Dichter Ludwig Uhland (1778-1862) fasste einst das Schicksal des in Frage 2 der Nuss Nro. 418 Gesuchten zusammen: "Ein reicher Frühling, dem kein Herbst gegeben." Das Zitat, das auf ein schöpferisches, aber kurzes Leben anspielt, fand Prof. Brigitte Sokop, Wien 17. Den Protagonisten nennt Martina Kerschbaumer, Langenzersdorf: Wilhelm Hauff (1802-1827).

Erwähnte Nussknackerin Prof. Sokop fand lobende Worte: "Seine Novellen werden als "wahrhaft meisterliche Kabinettstücke künstlerischer Prosa" apostrophiert. Die "Phantasien im Bremer Rathskeller" sollen ein Gustostückerl sein. Sein historischer Roman "Lichtenstein" war noch in den 1960er-Jahren Schulstoff".

Zu letztgenanntem Werk ergänzt Dr. Gerhard Jungmayer, Wien 22 (danke für die schönen Bilder!): Der württembergische "Herzog Wilhelm von Urach ließ sich durch den Roman anregen, ... das Schloss Lichtenstein zu erbauen." Dieses ist einer "ehemaligen Ritterburg nachempfunden" und steht seit 1842 auf der Schwäbischen Alb.

Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, kommt zu Wilhelm Hauff zurück: Der in Stuttgart geborene "Sohn eines Regierungssekretärs besuchte nach dem Schulabschluss das Evangelisch-Theologische Seminar in Blaubeuren (nordwestlich von Ulm), bevor er in Tübingen Theologie und Philosophie studierte." Er promovierte 1825. Pfarrer wollte er nicht werden und so nahm er "eine Hauslehrerstelle ... an. Hier fand er rasch Zugang zu einflussreichen Kreisen des Adels und des höheren Bürgertums."

Hauff knüpfte außerdem Kontakte zur "Schwäbischen Dichterschule", wie Herbert Beer, Wolfpassing, notiert: Dabei handelte es sich um einen "lockeren Verband" von Literaten um Ludwig Uhland. Mitglied waren u.a. Eduard Mörike (1804-1875) und Gustav Schwab (1792- 1850, v.a. bekannt durch seine "Sagen des klassischen Altertums", 1838ff).

Das Glasmännlein, mit langem Bart, ein guter Geist aus dem Märchen "Das kalte Herz".  
- © Bild (gemeinfrei): Het Koude Hart, Amsterdam ca. 1917

Das Glasmännlein, mit langem Bart, ein guter Geist aus dem Märchen "Das kalte Herz". 

- © Bild (gemeinfrei): Het Koude Hart, Amsterdam ca. 1917

Noch als Hochschüler, so Dr. Harald Jilke, Wien 2, lernte Hauff seine entfernte Cousine und spätere Frau "Luise Hauff (1806-1867)" kennen. "Im Februar ... 1827" heirateten sie.

Diabolische Satire

Ing. Helmut Penz, Hohenau/March: "Hauffs kurze literarische Schaffensperiode" begann Mitte der 1820er-Jahre. Brigitte Schlesinger, Wien 12, weiter: 1825 erschien "der erste Teil der "Mittheilungen aus den Memoiren des Satan", eine Satire über das Studentenleben. Hauffs Freunde nannten das Werk eine "Unverschämtheit"". Der humorvolle Dichter "stimmte dem Urteil zu."

Mag. Alexander Maksimovic ergänzt: Im Stakkato verfasste Hauff Novellen, einen Roman und Satiren. Auch Studentenlieder entstammen seiner Feder.

Außerdem, so Dr. Karl Beck, Purkersdorf, arbeitete der Vielschreiber ab 1827 als Chefredakteur des "Cotta’schen Morgenblattes für gebildete Stände".

Elisabeth Huberger, Wien 22, merkt an: Unter seinen Erzählungen "befindet sich die heute völlig zurecht und aus bekannten Gründen verpönte Novelle "Jud Süß", auf der auch der nationalsozialistische Propagandafilm gleichen Namens beruhte".

Die Figur des "Jud Süß" basiert auf dem Leben eines jüdischen Finanzrats, der im 18. Jahrhundert hingerichtet wurde. Über Hauffs literarische Verarbeitung schreibt der französische Historiker Lionel Richard (geb. 1938), der zum nationalsozialistischen Umgang mit Kulturgut forschte: "Süß erscheint in der Novelle als Fremder, als ein Mann mit zweifelhafter Moral und als der Verantwortliche für die Störungen in einem eigentlich funktionierenden System von Institutionen." Er wird "sogar mit dem Teufel verglichen. So ist es kein Wunder, dass sich später die deutschen Rassisten und Nationalisten auf die Hauff’sche Novelle beriefen".

Ritter und Feigen

In sagenhafte Gefilde führt Dr. Traudl Schrottmaier, Wieselburg: "Auf das Jahr 1826, 1827 und 1828 veröffentlichte er jeweils einen Band seines "Mährchen-Almanachs für Söhne und Töchter gebildeter Stände"."

Volkmar Mitterhuber, Baden, weiter: "Die einzelnen Märchen sind dabei von sehr unterschiedlicher Natur; Abenteuergeschichten ... stehen neben blutrünstigen Schauer- und Kriminalgeschichten ..., daneben finden sich Zaubermärchen" und Sagenstoffe.

Helmut Erschbaumer, Linz (Illustrationen bereiteten Freude!), ergänzt: Einige Erzählungen folgen "dem damaligen Trend" und muten orientalisch an. Andere "lehnen sich an die zeitgenössischen Räuber- und Ritterromane an, die die mittelalterliche Welt wieder aufleben lassen."

Märchentüftler stöberten in ihren Bücherregalen: Zeitreisender Dr. Jungmayer schickte ein Bild seiner "Wirtshaus"-Ausgabe aus 1958 (Mitte, Illustrator H. Cornaro). Geschichtsfreund Erschbaumer steuerte Darstellungen aus dem 19. Jahrhundert bei (r., l. und das Hauff-Porträt oben). 
- © Repro: Philipp Aufner

Märchentüftler stöberten in ihren Bücherregalen: Zeitreisender Dr. Jungmayer schickte ein Bild seiner "Wirtshaus"-Ausgabe aus 1958 (Mitte, Illustrator H. Cornaro). Geschichtsfreund Erschbaumer steuerte Darstellungen aus dem 19. Jahrhundert bei (r., l. und das Hauff-Porträt oben).

- © Repro: Philipp Aufner

Gaunergeschichten waren damals generell beliebt. Mag. Wolfgang Stelzmüller, Wien 9, dazu: "Christian August Vulpius ... schrieb 1798 den erfolgreichsten Räuberroman seiner Zeit: "Rinaldo Rinaldini". Als 1803 Johannes Bückler, genannt der Schinderhannes, in Mainz hingerichtet wurde, kam in Deutschland eine Räuberromantik auf. Friedrich Schiller war unfreiwillig dafür mitverantwortlich." An der Figur des "Karl Moor in seinem Schauspiel "Die Räuber" von 1781 kam kein Räuberhauptmann vorbei, der beim Publikum etwas werden wollte."

Dr. Manfred Kremser, Wien 18, erwähnt eines der orientalischen Märchen: die im ersten Band von Hauffs Almanach publizierte "Geschichte von dem kleinen Muck". Der Zeitreisenmedicus interessiert sich für eine "Schlüsselstelle, in der berichtet wird, dass nach dem Verzehr bestimmter Feigen die Ohren riesengroß werden und die Nase langgezogen. Tatsächlich gibt es ... manche Feigenarten, die phytotoxische Reaktionen hervorrufen. Nach dem Genuss und anschließendem Liegen in der Sonne kommt es zu diesen Schwellungen. Ohne UV-Licht passiert nichts. Hauff wusste sicher von solchen Vorkommnissen aus medizinischer Literatur."

Thomas Krug erläutert: Die Rahmenhandlung des dritten Almanach-Bandes ist mit "Das Wirtshaus im Spessart" betitelt. Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, dazu: Vier Reisende erzählen einander "nachts Geschichten, ... da sie den Überfall einer Räuberbande befürchten und deshalb nicht einschlafen wollen."

Als Schauplatz dient die titelgebende Gastwirtschaft. Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10: "Vorlage ... dürfte die "Alte Post" in Hessenthal bei Mespelbrunn gewesen sein, wo Hauff selbst einmal Station gemacht hatte."

"Die Veröffentlichung" dieses dritten Almanachs, so Dr. Wilhelm R. Baier, Graz-Andritz, "hat Hauff nicht mehr erlebt".

Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, notiert, dass der Dichter 1827 "eine Studienreise durch Tirol" unternahm, auf der er "Material für ein ... Werk über Andreas Hofer sammeln wollte." Während der Reise infizierte er sich wahrscheinlich mit Typhus. Manfred Bermann, Wien 13: "Hauff starb ... am 18. November 1827", gerade einmal "acht Tage" nach der Geburt seiner Tochter Wilhelmine.

Herz und Hirsch

Zwei der vier Geschichten aus dem letzten Almanach nennt Maria Thiel, Breitenfurt: "Saids Schicksale" und "Die Höhle von Steenfoll". Robert Ernst ergänzt die beiden anderen: "Das kalte Herz" und "Die Sage vom Hirschgulden".

Zu letzterer notieren Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram: Sie "geht auf eine alte Sage aus dem Raum Württemberg/Zollern zurück. Demnach wurde die Stadt Balingen infolge von Erbstreitigkeiten gegen einen Hirschgulden (eine alte Währung, Anm.) an Württemberg verkauft." Hauff griff dafür auf Werke von Gustav Schwab zurück und fügte viele "Personen ... und Erzählstränge ein".

U.a. dem Märchen "Das kalte Herz" widmet sich Christine Sigmund, Wien 23 (profunde Literaturkenntnis, Hut ab!), und gibt Auszüge wieder. Ein Zitat aus der Eingangspassage: "Wer durch Schwaben reist, der sollte nie vergessen, auch ein wenig in den Schwarzwald hineinzuschauen; ... wegen der Leute, die sich von den andern Menschen ringsumher merkwürdig unterscheiden. Sie sind größer als gewöhnliche Menschen, breitschultrig, von starken Gliedern". Auch kleiden sie sich schön - ähnlich den Waldgeistern, etwa dem ""Glasmännlein", ein gutes Geistchen von dreieinhalb Fuß Höhe", das "sich nie anders zeige als in einem spitzen Hütlein mit großem Rand, mit Wams und Pluderhöschen und roten Strümpfchen."

Schwarzwälder Kulisse

Schon erwähnter Nussknacker Mag. Stelzmüller ergänzt: Im Spessart hatte das Genre "Märchen schon immer eine Heimat. Es waren vor allem die dort lebenden armen Bauern, die sich Gestalten aus ihrer Phantasie in ihre Stuben holten, wenn die Abende lang waren. Das triste Leben ... wurde in den Erzählungen zu glücklicher Daseinsfreude." Gerhard Toifl, Wien 17, fügt an: Die Wurzeln für "Schneewittchen" wurden etwa "im Spessartstädtchen Lohr am Main verortet" und "auch andere bekannte Sagenfiguren wie Frau Holle tauchen in regionalen Sagen immer wieder auf."

Diese Gegend diente auch als Kulisse für die Verfilmung "Wirtshaus im Spessart", die ab 1958 in den Kinos lief. Alice Krotky, Wien 20, dazu: "Die Schweizerin Liselotte Pulver in der weiblichen Hauptrolle, unterstützt von Größen wie Rudolf Vogel und Hubert von Meyerinck, glänzte in dem ebenso spannenden wie lustigen Film. Mit auf der Besetzungsliste der damals blutjunge Helmuth Lohner. Anknüpfend an den großen Erfolg drehte man noch zwei Fortsetzungsfilme, die allerdings, wiewohl hervorragend besetzt, über das Niveau reiner Klamaukfilme kaum hinaus kamen."

Tüftlerin Krotky mit einem weiteren cineastischen Detail: "Der Stoff" war "1923 bereits einmal verfilmt worden, damals jedoch noch als Stummfilm."

Zusammenstellung dieser Seite: Christina Krakovsky