Wie sorgte 1765 Maria Theresia indirekt für ersprießliche Beziehungen zwischen Peking und Wien in den Jahren um 1900?

Legationssekretär der k.u.k. Gesandtschaft in Peking war Arthur von Rosthorn, als diese photographische Aufnahme anno 1900 entstand.  
- © Bild: Ill. Zeitung (Leipzig/Berlin), 26. Juli 1900

Legationssekretär der k.u.k. Gesandtschaft in Peking war Arthur von Rosthorn, als diese photographische Aufnahme anno 1900 entstand. 

- © Bild: Ill. Zeitung (Leipzig/Berlin), 26. Juli 1900

Die Frage klingt skurril, basiert aber auf Fakten und steht mit der in Zeitreisen Nro. 423 nachgedruckten (vom September 2011 stammenden) Zeitreise ins Reich der Mitte in Zusammenhang: Um der im Siebenjährigen Krieg ausgebluteten Donaumonarchie aufzuhelfen, förderte deren Herrscherin Industriespionage in England. Auch "lotste" man Spezialisten, denen bei Todesstrafe das Verlassen ihres Landes verboten war, auf k.k. Gebiet.

Einer von ihnen hieß Matthäus Rawsthorne, war in einer Metallknopf-Fabrik Obermeister mit großem Fachwissen, wurde jedoch als Katholik in der Heimat diskriminiert. 1765 endlich in Wien, gründete er auf der Landstraße (heutige Adresse: Ungarg. 47) eine Fabrik. Unter dem Namen Rosthorn 1790 geadelt, wirkte er bereits in vielen Metallsparten. Seine Familie wuchs. Er starb 1805. Nachkommen führten Betriebe in Kärnten und NÖ. Ein 1862 geborener Spross freilich machte nicht mit.

Arthur v. Rosthorn studierte Sinologie. Zur besseren Sprachbeherrschung trat er in Chinas Seezolldienst ein, wo er die Menschen des uralten Kulturlandes kennen und lieben lernte. Später als Diplomat an der k.u.k. Gesandtschaft in Peking Legationssekretär bzw. Legationsrat, fungierte er oft als Geschäftsträger, so 1895-1897. Er gewann die Herzen der chinesischen Gesprächspartner, weil sie spürten, wie er ihr Land schätzte. Das Jahr 1900 mit "Boxer"-Aufstand und Belagerung westlicher Botschaften in Peking änderte daran nichts, denn Rosthorn sah das Unrecht, das die Großmächte dem Reich der Mitte angetan hatten.

Ab 1906 Gesandter in Persien, ging er in diesem Rang 1911 an die alte Wirkungsstätte zurück. Mit bestem Draht zur Führung, die nach Sturz des chinesischen Kaisertums regierte, glückten Österreich-Ungarns Vertreter Brückenschläge zwischen Wien und Peking. Allerdings musste China 1917 auf Druck der Alliierten an deren Seite treten und der k.u.k. Monarchie den Krieg erklären, womit A. v. Rosthorns Mission abrupt endete. Ab 1922 lehrte der Sinologe an Wiens Uni bis zur Abberufung durch die Nazis 1938. Er starb 1945 in Oed (Gemeinde Waldegg, Bezirk Wiener Neustadt), seiner Jugendheimat.

Seit 1986 wird für Verdienste um die österreichisch-chinesischen Beziehungen die A. v. Rosthorn-Medaille vergeben.