Auf Besuch bei Hutterern in Kanada war Dr. Alfred Komaz, Wien 19, anno 2006. Anlässlich der Frage 1 der Nro. 420 hat die Gemeine recherchiert, was diese Gläubigen mit dem Innsbruck des 16. Jh.s verbindet. Tüftler Dr. Komaz rollt mit Schilderungen der Chorreise, die er mit seiner Frau unternommen hat, die Nuss von hinten auf. "Vor dem Goldenen Dachl" wurde der Anführer "der Tiroler Wiedertäuferbewegung, Jakob Hutter, 1536 . . . verbrannt." Doch die Ideale dieses von der katholischen Gegenreformation Verfolgten überlebten. So etwa in der isolierten Gemeinde bei Torrington (Alberta), die "rein zweckmäßig gestaltet" ist, "z.B. ohne wirkliche Gärten" oder Blumen. "Nur kein Dekor und kein persönlicher Schmuck, ist die Devise." Die Kleidung ist "altertümlich", wie auch das Deutsch, das teils im Alltag verwendet wird.

Der vorgebaute Erker wurde von Maximilian I. in Auftrag gegeben und gab lange Zeit Rätsel auf.  
- © Bild: Ansichtskarte um 1900/Archiv

Der vorgebaute Erker wurde von Maximilian I. in Auftrag gegeben und gab lange Zeit Rätsel auf. 

- © Bild: Ansichtskarte um 1900/Archiv

Zu diesem "Hutterischen" Michael Chalupnik, Sieghartskirchen: Es ist "ein bairisch-österreichisch geprägter Dialekt".

Sogar medizinisch lässt sich die Abgeschiedenheit dieser Religionsangehörigen nachweisen. Dazu Zeitreisenmedicus Dr. Manfred Kremser, Wien 18: In diesen Gemeinschaften existieren "praktisch . . . nicht mehr als 15 Familiennamen, wie Decker, Hofer, Wipfel - auch Waldner". Durch die enge Verwandtschaft gibt es "eine eigene Blutgruppe". Sie ist bis heute "als Waldner-Blutgruppe bekannt".

Jakob Hutter starb als Märtyrer.  
- © Bild: gemeinfrei

Jakob Hutter starb als Märtyrer. 

- © Bild: gemeinfrei

Die vor allem ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in die USA und nach Kanada ausgewanderten Hutterer leben, wie Gerhard Toifl, Wien 17, anmerkt, "streng gläubig und in absoluter Zurückgezogenheit". Sie "verbringen . . . ihre Zeit keusch, arbeitsam und mit Sinn für moderne Techniken in der Landwirtschaft" sowie in anderen Bereichen. Sie sind auch überzeugte Pazifisten. Mit der Bezeichnung (Wieder-)Täufer bezogen sich "ihre Verfolger . . . auf die Praxis, Personen zu taufen, wenn sie sich bekehrten . . ., selbst wenn sie als Säuglinge getauft worden waren." Viele dieser Reformatoren erkennen nur Taufen an, denen der Täufling selbst zugestimmt hat.

Predigender Hutmacher

Zum Namensgeber der Bewegung schlug Christine Sigmund, Wien 23, nach: "Hutter (auch Huter oder Hueter) wurde um 1500 in Moos in der Nähe von St. Lorenzen (heute Südtirol, Anm.) geboren." Zunächst lernte er "das Hutmacherhandwerk". Später, so Mag. Elisabeth Huberger, Wien 22, wanderte er predigend "durch das Pustertal" und begründete Gemeinden.

Wie Maria Thiel, Breitenfurt, festhält, forderten seine Glaubensanhänger und er "aufgrund der sozialen, politischen und kirchlichen Missstände radikale Reformen". Sie wurden "dafür brutal verfolgt".

Wie Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, herausfand, ließ Erzherzog Ferdinand I., Enkel Maximilans, 1527 verlautbaren, "dass man derartige verführerische Lehren und ketzerische Sekten keineswegs dulde". Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7: Hutter organisierte ab "1528 die Auswanderung vieler Gleichgesinnter nach Mähren, wo er . . . strikte Gütergemeinschaft einführte". (Privatbesitz ist bis heute in Hutter-Gemeinden verboten.) Um weiteren Glaubensgenossen zu helfen, kehrte er "1535 . . . nach Tirol zurück", wurde aber bei Klausen (nahe Brixen) festgenommen.

Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, ergänzt: Hutter wurde im "Dezember . . . nach Innsbruck verlegt, . . . verhört und man versuchte ihn zum Widerruf zu bewegen." Doch er blieb standhaft und verriet auch keine anderen Wiedertäufer. Das Urteil lautete auf Feuertod. Richard Keck (willkommen in der Gemeine!) weiter: Er starb "am 25. Februar 1536 auf dem Scheiterhaufen".

Mit ihm war, so Mag. Thomas Krug, Wien 1, auch seine Frau Katharina verhaftet worden. Sie konnte "fliehen, wurde aber gefasst und 1538 auf Burg Schöneck (nahe Bruneck, nun Südtirol, Anm.) hingerichtet."

Wie Helmut Erschbaumer, Linz, betont, versöhnten sich die katholische sowie die evangelische Kirche "erst sehr spät", um 2005, mit den Hutterern und anderen von der Gegenreformation verfolgten Gruppierungen. "Am 25. Februar 2007 fand dann ein Gedenkakt vor dem Goldenen Dachl und ein gemeinsamer Gebetsgottesdienst . . . statt, zu dem auf Einladung . . . hutterische Ehepaare kamen."

Mit Feuer vergoldet

Die Vollstreckung des Urteils gegen Hutter sollte öffentlich und zentral erfolgen, also vor dem Goldenen Dachl. Dieses war an einem Gebäude angebracht, das, so Dr. Karl Beck, Purkersdorf, "1420 als Residenz "Neuhof" des Tiroler Landesfürsten", Herzog Friedrich IV. "mit der leeren Tasche", errichtet worden war.

"Zwischen 1497/98 und 1500" fügte man, wie Dr. Wilhelm Baier, Graz-Andritz, ergänzt, "den in weiterer Folge Goldenes Dachl genannten Prunk-Erker hinzu." Den Bauleiter nennt Herbert C. Eller, Perchtoldsdorf: Niklas (auch Nikolaus) Türing der Ältere (gestorben 1517).

Der Auftrag kam, so Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, vom späteren Kaiser Maximilian I. Wie Alice Krotky, Wien 20, notiert, zieren das Dach "nicht weniger als 2657 feuervergoldete Kupferschindeln". Dr. Harald Jilke, Wien 2, dazu: Der Erker sollte "Gerüchte um die kaiserliche Geldnot zunichtemachen und bei öffentlichen Darbietungen und Turnieren als Loge dienen." Herbert Beer, Wolfpassing, ergänzt, dass Maximilian "gerne in Innsbruck" war, "wenn auch sehr selten". Mit dem Repräsentationsbau wollte er ""gegenwärtig" sein, das Volk sollte sein Bild sehen können."

Maximilians Rätsel

Apropos Bilder: Einige Teile des Vorbaus gaben der Forschung jahrzehntelang Rätsel auf. Erst vor kurzem wurden zwei Geheimnisse gelüftet. Einerseits entdeckte Maximilian-Forscherin Univ.-Prof. Dr. Sabine Weiss, dass der Herrscher einem abgebildeten Hofnarren die Züge seines Vaters Friedrich III. geben ließ.

Andererseits gelang es dem Historiker Mag. Erhard Maroschek, der dem Brotberuf Buchhalter nachgeht, Symbole auf einem Banner als Bibelzitat ("Ich bin das Licht der Welt") zu entziffern. Dazu Brigitte Schlesinger, Wien 12: Die fremden Zeichen "alleine sind aber nicht das Problem gewesen", sie waren auch vertauscht. Maroschek bemerkte, "dass eine Figur am Relief auf den Anfangsbuchstaben des Rätsels deutet."

Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, fügt eine Richtigstellung eines oft verbreiteten Irrtums an: "Immer wieder kann man . . . lesen, dass das Goldene Dachl zur (zweiten) Eheschließung Maximilians" mit Bianca Maria Sforza errichtet worden ist. "Das ist nicht richtig." Er wollte "einen repräsentativen Bau", allerdings half ihm dabei "die reiche Mitgift der Braut (400.000 Dukaten)."

P.S. Sommerbedingt sind Recherchen zu den übrigen Fragen der Nuss Nro. 420 für die kommende Ausgabe reserviert. Lesen Sie im nächsten Monat Beiträge über die Bahn durch die Martinswand, u.a. von Manfred Bermann, Wien 13, und Univ.-Prof. Dr. Georg Schmid, Saint-Oradoux-près-Crocq/F, sowie Mag. Susanna Michner, Wien 9. Näheres zu einem Tiroler Kanzler des 17. Jahrhunderts sowie zu einem Kanzlerenkel als Hofhistoriograph wird ebenfalls im September folgen.

Zusammenstellung dieser Rubrik: Barbara Ottawa