In den Osten Afrikas verschlug es die Gemeine anlässlich der Spezialfragen der Rubrik KARTEN GELESEN in Nro. 415. Den Ausgangspunkt bildet einer "der bedeutendsten Herrscher Äthiopiens", so der renommierte britische Historiker Edward Ullendorff (1920- 2011), den Neotüftler Dr. Wolfgang Rist, Wiener Neustadt, erwähnt. Der Zeitreisende liefert erste Details: Zara Yaqob (es existieren verschieden Schreibweisen), "geboren 1399, bestieg 1434 den Thron und regierte bis 1468." Gerhard Toifl, Wien 17: Er gehörte der "Salomonischen Dynastie" an, "die im 13. Jh. gegründet" worden war. Das Herrschergeschlecht stammt laut Überlieferungen "vom biblischen König Salomo und der Königin von Saba ab".

Deren Sohn Menelik gilt als Gründer des Kaiserreiches Abessinien, das auf dem nördlichen Gebiet des heutigen Äthiopiens und Teilen Eritreas lag. Von 975 bis 950 v. Chr. soll Menelik als Negus (in etwa: königlicher Herrscher) regiert haben. Mit Unterbrechung (ca. 930-1270 war die sogenannte Zagwe-Dynastie an der Macht) ordneten sich die Regenten des Landes bis 1974 in die Salomonische Dynastie ein.

"Berg der Prinzen"

Heiligenbild , in äthiopischem Gebetsbuch, dessen Inhalt zur Zeit Zara Yaqobs entstand.  - © Bild (17. Jh.): Public Domain/Met Museum, NY
Heiligenbild , in äthiopischem Gebetsbuch, dessen Inhalt zur Zeit Zara Yaqobs entstand.  - © Bild (17. Jh.): Public Domain/Met Museum, NY

Zara Yaqob widmete sich der Stärkung der im Land uralten christlichen Tradition. Besondere Verehrung brachte er der Marienmystik entgegen. So stieß Dr. Karl Beck, Purkersdorf, auch im "Lexikon für Theologie und Kirche" auf den Herrscher. "Sein Thronname: Konstantin, vierter Sohn von David I."

Zu den Jugendjahren Zara Yaqobs notiert Dr. Harald Jilke, Wien 2: "Nach dem Tod des Kaisers David" kam er nach "Amba Geshen", ein unzugänglicher Tafelberg, der als abgeschiedene Residenz für Mitglieder der Fürstenfamilie diente. Auf diesem "Berg der Prinzen", der mit Bibliotheken reich ausgestattet war, sollten v.a. eventuelle Thronanwärter in Gesellschaft von Gelehrten und Geistlichen ein sorgloses, aber streng bewachtes Leben führen.

Nachdem Zara Yaqob dort die Regierungszeit von drei Brüdern und drei Neffen abgewartet hatte, kam er 1434 an die Reihe. Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10: Er "war ein äußerst tatkräftiger, nicht ganz unumstrittener Herrscher, der mit harter Hand gegen Häretiker und Ketzer vorging, selbst in seiner eigenen Familie ... Wie schon seine Vorgänger musste auch er sich gegen das expandierende Sultanat Adal östlich des äthiopischen Herrschaftsgebietes behaupten." Das feindliche Reich "umfasste die heutige äthiopische Provinz Harari, Eritrea, Dschibuti und Teile des nördlichen Somalia".

Zwangsgetaufte Braut

Kurz nach seiner Machtergreifung 1434 heiratete Zara Yaqob die Tochter des "Herrschers von Hadiya (heute im Südwesten Äthiopiens, Anm.) ... zur Besiegelung eines Friedensvertrages", so Brigitte Schlesinger, Wien 12: "Sie wurde gewaltsam zum Christentum bekehrt" und in Eleni - auch Helen(a), nach der namensgleichen Heiligen - umbenannt. "Trotz seiner eifrigen Frömmigkeit lebte Zara Yaqob polygam." Eleni blieb kinderlos, während aus seinen anderen Ehen Söhne hervorgingen.

Generell bekam jede seiner offiziellen Frauen einen bestimmten Titel, der Stand und Rechte festlegte. So etwa "Königinmutter", die sich um alle Kinder des Negus kümmerte. Diese Position bekleidete Eleni "nach dem Tod Zaras im Jahr 1468", so Dr. Manfred Kremser, Wien 18. Nach einigen recht raschen Abfolgen von jeweils neuen Herrschern, bestieg "1508 ... der minderjährigen Lebna Dengel" den Thron. "Da zu dieser Zeit ... in Äthiopien zwischen den portugiesischen Katholiken und den türkischen Muslimen ein Konflikt ausbrach, musste die Königinmutter aktiv werden. Eleni hatte für ... Lebna Dengel, der offiziell von 1508 bis 1540 regierte, die Regierungsgeschäfte ... übernommen."

Bis zu ihrem Tod (vermutlich 1524) prägte Eleni die Politik des Reiches, auch wenn ihr Einfluss in den letzten Jahren der Regentschaft schwächer wurde.

An dieser Stelle sei auf eine langanhaltende Debatte verwiesen, die in der Geschichtswissenschaft entbrannte: Die Möglichkeit, es hätte zwei aufeinanderfolgende Kaiserinnen mit dem Namen Eleni gegeben. Diese Überlegung fußt auf einer alten Textstelle über das Leben von Lebna Dengel, die zu Missverständnissen führte. Neueste Forschungen lösen dieses Rätsel zugunsten einer einzigen Regentin Eleni auf.

NB: Der englischsprachige Sammelband "A Companion to Medieval Ethiopia and Eritrea" (hg. von Historikerin Prof. Samantha Kelly, 2020) vereint 15 Beiträge zum Thema mittelalterliches Äthiopien und Eritrea und widmet sich u.a. Eleni.

Verbündete in Europa

Eine der Bedrohnungen, mit denen auch Eleni zu kämpfen hatte, nennt Volkmar Mitterhuber, Baden: "Der islamische Emir . . ., Ahmed ibn Ibrahim el Ghasi, genannt Ahmed Gran(j)", bedrängte Abessinien. Dr. Alfred Komaz, Wien 19, schließt an: "Seit 1527" fiel er in das Land ein, das "schwer in Mitleidenschaft gezogen" wurde.

Hilfesuchend wandte man sich an Portugal, der damals größten christlichen Kolonialmacht in der Region. Nussknacker Dr. Komaz fügt an: "Das Eingreifen der Portugiesen unter Dom Cristóvão da Gama (dem jüngsten Sohn des berühmten Entdeckers Vasco da Gama)" bewahrte Äthiopien "vor dem Untergang".

Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, zählt Gründe auf, warum Portugal an Beziehungen mit Äthiopien Interesse hatte: "Bekämpfung des Islam", Verbündete für die angestrebte "Eroberung des Heiligen Landes, ... direkte Handelsverbindungen mit den Gold- und Sklavenmärkten Ostafrikas."

Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, weiter: Die "zu Hilfe geeilten Portugiesen drängten nun darauf, dass ihre Verbündeten eine formale Union mit Rom eingingen ... Äthiopien sollte zum katholischen Christentum bekehrt werden." Das afrikanische Reich "jedoch verwies die jesuitischen Missionare des Landes". Der ökonomische sowie politische "Einfluss Portugals nahm rasch wieder ab." Allerdings: Der Grundstein für den kulturellen Austausch zwischen den den Ländern auf zwei Kontinenten war gelegt.

P.S. Den Buchpreis gewann Dr. Alfred Komaz. Wir gratulieren herzlich!

Zusammenstellung dieser Rubrik: Christina Krakovsky