Ein kurzer Bericht, der 1872 in einer Wiener Tageszeitung erschien, lässt aufhorchen. Man erfährt von einem "Forstwart", dem "glänzende Geldanerbietungen" zugesagt wurden, "wenn er sich zu einem Attentat" gegen einen gewissen Josef Schöffel, "mit dem er manchmal auf die Jagd zu gehen pflegt, herbeilassen wollte." Der aufrichtige Waldarbeiter lehnte ab und erstattete Anzeige.

Wie sich der gebürtige Böhme Schöffel Feinde schuf, die selbst vor Bluttaten nicht zurückschreckten, recherchierte die Gemeine anlässlich der Spezialfragen der Rubrik KARTEN GELESEN der Nro. 416.

Beinahe verheizt

Den Ausgangspunkt bilden die 1860er-Jahre und eine "völlig leere Staatskasse", wie Gerhard Toifl, Wien 17, anmerkt: Grund dafür waren "zwei verlorene Kriege (Italien 1859, Preußen 1866) und der preußisch-österreichische Waffengang gegen Dänemark (1864)." Um an Geld zu kommen, wurden zunächst "Gebühren, Abgaben und Steuern massiv erhöht, dann verkaufte das Finanzministerium die "Staatsdomänen" (Forstgebiete) an Private ... Auch Bergwerke und Eisenbahnen" wurden veräußert.

Ab 1862 hatte die "k.k. Finanzlandesdirektion für NÖ", die dem Finanzministerium unterstellt war, die Verwaltung des Wienerwaldes inne. Dr. Alfred Komaz, Wien 19: "Die Vorgehensweise war stets die gleiche: Das für den Verkauf von Staatsgütern geschaffene (korrupte) Büro" verscherbelte die Domänen "auf der Basis falscher Schätzgutachten weit unter ihrem wahren Wert an private Spekulations-Konsortien, die zuerst durch Abholzen der Wälder den von ihnen entrichteten Kaufpreis herauswirtschafteten und die Objekte anschließend noch mit Gewinn weiterverkauften."

Herbert Beer, Wolfpassing, notiert: "1867 und 1868 wurden Verträge" mit dem "Holzhändler Moritz Hirschl ... abgeschlossen, die diesen ... zu umfangreichen Abholzungen im Wienerwald ermächtigten."

Quasi in letzter Minute wurde die Rodung gestoppt. Hier: Holzhacker auf einem niederländischen Druck. - © Public domain/Rijksmuseum
Quasi in letzter Minute wurde die Rodung gestoppt. Hier: Holzhacker auf einem niederländischen Druck. - © Public domain/Rijksmuseum

Wenige Jahre später, 1870, so Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, wurde "ein Gesetz "betreffend den Verkauf ... (bestimmter, Anm.) Teile des Wienerwaldes im Ausmaß von 5000 Joch, des sogenannten Anninger Forstes"" eingebracht. Ein Gebiet, das sich laut einem zeitgenössischen Blatt "trefflich zur Parzellierung eignete". Etwa ein Viertel des Waldes war damit zur Rodung freigegeben.

Diese Nachrichten ließen Josef Schöffel (1832-1910) wohl vor Wut schäumen. Der ehemalige Offizier war nach seinem Austritt aus der Armee bis 1868 an der Geologischen Reichsanstalt beschäftigt und wusste um drohende ökologische Folgen. Er startete "einen publizistischen Feldzug" zur Rettung des Waldes, wie Tüftler Ing. Kaiser ergänzt.

Die lukrativen Geschäfte wollten sich einige Unternehmer nicht vermiesen lassen. Sie starteten Gegenangriffe. Mehrmals wurde Schöffel angezeigt. Mag. Alexander Maksimovic (willkommen im Kreis der Zeitreisenden!), dazu: Obwohl die Bestrebungen vieler Einflussreicher "gegen seine Naturschutzintentionen gerichtet waren", gewann Schöffel 1872 einen "gegen ihn angestrengten Prozess durch die eindeutige Beweislage, die er vorbringen konnte." Dr. Karl Beck, Purkersdorf, weiter: "Schöffels Freispruch von der Anklage wegen Herabwürdigung von Verfügungen der Behörden ... leitete die Wende ein. Die Regierung entzog dem Finanzministerium die Causa zugunsten des Ackerbauministeriums." Ein Triumph für den Natur-Kämpfer.

Einsatz für Arme

Damit war dem Verschachern des Waldes ein Ende gesetzt. "Auch auf sozialem Gebiet" leistete Schöffel Großes, wie Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, betont: Er überzeugte seinen Freund, den "weltberühmten Anatomen Joseph Hyrtl (1810-1894), ... von der Stiftung eines Waisenhauses in Mödling." 1902 wurde dort "eine Büste Schöffels aufgestellt und im Ort ein Denkmal enthüllt."

Josef Schöffel (1832-1910), bekannt als "Retter des Wienerwalds". - © CC0/ Wien Museum (Schmuckfarbe: WZ)
Josef Schöffel (1832-1910), bekannt als "Retter des Wienerwalds". - © CC0/ Wien Museum (Schmuckfarbe: WZ)

Harald Jilke, Wien 2, wirft ein: Auf einer Ehrenmedaille, die die Stadtgemeinde Mödling 1891 prägen ließ, wurde "auf ausdrücklichen Wunsch Hyrtls auch Schöffel dargestellt."

Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, weiter: Der auch als Politiker tätige Schöffel (u.a. Mödlinger Bürgermeister 1873ff) organisierte außerdem im "Landesausschuss von Niederösterreich das ... Straßenwesen und ließ 140 Naturalverpflegsstationen für wandernde Handwerksburschen ... anlegen. Das Armenwesen wurde durch Schöffel renoviert. Und er gründete die Zwangsarbeits- und Besserungsanstalt in Korneuburg", in der junge Verurteilte Lehrausbildungen erhielten.

Schöffels Ansichten zu straffälligen Kindern und Jugendlichen hielt er in seiner Autobiographie "Erinnerungen aus meinem Leben" (1905) fest: "Durch den Verkehr mit den sogenannten moralisch verwahrlosten Kindern ... habe ich mich überzeugt, ... daß ... der größte Teil dieser armen Geschöpfe von Natur besser veranlagt ist, als zahllose Kinder reicher und vornehmer Eltern. Wenn sich diese ... aus der menschlichen Gesellschaft ausgestoßenen Kindern gegen die Gesetze der öffentlichen Moral und gegen die stumpfsinnigen Paragraphen des Strafgesetzes vergangen haben, so sind sie in den weitaus meisten Fällen dazu durch Hungerpein und Mißhandlungen gezwungen worden."

Dankbare Gemeinden

Zu Schöffels Lebensende kommt Gerhard Pöll, Bad Vöslau (willkommen in der Gemeine!). Der Neotüftler schlug im "Sterbebuch Mödling-Sankt Othmar" nach und wurde "unter Reihezahl Nr. 43/1910 bzw. Totenbeschauzettel Nr. 45/1910" fündig: "Begraben wurde Josef Schöffel am 10. Februar 1910" auf dem "Friedhof Mödling, Grab . . . Nr. 171/ 172, Gruppe I)."

Rainer Balzereit, Mödling (willkommen im Tüftlerkreis!), fügt an: "104 Gemeinden (vor allem im Wienerwald) trugen ihm die Ehrenbürgerschaft an."

Dr. Manfred Kremser, Wien 18: "Straßen, Gassen, Wege und Plätze, die nach Schöffel benannt sind, gibt es in Biedermannsdorf, Breitenfurt, Brunn am Gebirge, Eichgraben, Gablitz, Gumpoldskirchen, Hinterbrühl, Klosterneuburg, Ma. Anzbach, Ma. Enzersdorf, Mauerbach, Mödling, Neulengbach, Perchtoldsdorf, Pressbaum, Purkersdorf, Schwechat, Sulz, Wolfsgraben und in Wien."

Volkmar Mitterhuber, Baden, erwähnt den "Schöffelstein, eine 425m hohe Erhebung im Wienerwald bei Purkersdorf, auf dessen "Gipfel" ein Gedenkstein zu Ehren Josef Schöffels errichtet wurde". Außerdem gibt es in der Stadtgemeinde die Schöffelschule, eine Neue Mittelschule (Alois-Mayer-Gasse 4), und die Josef-Schöffel-Volksschule in der Schwarzhubergasse 7. Der Tüftler abschließend: "Jeder, der in den herrlichen Wäldern um Wien Erholung sucht und findet, sollte sich ... des "Retters des Wienerwaldes" erinnern."

P.S. Der Buchpreis geht an Ing. Alfred Kaiser. Herzlichen Glückwunsch!

Zusammenstellung dieser Rubrik: Christina Krakovsky