Um zwei Hemden tat es jener überfallenen Kaiserin, die in der Zusatzorchidee der Nro. 418 gesucht wurde, angeblich besonders leid. Wie Volkmar Mitterhuber, Baden, notiert, habe sie der Verlust "hart getroffen", sie "besaß nämlich nur drei" dieser kostbaren Kleidungsstücke. Die Gemeine begab sich auf die Spur dieses spätmittelalterlichen Kriminalfalls, der sich im Land unter der Enns zutrug. Wer war das Opfer?

"Es gibt gar nicht so viele Kaiserinnen im Spätmittelalter", grenzt Dr. Karl Beck, Purkersdorf, den Kreis ein, nämlich solche, die "tatsächlich . . . in Rom . . . gekrönt" wurden. Zu ihnen zählte u.a. Elisabeth von Pommern, ab 1363 Gemahlin Karls IV., einer Frau, der unwahrscheinliche Körperkräfte nachgesagt werden.

Bei der Gesuchten handelte es sich jedoch um eine eher zierliche Person, nämlich "Eleonore (Helena) von Portugal", die Frau Friedrichs III., so Neozeitreisender Robert Ernst: Die Tat geschah auf der "Fahrt von Baden nach Heiligenkreuz".

"Am 8. August 1466", so Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, war ihr fünftes und "letztes Kind, Johann, geboren" worden. "Sie war 29 Jahre alt. Nach ihrem Kindbett war sie zur Rehabilitation in der Therme Baden" und machte "einen Ausflug in das nahe Heiligenkreuz zur Andacht." Unterwegs nahmen ihr Räuber "das Gepäck samt der Leibwäsche" ab, sie selbst blieb unangetastet.

Beschädigte Würde

Wie Elisabeth Huberger, Wien 22, einwirft, wurde "diese Episode . . . im Laufe der Jahrhunderte romantisiert, sodass nicht völlig gesichert ist, was . . . geschah." Angeblich "gelang es dem Gefolge der Kaiserin, den Räubern ihre Beute wieder abzujagen". Die Täter flohen auf die nahe gelegene Festung Rauhenstein.

Aus einer 1966 erschienenen Dissertation von Antonia Zierl zitiert Rudolf Freiler, Kirchschlag/NÖ: ". . . anders als der Kaiser, der es nicht liebte, allzu streng zu urteilen, verlangte Eleonore sofort die Belagerung dieser Burg und die Auslieferung ihrer Bewohner . . . So unerbittlich konnte Eleonore handeln, wenn sie sich . . . in ihrer fürstlichen Dignität getroffen fühlte". Zu den Gründen für die Tat ergänzt der Tüftler: "Ich glaube, dass nicht Eleonore oder gar ihre Unterhemdchen Ziel des Raubüberfalls waren, sondern der Kaiser selbst", der "gedemütigt werden sollte".

Damit kommt Brigitte Schlesinger, Wien 12, zu den Tätern: Es waren Knechte von "Wilhelm (II.) von Puchheim". Dieses Mitglied einer "bedeutenden Adelsfamilie" war ein "Rat von Kaiser Friedrich III." und bekleidete das hohe Hofamt des Obertruchsessen. In der Auseinandersetzung zwischen den Brüdern Friedrich und Albrecht VI. stand er auf Friedrichs Seite und unterstützte "den Kaiser bei der Belagerung der Wiener Hofburg".

Doch 1466, so Mag. Wolfgang Stelzmüller, Wien 9, schloss er sich einer Verschwörung des "Jörg von Stein gegen den Kaiser" an. Dr. Harald Jilke, Wien 2, merkt an, dass der Konflikt später als "Puchheimer Fehde" bekannt wurde.

Rauhenstein (eingeschnitten) bei Baden wurde belagert und teils zerstört; großes Bild: die Ruine im 20. Jahrhundert. 
- © Bilder (gemeinfrei): Ansichtskarte/Archiv. Repro & Schmuckfarbe: Philipp Aufner

Rauhenstein (eingeschnitten) bei Baden wurde belagert und teils zerstört; großes Bild: die Ruine im 20. Jahrhundert.

- © Bilder (gemeinfrei): Ansichtskarte/Archiv. Repro & Schmuckfarbe: Philipp Aufner

Nach dem Angriff im Helenental 1466, so Helmut Erschbaumer, Linz, ließ angeblich Eleonore die Burg Rauhenstein, wo die Räuber Unterschlupf gesucht hatten, belagern. Ihre Mannen "errichteten Sturmbasteien, beschossen mit der großen Donnerbüchse (eine Art Kanone) die Festung und eroberten sie. Alle Verteidiger wurden festgenommen."

Wie Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, informiert, "wurde dabei die Burg zumindest teilweise zerstört" und "Wilhelm von Puchheim . . . geächtet".

Gerhard Toifl, Wien 17, weiter: Doch schon "1467 wurde Wilhelm vom Kaiser wieder "in Gnaden" aufgenommen." Späterhin spielte er u.a. eine Rolle als Friedrichs "Feldhauptmann gegen den ungarischen König Matthias Corvinus."

Chaos in Österreich

Bald nach dem Überfall starb Eleonore ca. 30-jährig, so Herbert Beer, Wolfpassing, der auf das Leben der Portugiesin blickt: Vermutlich 1436 geboren, war sie um die 15 Jahre alt, als sie Friedrich (1415-1493) heiratete. Die Wahl fiel auf den fast zwanzig Jahre älteren Habsburger, "da sie sich selbst und ihr Haus mit dem . . . Titel Kaiserin schmücken wollte."

Was Eleonore erwartete, als sie 1452 nach Österreich kam, schildert Dr. Alfred Komaz, Wien 19: Die Situation war "durch den Zwist des Kaisers mit seinem Bruder . . . Albrecht" geprägt, durch "Adelsaufstände, Bauernunruhen und die aufkommende Türkengefahr, Münzverfall und Hungersnot". Nach Eleonores "Ankunft in Neustadt (das "Wiener" stammt aus einer späteren Zeit) musste sie die Stadt fluchtartig . . . Richtung Leoben . . . verlassen, weil eine Belagerung durch das Heer österreichischer Landstände sowie ungarischer und böhmischer Kontingente drohte." Auch 1462 erlebte sie "mit ihrem kleinen Sohn Maximilian" eine Belagerung, "dieses Mal in der Wiener Burg durch die Wiener Bürgerschaft".

Knauseriger Schlucker

Tüftler Dr. Komaz erwähnt außerdem "die Unterschiede des Klimas von Portugal und Österreich, der glänzenden Hofhaltung im reichen Lissabon und der einfacheren" an Friedrichs Hof samt dem "völlig ungewohnten Essen - primär Fleisch statt Fisch".

Die Hofhaltung in Neustadt "war mehr als dürftig" und "der Kaiser ein knauseriger "Schlucker"", so Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10: Die Braut kam "fast aus einem exotischen Land". Das "Haus Aviz in Portugal war reich (dementsprechend . . . die Mitgift)". Auch "vom Temperament her" passte das Paar nicht zusammen: "Eleonore war lebenslustig, tanzfreudig und extrovertiert, der Kaiser verschlossen, in sich gekehrt, oft lethargisch."

"Viel hat sie . . . fernab ihrer Heimat Portugal "gemagerlt"", stellt Dr. Manfred Kremser, Wien 18, fest. Zu Eleonores Krankengeschichte merkt der Zeitreisenmedicus an: Aus ihrer "chronischen Gastritis" entstand "ein Magengeschwür mit Umwandlung in ein Carcinom mit letalem Ausgang". Dass die Kaiserin an Magenkrebs litt, sei "nicht belegbar, aber sehr wahrscheinlich". Dass die Kur in Baden bei solchen Leiden nicht helfen konnte, "wussten die Bader damals ja noch nicht."

Zusammenstellung dieser Rubrik: Andrea Reisner