapitel". Unter anderem widerspricht der Historiker der in den Februar-Zeitreisen wiedergegebenen Aussage, der jüngere Johannes Müller habe das Wissen seines Lehrers nach dessen Tod als sein eigenes herausgegeben: "Peuerbach ist um 1451 in Wien mit dem jungen Regiomontanus in Verbindung getreten und ist dessen Freund in echter Verbundenheit bis 1461 (dem Todesjahr Peuerbachs) geblieben." Dass Müller sich den Namen Regiomontanus aus Gründen der Selbstvermarktung verpasst habe, stimme nicht: "Regiomontanus hat sich niemals selbst "Regiomontanus" genannt, man kennt von ihm nur den Namen "Joannes de Monteregio", den Namen "Regiomontanus" hatte erst der Reformator und Humanist Philipp Melanchthon in den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts kreiert."

Johann(es) Müller (1436-1476).  - © Bild (gemeinfrei) aus: A. Thevet, Les vrais... 1584. Kolorierung: Philipp Aufner/WZ
Johann(es) Müller (1436-1476).  - © Bild (gemeinfrei) aus: A. Thevet, Les vrais... 1584. Kolorierung: Philipp Aufner/WZ

Und: "Die Ephemeriden (Sterntafeln) des Regiomontanus (erschienen um 1473 in Nürnberg) sind ganz und gar dessen eigenständiges Werk, der junge Johannes Müller hatte Ansätze hierzu schon 1451 nach Wien mitgebracht. Die erdmagnetische Deklination (also der Winkel zwischen magnetischem und geographischem Pol) hat Peuerbach zwar nachgewiesenermaßen gekannt, es ist aber keineswegs erwiesen, dass er die Deklination entdeckt hätte. Sterntafeln kennt die gelehrte Menschheit . . . schon sehr lange vor Peuerbach", man denke nur an Hipparchos (um 190-120 v. Chr.).

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Das in Nro. 415 abgebildete historische Foto aus Wiens Westen ließ DI Eva Baumgartner, Gablitz, keine Ruhe. Zur Erinnerung: Die Aufnahme zeigte eine achtköpfige Gruppe, irgendwo in Hütteldorf. Die Gemeine war aufgerufen, Details zu ermitteln. "Im Hintergrund" glaubt die Zeitreisende "ein Gewässer zu erkennen" und tippt daher auf den Dehneparkteich oder den Silbersee. "Nach der Kleidung könnte die Aufnahme um 1905-1910 entstanden sein. Hauptfigur . . . scheint der herausgeputzte junge Mann ganz rechts zu sein, weil die beiden Damen und der Herr ganz links ihn so anstrahlen - Firmung, bestandene Prüfung oder Geburtstag vielleicht?"

Der heutige Dehnepark, so die Tüftlerin, wurde 1791ff "von Friedrich Mayern als Landschaftsgarten im englischen Stil entworfen", samt "Teichanlage mit "romantischer Hütte"". Eines der dort errichteten "Gebäude könnte den Schatten werfen (den ein Berufsphotograph wohl vermieden hätte)."

Ausgehend von "heutigen Umgebungs-Fotos" setzt DI Baumgartner jedoch "eher auf den Silbersee. An seiner Stelle befand sich früher ein Steinbruch", der in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg noch existierte.

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner