Die Aufschrift "Allen Menschen gewidmeter Erlustigungs-Ort von Ihrem Schaetzer" prangt noch heute am Hauptportal zum Augarten, wie Volkmar Mitterhuber, Baden, feststellt. Wir betreten damit jene historische Parkanlage im 2. Wiener Bezirk, die Thema der kleinen Nuss Nro. 417 war. Erwähnter "Schaetzer" ist natürlich Joseph II., der "am 30. April 1775 . . . den Augarten der Allgemeinheit zugänglich" machte.

Unser Blatt berichtete von der Eröffnung, zu der zahlreiches Publikum herbeiströmte: Viele ergötzten sich in den prächtigen Säälen bey süß übereinstimmenden Saitenspiel; die andern spatzirten unter weit umschattenden Bäumen. (...) Die Nacht selbst wurde durch ein prächtiges Feuerwerk (...) erhellet.

Die schattigen Alleen stehen Wienerinnen und Wiener seit 246 Jahren offen. - © Bild: gemeinfrei
Die schattigen Alleen stehen Wienerinnen und Wiener seit 246 Jahren offen. - © Bild: gemeinfrei

Wie Christine Sigmund, Wien 23, herausfand, wurden damals im Augarten sogar "Nachtigallen ausgesetzt", deren "Jagd . . . verboten wurde". Für Ordnung sollten in der Anlage künftig Invalide sorgen.

Außerdem wurden "Bänke aufgestellt und schattenspendende Alleen angelegt", fügt Helmut Erschbaumer, Linz, hinzu. So entwickelte sich "dieser Ort . . . bald zu einem beliebten Treffpunkt der Wiener Bevölkerung", wobei sich "manche Adlige . . . gestört" fühlten.

"Favorita" und Bienen

Auf das Jahr 1614 blickt Karl Finkenzeller, Wien 14: Damals ließ Kaiser Matthias ein "Jagdschlösschen . . . in der Wolfsau" errichten. Ferdinand III. sorgte für den "Ausbau eines Parks". Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, notieren, dass Leopold I. "die angrenzenden Trautson’schen Gärten" samt Palais erwarb. Dieses, so Beatrix Konrad, Wien 21, ließ er "zu einem kleinen Schloss, . . . die "kaiserliche Favorita"", erweitern.

Wie Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, fortsetzt, fand zu dieser Zeit die Umgestaltung "zu einem barocken Lustgarten" statt. Bei der Zweiten Türkenbelagerung wurde die Anlage zerstört und Anfang des 18. Jh.s "im französischen Stil" neu gestaltet. Wie Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, informiert, ließ "Kaiser Karl VI. . . . den Park" durch den Gartenarchitekten "Jean Trehet erneuern."

"Der heutige Augarten", so Gerhard Toifl, Wien 17, entspricht in seiner Form weitgehend dieser Anlage."

Übrigens hießen "Schloss und Gartenanlage", so Dr. Alfred Komaz, Wien 19, einst ""Alte Favorita", zur Unterscheidung von der "Neuen Favorita"", dem "heutigen Theresianum" im 4. Bezirk.

Schließlich setzte Joseph II. "neue Akzente", so Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf; neben der erwähnten Öffnung der Anlage vergrößerte er diese "bis zur heutigen Castellezgasse". So kam auch das "Augartenpalais (heute Sitz der Sängerknaben) in den Besitz des Hofes." Es war "Ende des 17. Jh.s als Gartenpalais Leeb errichtet worden, . . . in der Art des Johann Bernhard Fischer von Erlach."

Der Reformkaiser "ließ sich von Isidore Canevale (1730-1786) ein kleines Gebäude errichten", so Mag. Wolfgang Stelzmüller, Wien 9; "das "Kaiser-Joseph-Stöckl" lag . . . in der Achse zum Praterstern, heute Heinestraße." Canevale schuf u.a. auch "das Tor zum Augarten (1775), das Lusthaus im Prater (1784)" und den Narrenturm (1784).

Aus der "zweiten Hälfte des 18. Jh.s" berichtet Alice Krotky, Wien 20: In einem der "Inspektionsstöckel" vor dem Gebäude, in dem heute die Porzellanmanufaktur residiert, befand sich "die erste Bienenzuchtschule der Monarchie unter der Leitung von . . . Anton Janscha" (1734-1773).

Paradies der Kindheit

Einen großen Sprung zum Bau der Flaktürme "im Sommer 1944" macht Herbert Beer, Wolfpassing. Allein deren Errichtung setzte dem Garten "arg zu". Für Kriegsopfer wurden im Park Massengräber ausgehoben.

Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10: "Nach . . . Wiederherstellung nach dem Zweiten Weltkrieg zogen 1948 die Wiener Sängerknaben in das Palais ein. So wie der Augarten befindet es sich in Besitz der Republik Österreich". Die Schließung des Bundesgartens "während des ersten Corona-Lockdown 2020 war ein großes Thema".

Als "Kindheitsparadies" bezeichnet Dr. Harald Jilke, Wien 2, den Augarten. "Ich wohnte die ersten sieben Lebensjahre genau gegenüber dem Haupteingang, neben (ja, leider nicht in) dem Palais Grassalkovics" und "verbrachte . . . viele Stunden im . . . riesengroß erscheinenden Park, fürchtete mich vor der legendären Augartenbande, deren Mitglieder sogar Taschenmesser gehabt haben sollen, und tastete mich von der Sandkiste zu den Fußballwiesen".

An Turnstunden "auf einem der Bundessportplätze" im Augarten denkt Brigitte Schlesinger, Wien 12, zurück. Die Tüftlerin, einst "Schulbeste im Laufen", war eine der wenigen Schülerinnen im damals erst seit kurzem für beide Geschlechter geöffneten Gymnasium in der Unterbergergasse (heute "Gymnasium am Augarten"). Mädchen mussten "Röcke oder Kleider tragen, mit der Begründung: "Hosen sind für Mädchen unhygienisch" . . . Nur auf dem Weg zum Nachmittagsturnunterricht im Augarten waren lange Hosen zulässig, was wir . . . weidlich ausnutzten, schon . . . um die Turnprofessorin zu "schockieren"."

Am Jugendsingen beim Augarten-Portal im Frühjahr 1960 nahm Dr. Jungmayer (1. Reihe, 5. v. r.) teil.  - © Foto: Dr. G. Jungmayer
Am Jugendsingen beim Augarten-Portal im Frühjahr 1960 nahm Dr. Jungmayer (1. Reihe, 5. v. r.) teil.  - © Foto: Dr. G. Jungmayer

"Fast 20 Jahre wohnten meine Eltern und ich in der Nähe des Augartens", so Dr. Gerhard Jungmayer, Wien 22; von der Volksschule in der Leopoldsgasse zogen "meine Mitschüler und ich . . . zum Haupteingang . . ., um am "Jugendsingen" teilzunehmen. Dies war eine Veranstaltung im Rahmen der "Wiener Festwochen"". Das Foto unten zeigt "uns mit unserer Lehrerin . . . Helga Baumgartner. Lederhose und weißes Hemd waren sozusagen Pflicht".

Auch der Weg zum "Realgymnasium in der Unterbergergasse" führte Dr. Jungmayer durch den Augarten. Besonders interessant: die Porzellanmanufaktur. "Als kleiner Junge drückte ich mir manchmal die Nase platt, um durch die Fenster die Maler" zu beobachten.

Achtung, zerbrechlich!

"Die ursprüngliche Manufaktur", notiert dazu Manfred Bermann, Wien 13, wurde "1718 von Claudius Innocentius du Paquier" im heutigen 9. Bezirk gegründet. Wegen Verschuldung kam das Unternehmen 1744 unter Maria Theresia in ärarischen Besitz. Die Industrialisierung brachte Konkurrenz, die Manufaktur wurde "1864 geschlossen." Wie Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, ergänzt, "ist seit 1923 die Wiener Porzellanmanufaktur . . . im alten Schloss Augarten" untergebracht. Dr. Karl Beck, Purkersdorf, mahnt: "Bekanntlich zerbricht Porzellan . . . leicht. Bitte zerbrechen wir es nicht wieder!"

Zusammenstellung dieser Rubrik: Andrea Reisner