Eine eingängige Weise hatten die Zeitreisenden im Kopf, als sie bei der Recherche zur Kartennuss aus Nro. 418 die steilen Hänge eines feuerspuckenden Berges erklommen. Das Lied "Funiculì, Funiculà" kennt Dr. Karl Beck, Purkersdorf, bestens: "Diese Melodie hat . . . meine Frau Mama auf der Mandoline gespielt". Dass das Stück mit dem Vesuv und der zu seinem Krater führenden Seilbahn zu tun hat, war dem Tüftler damals freilich noch nicht bewusst.

Der Liedtext ist in neapolitanischem Dialekt verfasst; einen Auszug geben Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, sinngemäß auf Deutsch wieder: "Gestern Abend, mein Mädchen, bin ich hinaufgefahren, bis ganz nach oben, wo das Feuer brodelt . . . Ohne einen Schritt zu tun, fährt man jetzt den Berg hinan, wie der Wind fahren wir, funiculì, funiculà, und jetzt mein Mädchen, sei so gut und heirate mich."

Ein Reklamelied warb für die Einschienenbahn. 
- © Foto: gemeinfrei

Ein Reklamelied warb für die Einschienenbahn.

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Zur Bedeutung von "Funiculì, funiculà" informiert Christoph Diem, Wien 10 (willkommen in der Gemeine!): Die Seilbahn heißt auf Italienisch "Funicolare Vesuviana". Kombiniert mit "lì" bzw. "là" (hier, dort) ergibt sich ein Wortspiel, das soviel heißen soll wie "Seilbahn hier, Seilbahn dort".

Mag. Florian Moritsch, Wien 21 (willkommen im Tüftlerkreis!): Das "bewusst volkstümlich gehaltene" Stück wurde "anlässlich der Eröffnung der Standseilbahn" auf den Vesuv komponiert. Mag. Rita Kupka-Baier (willkommen in der Gemeine!): "Zwei Neapolitaner, Peppino Turco und Luigi Denza", waren beauftragt worden. Ihr Werk sollte "zur Benützung . . . animieren".

Goethe am Riemen

In Neapel pfiff bald jeder den neuen Schlager, "sogar die Bergführer", die von der Bahn zuerst gar nicht begeistert waren, so Dr. Manfred Kremser, Wien 18: "Als Richard Strauss 1886 bei einem Neapelbesuch diese Melodie hört, nimmt er sie etwas später in seine symphonische Fantasie "Aus Italien" auf. Denza und der Verlag Ricordi sollen von Richard Strauss Tantiemen" erhalten haben. Weniger bekannt ist, dass es "auch eine Fassung . . . von Arnold Schönberg" gibt.

Wie man im 18. Jh. zum Krater kam, schilderte u.a. Goethe. Gerhard Toifl, Wien 17, notiert, dass der Dichterfürst auf seiner Italienreise den Vulkan im März 1787 erklomm. Über einen Aufstieg mit seinem Reisebegleiter, dem Maler J. H. W. Tischbein, schrieb Goethe: "Am Fuße des steilen Hanges empfingen uns zwei Führer . . . Der erste schleppte mich, der zweite Tischbein den Berg hinauf. Sie schleppten, sage ich; denn ein solcher Führer umgürtet sich mit einem ledernen Riemen, in welchen der Reisende greift und, hinaufwärts gezogen, sich an einem Stabe auf seinen eigenen Füßen desto leichter emporhilft." (Vgl. dazu die Abbildung unten.)

Bergführer schleppten einst Besucherinnen und Besucher zum Krater.  
- © Archiv/gemeinfrei

Bergführer schleppten einst Besucherinnen und Besucher zum Krater. 

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"Gegen Ende des 19. Jh.s war Neapel ein sehr beliebtes Reiseziel für wohlhabende Europäer", ergänzt Prof. Mag. Franz Gammer, Wien 18, der daran erinnert, dass die Stadt damals zu den "wenigen entwickelten und wohlorganisierten Metropolen in Europa" zählte, "nicht zuletzt in kultureller Hinsicht". Die "touristische Erschließung des Vesuv" durch die Bahn "brachte . . . Probleme". Ein Beispiel: Die Reiseführer, die ihre Einkünfte verloren, "reagierten mit . . . Sabotageakten". Letztlich wurde "eine Art Schutzgeld" vereinbart.

San Gennaro, hilf!

DI Gerhard Raimann, Alland: Ideen hatte es übrigens viele gegeben, wie man den Vesuv bezwingen könnte. Es wurde sogar ein "Seilbahnaufzug für Touristen" in Erwägung gezogen, "an dem sich diese ähnlich wie bei einem Skilift festhalten sollten, um Hilfe beim Aufstieg zu erhalten."

Dr. Harald Jilke, Wien 2: Ernesto Emanuele Oblieght, ein in Italien aufgewachsener Unternehmer mit ungarischen Wurzeln, entschied sich zum Bau einer "als Standseilbahn zu betreibenden Einschienenbahn".

Dr. Madeleine Wolensky, Wien 2 (willkommen im Kreis der Zeitreisenden!), nennt das Eröffnungsjahr 1880. Wie Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, ergänzt, wurde die Anlage nach einem Brand 1903 wieder aufgebaut.

Die Standseilbahn mit den beiden Wägen "Etna" und "Vesuvio" funktionierte "nach dem Pendelsystem", so Dr. Alfred Komaz, Wien 19: "Der Wagen, der abwärts fuhr, zog den bergwärts fahrenden an einem dünnen Stahlseil nach oben." Übrigens: Lat. funiculus heißt "dünnes Seil". Die Fahrt auf der 0,8km langen Strecke "dauerte 10min". Dr. Komaz besuchte den Vesuv zuletzt vor zwei Jahren, als er mit seiner Frau seine Maturareise wiederholte. "Beim Schwefelgestank aus den Löchern und Spalten des Berges" überkam sie "das gruselige Gefühl", dass er "jederzeit . . . ausbrechen könnte". Dr. Komaz ruft den zuständigen Heiligen an: "San Gennaro möge es verhüten!"

Im "März 1944 begann der Vesuv" seine bisher letzte "schreckliche eruptive Phase", so Brigitte Schlesinger, Wien 12: Die Bahn "war wieder, diesmal endgültig, zerstört. Eine dicke Schicht glühender Lava versiegelte 64 Jahre Geschichte der Funicolare Vesuviana."

Auto und Sessellift

Danach, so Volkmar Mitterhuber, Baden, kam es zum "Bau einer Autostraße". Die Bahn wurde "durch eine Sesselbahn ersetzt." Beide waren in den 1950ern fertig.

An seinen Besuch "am 14. Mai 1989" und die "großartige Aussicht" erinnert sich Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10: Der Sessellift war damals bereits seit fünf Jahren Geschichte. Mittlerweile wurde "die Anfahrt und Auffahrt per PKW bzw. Bus" abgewickelt. Die letzten Meter mussten per pedes zurückgelegt werden. Auf diese Art, per Auto und zu Fuß, gelangt man nach wie vor auf den Vesuv.

Dass "Funicolari", Standseilbahnen, "noch heute . . . ein wichtiges Verkehrsmittel in Neapel" sind, betont Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf; eine verbindet "den Vomero-Hügel mit dem Stadtteil Chiaia und der Fußgängerzone Via Toledo."

P.S. Der Buchpreis geht an Prof. Mag. Franz Gammer - das Zeitreisenteam gratuliert herzlich!

Zusammenstellung dieser Rubrik: Andrea Reisner