Der berühmte Räuber Johann Georg Grasel hauchte 1818 in Wien an einem Galgen sein lasterhaftes Leben aus. Dass er als Kinderschreck noch bis ins 20. Jahrhundert durchs Weinviertel geisterte, berichtet Herta Kuttner, Wien 16 (willkommen in der Gemeine!): "Ich stamme aus . . . der Gegend zwischen Pulkau und Laa an der Thaya. Meinem Vater, geboren 1905, wurde noch als Kind mit dem Grasel gedroht, wenn er schlimm war; mir nur mehr in scherzhafter Weise. Als Kind, in den 1960er-Jahren, war ich mit meiner Familie öfters in Maria Dreieichen, dort gibt es gleich neben dem Bründel eine Graselhöhle." Solche (angeblichen) Unterschlupfe des Räubers gibt es zahlreiche in der Gegend. "Damals", so die Tüftlerin, "konnte man noch etliche Meter weit . . . hineingehen. Als ich vor ca. zehn Jahren das letzte Mal dort war, war die Höhle abgesperrt und kaum noch . . . erkennbar, weil schon fast ganz eingestürzt."

Liebte Räubergeschichten: F. Schiller (1759-1805). 
- © Archiv/gemeinfrei

Liebte Räubergeschichten: F. Schiller (1759-1805).

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Dass der um 1790 geborene Grasel selbst eine äußerst triste Kindheit erlebte, war bereits Thema im vorigen Geschichtsfeuilleton. Von seinen Eltern wurde er schon als Bub zu Missetaten gezwungen, auch unter Anwendung von Gewalt. Aus dem Beitrag von Christine Sigmund, Wien 23, der bei der Zusammenstellung in Nro. 420 leider in Verstoß geraten ist, sei dazu nachträglich ein Zitat aus dem Gerichtsakt ergänzt: "Inquisit (der Angeklagte, also Grasel, Anm.) hat noch eine sichtbare Maser oder Narbe am linken Arm von einem durch den Vater erhaltenen Stich".

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Dass sich Friedrich Schiller gerne mit Kriminalstoffen befasste, wurde in den Juni-Zeitreisen ebenfalls erwähnt. Der Dichter fungierte auch als Herausgeber einer Sammlung von Pitaval-Geschichten, die ab 1792 in vier Bänden erschien. "Merkwürdige Rechtsfälle als ein Beitrag zur Geschichte der Menschheit", lautet der Titel des Werks. Dass Schiller auch der Übersetzer aus dem Französischen war, wie in Zeitreisen Nro. 420 (S. II) erwähnt, bezweifelt Mag. Susanna Michner, Wien 9, allerdings. Konkret lautet die Angabe auf dem Titelblatt: "Nach dem Französischen Werk des Pitaval durch mehrere Verfasser ausgearbeitet und mit einer Vorrede begleitet herausgegeben von Schiller". Die Spurensucherin hat die erwähnte Vorrede, die der Dichter verfasst hatte, genau unter die Lupe genommen. Aus einigen Wendungen könne man schließen, dass Schiller nicht selbst ins Deutsche übertragen hat. So erwähnt er etwa, dass eine "treue Uebersetzung der Pitavalschen Rechtsfälle . . . bereits in derselben Verlagshandlung erschienen" ist. Damit, so Mag. Michner, "meint Schiller die Übersetzung bzw. Kompilation von C. W. Franz", die 1782-1792 publiziert worden war. Sie diente wohl als Basis für die Schillersche Zusammenstellung.

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Auch Harry Lang, Wien 12, recherchierte zum Pitaval und griff dabei, wie so oft, zu "Meyers Konversationslexikon", 6. Auflage (1902ff). "Ich besitze immer noch alle 20 Bände! Dieses Lexikon habe ich von meinem Vater (geb. 1907) geerbt und benutze es . . . heute noch."

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner