Mit einem Nachtrag zu Ann Tizia Leitich (1891-1976) meldete sich Literaturwissenschafterin und Trägerin des Staatspreises für Literaturkritik 2017 Dr. Evelyne Polt-Heinzl zu Wort. Anlass bot der in den vorigen Zeitreisen erschienene Beitrag zum "Österreichischen Frauen-Kalender 1947".

1942 erschien dieser populäre historische Rückblick von Leitich. Den unbestreitbaren jüdischen Beitrag an Wiens Kultur verschweigt sie. Einige Stellen sind sogar offen antisemitisch.  
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1942 erschien dieser populäre historische Rückblick von Leitich. Den unbestreitbaren jüdischen Beitrag an Wiens Kultur verschweigt sie. Einige Stellen sind sogar offen antisemitisch. 

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Dessen Verfasserin Leitich musste nicht, wie in Nro. 420 erwähnt, in die USA "emigrieren". - "Im Gegenteil", hält Dr. Polt-Heinzl fest: "Sie hat den Einmarsch der NS-Truppen 1938 euphorisch begrüßt". In einem Zeitschriftenartikel schwärmte Leitich von den Soldaten: "Es ist so viel Licht um sie; in ihren hellen Gesichtern, ihren blitzenden Augen, ihrem dahinwehenden Schreiten".

Dabei blieb es nicht. Leitich verfasste einen politischen Beitrag für das "Bekenntnisbuch österreichischer Dichter", ein 1938 vom "Bund deutscher Schriftsteller Österreichs" herausgegebener Band, in dem über siebzig Autorinnen und Autoren den "Anschluss" begrüßten und Hitler schmeichelten. Biographien über Leitich erwähnten diese Details lange nicht.

Kein Wunder, denn "am NS-Regime direkt Beteiligte", so Dr. Polt-Heinzl, betrieben mit Erfolg eine großflächige "Fälschung der Lebensläufe". Dieser "gefälschten Kulturgeschichte der Nachkriegszeit" sagte die Wissenschafterin den Kampf an - u.a. mit ihrem 2018 publizierten Werk "Die grauen Jahre. Österreichische Literatur nach 1945. Mythen, Legenden, Lügen" (22 Euro).

Die Forscherin hat außerdem noch einen Buchtipp für all jene, die sich für die Verknüpfung von Fakt und Fiktion interessieren: Sabine Scholl, "Lebendiges Erinnern. Wie Geschichte in Literatur verwandelt wird". Das Werk soll im Herbst 2021 im Sonderzahl Verlag erscheinen. Krak