Ein Domizil in Wien-Mauer lässt der Gemeine keine Ruhe: Das Haus in der Maurer Lange Gasse 1, Wien 23, tauchte im März als Fundstück im Geschichtsfeuilleton auf. Im April ergänzte Spurensucher DI Fritz Lange, Wien 19, dass der Geldfälscher Peter Bohr einst Besitzer der Immobilie war.

Radiumforscherin Berta Karlik (1904-1990) lebte in Mauer. - © Foto: CC BY-NC-ND 4.0/Wiener Stadt- und Landesarchiv
Radiumforscherin Berta Karlik (1904-1990) lebte in Mauer. - © Foto: CC BY-NC-ND 4.0/Wiener Stadt- und Landesarchiv

Nun meldete sich mit Dr. Dieter Scholz, Wien 4, ein früherer Nachbar der Liegenschaft zu Wort: "Meine Eltern haben . . . 1959 das Haus Maurer Lange Gasse 3 gekauft, ich bin dort aufgewachsen". Wie auch bei Nr. 1 gab es im unmittelbar angrenzenden Haus Nr. 3 "im ehemaligen Wein- und Sektkeller einen Luftschutzkeller für bis zu 1500 Personen, mit Operationsraum. Wir Kinder haben dort noch Gasmasken und Stahlhelme gefunden, bei immer etwas schaurigen "Expeditionen". Licht gab es da nämlich keines."

Interessantes berichtet Dr. Scholz auch über seine damalige Nachbarin: "Prof. Dr. Berta Karlik (geb. 1904) hat bis zu ihrem Tode 1990 im Schlössel Maurer Lange Gasse 1 gelebt."

Die Physikerin hatte 1956 als erste Frau eine ordentliche Professur an der Uni Wien erhalten. Seit 1931 war sie am Institut für Radiumforschung tätig (später als dessen Leiterin). Mit Traude Bernert (1915-1998) wies sie das radioaktive Element Nr. 85, Astat, erstmals in der Natur nach.

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Die Erwähnung der Knödelhütte in den Februar-Zeitreisen führte Dr. Gottfried Mazal, Bisamberg, in seine Jugend zurück: "Meine Eltern hatten in dem schönen Abhang unter der Knödelhütte einen kleinen und netten Schrebergarten", der der Familie auch Nahrungsmittel bescherte. "Ich hatte gerade mein Studium begonnen, und es war für uns immer ein besonderer Genuss, wenn wir es uns hier und da erlauben konnten, zur Knödelhütte hinaufzuwandern und uns eine gute Mahlzeit kaufen zu können."

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Die Causa Carola Nahowska (1877-1946, vgl. Nro. 416) beschäftigte Beatrix Konrad, Wien 21. Zur Erinnerung: Die Malerin Nahowska, auch Heudu(c)k, war eine Tochter Anna Nahowskas. Weil diese lange Jahre Geliebte Kaiser Franz Josephs war, munkelte man, ihre Kinder seien dessen Sprösslinge. Vor allem Helene, geb. 1885 (später Gattin Alban Bergs), aber auch Franz Joseph, geb. 1889, galten als seine leiblichen Nachfahren. Wie Tüftlerin Konrad notiert, waren "Freunde des Ehepaares . . . Berg, wie Alma Mahler-Werfel", davon überzeugt. Auch Historiker schlossen sich der Annahme an. Gerüchte kursierten allerdings ebenso über Carola, die aus Annas erster Ehe hervorgegangen war. Eine kaiserliche Abstammung gilt bei ihr jedoch als eher unwahrscheinlich.

Carola wurde 1877 geboren, zwei Jahre nachdem ihre Mutter dem 30 Jahre älteren Kaiser erstmals im Schönbrunner Schlosspark begegnet war. Anna war damals, 1875, schon verheiratet, obwohl sie erst 15 war. Die Ehe mit Johann Heuduk scheiterte. Gatte Nr. 2, ein Bahnbeamter namens Nahowski, wird bald nach Galizien versetzt - Befehl von "ganz oben". Und Anna erhält ein Haus vis-à-vis von Schönbrunn.

Die Trennung vom Kaiser 1889 wurde Anna durch einen Beamten mitgeteilt. Ein großzügiges "Schweigegeld" gab es obendrein.

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner