Acht Fische sind auf Maximilians Fischereiordnung abgebildet. Als die Zeitreisen in der vorigen Ausgabe über die kaiserliche Maßnahme gegen Überfischung berichteten, wählten sie für die Illustration der Zusammenstellung zwei der meisterhaft gezeichneten Tiere aus: Einen Karpfen und einen Huchen. Dr. Wladimir Fried, Wien 2, möchte nun den heute wenig bekannten Zingel vor den Vorhang bitten. Auch dieser längliche, eher unscheinbare Donaubewohner findet sich auf der Fischereiordnung. Wir tragen die Abbildung hier nach (der Hintergrund wurde, wie schon in Nro. 419, für den Zeitungsdruck blau koloriert).

Der Zingel versteckt sich untertags zwischen Steinen und wird nachts aktiv. Er wird ca. 15 bis 30cm lang. "Der Zingel", so steht es in einem naturkundlichen Werk Joseph Carl Webers (München 1870), "wird meist mit Netzen und nur zufälliger Weise mit der Angel gefangen. Er hat weisses, vortreffliches Fleisch, und wird von Vielen für den besten Donaufisch gehalten." Wie Dr. Fried anmerkt, ist er heute "auf der Roten Liste der gefährdeten Arten angeführt".

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Was dem Zingel das Donauwasser, war den Mitgliedern der Familie van Ghelen die Druckerschwärze. Die aus Antwerpen stammende Dynastie von Schwarzkünstlern führte bekanntlich die Geschicke dieses Blattes ab 1722 bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus. Dem vor fast genau 300 Jahren, kurz vor der Übernahme des 1703 gegründeten "Wien(n)erischen Diariums", verstorbenen Prinzipal der Familie, Johann van Ghelen, hatten sich die Zeitreisen in Nro. 419 (S. V) gewidmet. Mag. Franz Vrabec, Wien 13, begab sich auf Matriken-Recherche zu diesem Mann. Im Sterbebuch der Wiener Pfarre St. Michael wurde er fündig. Mit Eintrag vom 14. Mai 1721 ist dort "Herr Johann Von Ghelen" aufgelistet. Der "Hof Buchtrucker" sei "alt 76 Jahr" geworden. Zu seiner letzten Ruhestätte steht, dass seine sterblichen Überreste in die Spanische Gruft in der Michaelerkirche überführt wurden.

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Die Ära der Bleilettern und Setzkästen bot eine ganz eigene (heute durch die Tippfehler ersetzte) Kategorie der Freud’schen Fehlleistungen: Die Satzfehler. Sie passierten beim eiligen Setzen eines (womöglich unleserlichen und sicher zu spät gelieferten) Manuskriptes. Der "Fehler" im Titel der Mai-Hauptgeschichte - "Was Freud zum Vorschwein brachte" - war freilich pure Absicht. "Das kann auch nur Ihnen einfallen", gratulierte DI Dr. Luzian Paula, Wien 3, der ein weiteres Beispiel für einen Fauxpas aus dem Zeitungswesen anführt. Überliefert wurde er von Friedrich Torberg. Eine Zeitung druckte einst ein Gedicht mit dem Titel "Echnatons Sonnengesang". Bei den Worten "mein Vater, Aton Re" stutzte der Setzer. Aton? Das konnte nicht stimmen. Also "korrigierte" er und taufte die ägyptische Gottheit "Anton Re".

Beim verhunzten Dichter handelte es sich übrigens um keinen Geringeren als Franz Werfel.

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner