Man nehme als Vorgeschmack auf die Gemeine-Recherchen rund um den Fischfang unter Kaiser Maximilian I. (Orchidee der Nro. 416) ein gutes altes Rezept. Etwa ein "Hechtel-Köchel", das man wie folgt zubereitet: "Man soll das Hechtel am Rucken auffthun / das Ingeweid herauß / und es von einander thun / einsaltzen / und es hernach auff einen Rost legen / darnach soll man Butter nemmen / auch Essig und Gewürtz / den Butter im Essig zergehen lassen / und Rosmarin-Stäudl darein legen / das Hechtel offt damit bestreichen biß er gebraten ist / darnach die übrige Suppen darauff giessen / und also auff den Tisch geben."

Diese Anleitung stammt aus dem 1686 in Graz erschienenen "Koch- und Artzney-Buch", das Dr. Alfred Komaz, Wien 19, erwähnt. Der Tüftler stellt fest: "Geht man von der Anzahl der Fischrezepte im ältesten gedruckten österreichischen Kochbuch . . . aus, so waren damals Hechte die beliebtesten Fische."

Der Krebsenfang , dargestellt im Tiroler Fischereibuch aus 1504, das Maximilian I., ein begeisterter Jäger und Petrijünger, aufwendig ausstatten ließ. - © Österr. Nationalbibliothek
Der Krebsenfang , dargestellt im Tiroler Fischereibuch aus 1504, das Maximilian I., ein begeisterter Jäger und Petrijünger, aufwendig ausstatten ließ. - © Österr. Nationalbibliothek

Wie Maria Thiel, Breitenfurt, anmerkt, kamen einst oft "Karpfen, Hechte, Schleien und Huchen" auf den Tisch, aber auch "die aus der älteren Wiener Küche nicht wegzudenkenden Krebse". Die Spurensucherin erinnert daran, dass die Donau nicht nur "als Verkehrsweg" eine große Rolle spielte, sondern auch "als Nahrungsreservoir".

Michael Chalupnik, Sieghartskirchen: "Die hohe Nachfrage an Speisefischen barg die Gefahr der Überfischung und Verödung der Fischgewässer."

Kein Entrinnen

Das wollte Kaiser Maximilian I. verhindern. Er erließ, so Wolfgang Woelk, Gotha/D, "für alle seine Untertanen in Ober- und Niederösterreich . . . eine Fischereiordnung". Sie datiert auf den "24. Februar 1506".

Der Regent selbst, so Herbert Beer, Wolfpassing, "schätzte nicht nur die Jagd, sondern auch das Fischen . . ., sei es zur Unterhaltung, sei es zur Verpflegung des Landesherrn und seines Gefolges".

"Die einfache Bevölkerung hatte kaum eine Möglichkeit, sich daran zu ergötzen", wirft Christine Sigmund, Wien 23, ein. "Fische waren . . . teuer und landeten daher auf den höfischen Tafeln . . . Das Fischen war dem Adel und der Geistlichkeit vorbehalten".

Zur Urkunde von anno 1506 recherchierte Ing. Helmut Penz, Hohenau/ March: Sie "richtet sich besonders gegen das Überfischen der Gewässer" durch eine einst "gebräuchliche Fangvorrichtung, die Arche (Ärche), die vor allem die Brut bedrohte."

Dazu erklärt Brigitte Schlesinger, Wien 12: "Bei den Archen handelte es sich . . . um fix im Fluss eingebaute Fangzäune, in die Fische mit der Strömung einwanderten und gefangen wurden." Dies betraf besonders Tiere, die zum Laichen unterwegs waren. "Die Herstellung von Archen erforderte allerdings einen vergleichsweise hohen Arbeits- und Materialaufwand, weshalb der zu erwartende Fang ausreichend groß sein musste . . . Ein Verbot des Archenbaues war übrigens schon 1382 von Herzog Albrecht erfolgt, Kaiser Maximilian hat sein Verbot 1512 erneuert." Trotzdem ist aus Akten bekannt, dass 1575 "der Arch mehr als zuvor" bestanden.

Eine Hofgesellschaft beim Verzehr von frisch Gefangenem - eines der Bilder, die der kaiserliche Prachtband enthält. - © Österr. Nationalbibliothek
Eine Hofgesellschaft beim Verzehr von frisch Gefangenem - eines der Bilder, die der kaiserliche Prachtband enthält. - © Österr. Nationalbibliothek

Überhaupt soll Maximilians Fischereipatent "keine Verbreitung, keine praktische Umsetzung" gefunden haben, wie Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram, anmerken. "Das Fischerpatent Ferdinands I. für Oberösterreich von 1537" sollte mehr Wirkung erzielen. Das hatte auch damit zu tun, dass eine "massenhafte Verbreitung durch das Medium Druck sichergestellt" war.

Mag. Wolfgang Stelzmüller, Wien 9, weiter: "Zu tiefgreifenden Reformen kam es im 18. Jahrhundert durch . . . Maria Theresias . . . "Vorschriften wegen des Fischfangs"" (1771). Darin waren zwar "überwiegend Wiederholungen" früherer Regelungen enthalten, die "aber wegen Nichtbeachtung" nötig waren. Bekräftigt wurden vor allem "Bestimmungen über Mindestgewichte der Fische und Verbote von schädlichen Fangwerkzeugen".

Wie Dürers Hase

Details zum Dokument aus 1506, das auf Pergament verfasst ist und "im Wiener Stadt- und Landesarchiv" liegt, nennt Gerhard Toifl, Wien 17: Der handschriftliche Text nimmt "nur die obere Hälfte" ein. Darunter sind die besonders gefährdeten Fischarten "überaus naturalistisch gezeichnet". Die Darstellungen sind "einzigartig und kunsthistorisch von herausragender Bedeutung". Zeitreisender Toifl vergleicht sie mit Albrecht Dürers berühmter Zeichnung eines Hasen aus dem Jahr 1502.

"Dieses Patent", so Helmut Erschbaumer, Linz, "galt für die Donau und all ihre Nebenflüsse". Unterhalb des Textes sind "acht Fische abgebildet: Zingel, Hecht, Karpfen, Barbe, Huchen, Aalrutte, Wels und Forelle". Sie sind "alle noch heute in heimischen Gewässern zu finden."

Wie Volkmar Mitterhuber, Baden, ergänzt, ist auch "das sogenannte Brittelmaß" auf der Urkunde eingezeichnet. Es stellt "vermutlich das verordnete Minimum des Diagonalmaßes einer Masche eines Fangnetzes" dar. Für die Fischerei mit Angeln definiert dieses Schonmaß die Mindestlänge der Tiere.

Wie Mag. Robert Lamberger, Wien 4, anmerkt, waren diese "relativ klein, in der Regel bis zu etwa 12-18cm". Entsprechend engmaschig durften auch die Netze sein.

Zum Brittelmaß ergänzt schon erwähnter Spurensucher Dr. Komaz: Der Ausdruck kommt von "Brettl" und ein solches ist auf dem Pergament "in Originalgröße abgebildet - schließlich waren die angesprochenen Fischer in der Regel Analphabeten."

Dr. Harald Jilke, Wien 2, weiter: "Das Patent weist einen Kanzleivermerk auf", der auf eine "persönliche Beteiligung Maximilians am Entstehungsprozess" schließen lässt.

Geheimschreiber

Acht Fische sind auf dem Patent aus 1506 zu sehen, u.a. dieser Huchen, auch Donaulachs genannt (für den Druck gespiegelt, Hintergrund koloriert). - © Wiener Stadt- und Landesarchiv
Acht Fische sind auf dem Patent aus 1506 zu sehen, u.a. dieser Huchen, auch Donaulachs genannt (für den Druck gespiegelt, Hintergrund koloriert). - © Wiener Stadt- und Landesarchiv

Auch ein gewisser Marx Treitzsaurwein (ca. 1450- 1527) wird auf dem Dokument erwähnt. Auf ihn geht Dr. Manfred Kremser, Wien 18, ein: Er "war Geheimschreiber . . . Maximilians. Ruhm erlangte er als Mitverfasser und Redakteur von literarischen Werken, die dem Kaiser zugeschrieben werden: in erster Linie dem "Weißkunig" und dem "Theuerdank"." Treitzsaurwein wurde von seinem Herrn "so sehr geschätzt, dass er ihn "in khain weg nit entpern" wollte", wie der Regent in einem Schreiben erwähnte. "In dem zusammen mit seinem Hofpoeten . . . verfassten Versepos "Theuerdank" erzählte Maximilian seine Brautfahrt nach Burgund. Im "Weißkunig" seine Autobiographie."

Ein Werk, das für Petrijünger besonders interessant ist, nennt Dr. Karl Beck, Purkersdorf: Maximilian gab 1504 "ein Buch über die Fischerei . . . heraus", das sogenannte "Tiroler Fischereibuch".

Dieses Schmuckstück zieren "lebensvolle Darstellungen von Jagd- und Fischereiszenen", die "dem Hofmaler Jörg Kölderer zugeschrieben" werden, so Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf. Das Original "befindet sich in der . . . Österreichischen Nationalbibliothek". (Es kann auch unter https://onb.digital online besichtigt werden.)

Einen Ort, an dem sich Maximilian gerne zum Fischen aufhielt, erwähnt Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, die einen Seitenblick nach Tirol wirft: Dort stand ihm "das Lusthaus "Sigmundslust" für Banquette zur Verfügung." Der Herrscher "liebte dieses Haus mit dem großen Park, weil er da Festmähler unter freiem Himmel besonders gern veranstaltete." Die Spurensucherin zitiert auch einen zeitgenössischen Tipp für einen Fürsten: "Und so er nun solch Jagen und Fischen hinter sich gebracht, mag er alsdann mit seinem Hof ein Banquett im Fischerhaus haben, und danach mag er ungefährlich in drei Stunden . . . nach Schwaz reiten und dort Herberge nehmen."

Zusammenstellung dieser Seite: Andrea Reisner