Für Tirols Freiheit landete er im Kerker: Joseph von Hormayr (1781/82-1848).  
- © Bild nach gemeinfreiem Druck: Philipp Aufner (Repro & Kolorierung)

Für Tirols Freiheit landete er im Kerker: Joseph von Hormayr (1781/82-1848). 

- © Bild nach gemeinfreiem Druck: Philipp Aufner (Repro & Kolorierung)

Dank vom Hause Österreich - dieses sprichwörtlich gewordene Schiller-Zitat voll bitterer Ironie fällt Dr. Alfred Komaz, Wien 19, ein, wenn er an Joseph von Hormayr denkt, dessen "Patriotismus in Hass auf die Monarchie" umschlug. Wie es dazu gekommen war, wie ihm das Haus Österreich "dankte" - das recherchierte die Gemeine anlässlich der Zusatzorchidee der Nro. 420.

Sein Lebensweg begann vielversprechend. Gerhard Toifl, Wien 17, zu den Wurzeln: Er "entstammte einer altadeligen Tiroler Familie" und wurde "1781 oder 1782 . . . in Innsbruck" geboren.

Bereits sein gleichnamiger Großvater hatte sich - unter Karl VI. und später unter Maria Theresia - einen guten Ruf als Politiker erworben. Auf diesen Vorfahren weist Dr. Harald Jilke, Wien 2, hin: "Joseph von Hormayr (1705-1779) war Tiroler Kanzler (ab 1759, Anm.) und Rechtsgelehrter", der sich "schon 1724 . . . öffentlich für die Abschaffung der Folter" ausgesprochen hatte.

Steiler Aufstieg

Der Enkel schickte sich an, in seine Fußstapfen zu treten. Der oft "Wunderkind" Genannte inskribierte, so Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, "die Rechte (in Innsbruck)". Das Studium absolvierte er "im Alter von nur 15 Jahren" und fing als "Konzeptspraktikant" beim "Stadt- und Landgericht in Innsbruck" an.

Nachdem er 1799ff den Militärdienst geleistet hatte, ging Hormayr nach Wien, wo er einen Posten in der Staatskanzlei erhielt, so Herbert Beer, Wolfpassing, der einen kometenhaften Aufstieg skizziert: Ab 1802 "arbeitete er als "Hofconcipist"", dann "als Hofsekretär . . ., im April 1808 wurde er "wirklicher Director des geheimen Staats-Hof- und Hausarchivs", 1809 "wirklicher Hofrath"".

Auch einen Ausflug in den Journalismus machte Hormayr in diesen Jahren, wie Helmut Erschbaumer, Linz, erwähnt: Auf Geheiß Metternichs war Hormayr eine Zeit lang "als Redakteur der "Wiener Zeitung" tätig." Mit der Besatzung Wiens und der "Wiener Zeitung" durch die Franzosen 1809 endete seine Tätigkeit bei unserem Blatt.

13 Monate Festungshaft

Seine Heimat ließ den Wahlwiener nie los. Als Historiker befasste er sich intensiv damit. Zwei seiner wichtigsten (mehrbändigen) Werke zur Vergangenheit des Gebirgslandes nennt Mag. Thomas Krug, Wien 1: "Kritisch-diplomatische Beyträge zur Geschichte Tirols im Mittelalter" (Wien 1803f) sowie "Geschichte der gefürsteten Graffschaft Tirol" (Tübingen 1806ff).

Ein 1816 erschienenes Buch über Andreas Hofer stammt ebenfalls aus Hormayrs Feder, ergänzt Dr. Karl Beck, Purkersdorf, der nebenbei auf das umfangreiche uvre des Historikers zur Geschichte Wiens und Österreichs verweist.

Doch blieb es nicht bei einer rein wissenschaftlichen Beschäftigung. Wie Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, anmerkt, wurde der Gelehrte von Erzherzog Johann mit der Vorbereitung des "Tiroler Aufstandes gegen Bayern" 1809 betraut.

Einige Jahre später scheiterte er an einem geplanten Volksaufstand. Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10: Erneut angeregt von Erzherzog Johann, "war Hormayr 1812/13 führend in der Widerstandsbewegung "Alpenbund", die - nach spanischem Resistance-Vorbild - von Tirol ausgehen und schließlich ganz Europa im Kampf gegen Napoleon umfassen sollte". Derartige "Untergrund- und Wühlarbeit an der Zentralregierung vorbei . . . konnte nicht auf Metternichs Einverständnis hoffen. Er ließ Hormayr . . . 1813 verhaften, Erzherzog Johann erhielt "Tirol-Verbot"."

"Weltpolitisch nur eine unbedeutende Fußnote", kommentiert Dr. Manfred Kremser, Wien 18, doch für Hormayr hieß dies "13 Monate Haft", zunächst "in der Festung von Munkács" (heute Mukatschewo, Ukraine), später auf dem Brünner Spielberg.

Dass er 1816 "zum . . . Hofhistoriographen ernannt" und damit eigentlich rehabilitiert wurde, so Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram, war kein Trost.

Hass aufs Regime

Die Literatinnen Th. Huber (l.) und C. Pichler tauschten sich über Hormayr aus.  
- © Bilder: Wien Museum, Foto: B. u. P. Kainz (r.); Archiv

Die Literatinnen Th. Huber (l.) und C. Pichler tauschten sich über Hormayr aus. 

- © Bilder: Wien Museum, Foto: B. u. P. Kainz (r.); Archiv

Seine Karriere in Österreich war zu Ende. Er wurde "polizeilich überwacht", seine wissenschaftliche Arbeit fast unmöglich gemacht, merkt Brigitte Schlesinger, Wien 12, an. "In ihm wuchs eine heftige Abneigung gegen das . . . Vormärzregime, die er allmählich durch anonyme Stellungnahmen in deutschen Journalen zum Ausdruck brachte." Die Tüftlerin zitiert zur haltlosen Lage des Publizisten einen Brief, den die Schriftstellerin und Hormayr-Vertraute Caroline Pichler (1769- 1843) 1822 an die deutsche Literatin Therese Huber (1764-1829) schrieb: "Hormayr hat sich viele Feinde auf den Hals gezogen. Ganz kann ich sein Streben nicht billigen, aber ich kenne, achte und bedaure ihn. Er ist, wie mir scheint eine Ruine dessen was er war und zu werden versprach."

Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, weiter: Hormayr stellte seine publizistischen Fähigkeiten schließlich "in bayerische Dienste"; er wurde "Wirklicher Geheimer Rat und Kammerherr" König Ludwigs II.

Tod im Nebelland?

Dessen Angebot, einen Lehrstuhl zu übernehmen, reizte Hormayr zwar, er lehnte aber ab, wie Christine Sigmund, Wien 23, notiert. Nachträglich rechtfertigte er dies in einem Brief damit, dass er die Heiratschancen seiner Kinder nicht mindern wollte: ". . . ich glaubte dadurch meinen Töchtern die opinion ihrer Abkunft zu verderben, denn leider kennen wir . . . Niemanden von altem Adel, . . . der sich in dieser Weise dem Lehrstand widmete."

Dass er auch in München keinen guten Stand hatte, belegt schon erwähnte Geschichtsfreundin Schlesinger mit einem Zitat aus einem Brief, diesmal von Therese Huber an Caroline Pichler. Darin steht, der Autor stünde auf "Glatt Eis" und würde "in München sehr vermieden". Man verübelte ihm, so Tüftlerin Schlesinger, u.a. "seine früheren antibayerischen Schriften", die er im Zuge des Tiroler Aufstandes verfasst hatte.

Dass Hormayr keinen Konflikt scheute, auch nicht im Privaten, brachte ihm wenig Sympathien. Ein Fazit, das er schon 1821 in einem Brief an Therese Huber zog, lautete: "Kampf, Widerstand war mein ganzes Leben, politisch, schriftstellerisch, häuslich."

Schließlich entsandte man ihn nach Hannover, dann Bremen. Er fürchtete schon, im "fernen, kalten, protestantischen Nebelland" sterben zu müssen, wie Hormayr schrieb. Dies blieb ihm erspart. 1847 durfte er nach München zurückkehren, wo er wenig später einem Schlaganfall erlag - ausgerechnet 1848, wie Mag. Elisabeth Huberger, Wien 22, festhält, "ironischerweise das Jahr, in dem Metternich gestürzt wurde."

Zusammenstellung dieser Rubrik: Andrea Reisner