Liebe Zeitreisende! Das Team des Geschichtsfeuilletons wünscht Ihnen frohe Ostern! Herzlichen Dank an alle, die Grüße und Zuspruch schickten, stellvertretend an Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, für das schöne Billett! Wie das Osterwetter anno 2021 ausfallen wird, wird sich erst zeigen. Für das Jahr 1911 wissen wir nach Lektüre der "Wiener Zeitung" zumindest für Ostermontag, den 17. April 1911, dass die Temperaturen in der Donaumetropole auf bis zu 21 Grad kletterten (der Ostersonntag ist nicht angegeben). Dass der Kaiser an den Feiertagen an einem Schnupfen laborierte, geht ebenfalls aus der "WZ" hervor. In zwei fast verdächtig ausführlichen Berichten wird betont, dass der Monarch ansonsten wohlauf sei.

Ein Demonstrant wird bei der Teuerungsrevolte 1911 abgeführt. - © Bild: Archiv/gemeinfrei
Ein Demonstrant wird bei der Teuerungsrevolte 1911 abgeführt. - © Bild: Archiv/gemeinfrei

Warum ist hier von 1911 die Rede? Wie Stammzeitreisende wissen, beschäftigt dieses Jahr die Gemeine nun schon seit einiger Zeit. Ein trauriges Ereignis, das sich im Herbst 1911 in Wien abspielte, interessierte Tüftlerinnen und Tüftler besonders: Die Teuerungsrevolte am 17. September 1911, bei der die Exekutive auf demonstrierende Menschen schoss. Es gab vier Tote und viele Verletzte.

Prof. Ferry Kovarik, Wien 16, wirft dazu eine Frage auf, die sich auch andere Zeitreisende stellten: Von den vier Opfern sind nur drei in einem Ehrengrab auf dem Ottakringer Friedhof beigesetzt: Otto Brötzenberger, Franz Joachimsthaler und Franz Wögerbauer. Wo ist Leopold Lechners Grab?

Recherchen in Blättern aus 1911 ergaben Details: Der 26-jährige Geschäftsdiener hatte eine äußerlich kaum sichtbare Stichverletzung am Oberschenkel erlitten, die seinen Darm perforierte, worauf es zu einer eitrigen Bauchfellentzündung kam. Er starb am 21. September im Rudolfsspital. Eine Beteiligung an den Protesten in Ottakring hatte er noch abgestritten - verständlich, er konnte sich wohl denken, dass die Justiz später harte Urteile gegen Demonstranten fällen würde. Über die Leichenfeier Lechners berichtete die "Arbeiter-Zeitung", dass sie "ohne Massenteilnahme der Arbeiterschaft" stattfand, "weil Lechner der Organisation nicht angehört hat". Nach Schätzungen des Blattes gaben ihm an die 150 Menschen das letzte Geleit. Lechner, dessen Eltern aus Sulz-Stangau im Wienerwald angereist waren, wurde auf dem Zentralfriedhof beigesetzt.

Depeschen

Damit zu einer anderen Causa aus der Nro. 417: Haupt-Protagonist der vorigen Zeitreisen war ein kaiserlicher Pudel namens Caro, um den sich allerdings einige Geheimnisse ranken: War die Geschichte um den Hund, der Kaiser Joseph II. zulief, nur eine Anekdote? Existierte sein eigentliches Herrl, ein Mann namens Joseph Kaiser, wirklich?

Dazu führte Mag. Franz Vrabec, Wien 13, eine Blitzrecherche durch. Noch am Erscheinungstag des Geschichtsfeuilletons meldete er sich mit Ergebnissen: "Nach der Sterbematrik 03-01, Fol. 79 der Pfarre St. Johann Nepomuk ist tatsächlich am 21. August 1790 im Haus Leopoldstadt No. 384 ein Joseph Kaiser, Apellation und Landrechten Kanzilist, katholisch, im 48. Jahr an "Lungelsucht" (sic) verstorben." Kompliment dem Spurensucher!

Zum ZEITREISENLOTTO-Gewinn gratulieren wir Mag. Wolfgang Stelzmüller, Wien 9, herzlich!