Dem weltberühmten Anonymus, der lebenslang in Frankreichs Kerkern schmachtete, widmete sich die Gemeine anlässlich der Frage 1 der Nro. 422. "Fest steht", so Dr. Manfred Kremser, Wien 18, dass "dieser geheimnisvolle Franzose", dem "Voltaire den Namen "die Eiserne Maske"" zudichtete, "34 Jahre lang als Staatsgefangener Ludwigs XIV. inhaftiert war."

Die "erste . . . Erwähnung des Mannes" findet sich, so Maria Thiel, Breitenfurt, 1711 "in einem Brief der Herzogin von Orleans", Elisabeth Charlotte (Liselotte) von der Pfalz, "an die Kurfürstin von Hannover".

Dr. Gerhard Jungmayer, Wien 22: Darin steht, dass "man den Gefangenen gut behandelte . . . Er durfte Bücher lesen" und "in seiner gut eingerichteten Zelle die Kommunion empfangen. Das Essen wurde ihm vom Kommandanten persönlich serviert." Liselottes Fazit: Dieser respektvolle Umgang ließ darauf schließen, dass er eine wichtige Persönlichkeit gewesen sein musste.

Ihr verdanken wir den ältesten Beleg für die Existenz der "Maske": Elisabeth Charlotte von der Pfalz. 
- © Bild (Ausschnitt): Public domain

Ihr verdanken wir den ältesten Beleg für die Existenz der "Maske": Elisabeth Charlotte von der Pfalz.

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Ab 1698 in der Bastille

"Er hatte alß zwey mousquetirer auff beyder seydt, im fall er die masque abthet, ihn gleich nieder zu schießen", zitiert Prof. Brigitte Sokop, Wien 17, weiter in der Originalschreibweise des Briefes. Und: "Man hatt sein leben nicht erfahren können, wer der mensch geweßen . . ."

Mag. Elisabeth Huberger, Wien 22, merkt zur Quellenlage an: "Nachforschungen in Archiven brachten . . . noch mehr Beweise zu Tage: So existiert die Korrespondenz zwischen Kriegsminister Louvois und Saint-Mars den Gefangenen betreffend."

Zu Bénigne Dauvergne de Saint-Mars (1626-1708) recherchierte Dr. Alfred Komaz, Wien 19: Er "war vom einfachen Musketier 1665 zum Kommandanten der Festung Pignerol (Piemont, Anm.) aufgestiegen, in der wichtige Staatsgefangene . . . untergebracht wurden". Helmut Erschbaumer, Linz, erwähnt, dass dort auch der mysteriöse Sträfling zuerst inhaftiert war, nämlich "ab 24. August 1669 . . . 1681 aber wurde er in die 26 km entfernte Festung Exilles in den Alpen (Val die Susa) gebracht, am 3. Mai 1687 auf die Insel St. Marguerite verlegt, im September 1698 in die Bastille nach Paris". Bei einer solchen Überführung soll er erstmals eine metallene Maske getragen haben.

Herbert Beer, Wolfpassing: Bei jeder Verlegung "wurde der Gefängnisdirektor . . . mitversetzt", der es "auf diese Weise 1698 zum Gouverneur der Bastille" brachte.

Versteckter Zwilling?

Christine Sigmund, Wien 23: Es wurde eigens eine Zelle für den Gefangenen eingerichtet, aus der nichts nach außen dringen konnte. "Die Kleidung und sonstige Wäsche wurden zwei Mal pro Woche gewechselt".

Zum Äußeren der "Maske" notiert Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf: Voltaire habe in seinem Werk "Das Zeitalter Ludwigs XIV." (1751) geschrieben, der Gefangene sei "außergewöhnlich groß" sowie von "edler und schöner Erscheinung" gewesen.

Karl Finkenzeller, Wien 14: "Ein alter Arzt der Bastille . . . hat gesagt, dass er niemals sein Gesicht gesehen hat, obgleich er öfters seine Zunge und seinen Körper untersucht hatte". Laut dem Mediziner war er "wohlgebaut, . . . seine Haut etwas bräunlich".

Damit zu einigen der zahlreichen Spekulationen rund um den Häftling: Nach einer Theorie, so Dr. Karl Beck, Purkersdorf, "war er ein illegitimes Kind Anna von Österreichs", der Mutter Ludwigs XIV.

Voltaire , 1717 selbst Bastille-Häftling, ließ die Identität der "Maske" nicht los. 
- © Bild (Druck, 19. Jh.): Public domain

Voltaire , 1717 selbst Bastille-Häftling, ließ die Identität der "Maske" nicht los.

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Einen, der intensiv zur Identität des Unbekannten recherchierte, nennt Volkmar Mitterhuber, Baden: Der schon erwähnte "französische Philosoph Voltaire (1694-1778)", der 1717 selbst "elf Monate . . . in der Bastille" verbrachte. Er glaubte, dass "der Mann mit der Eisernen Maske ein Bruder Ludwigs XIV." war.Dr. Harald Jilke, Wien 2: Diese These verbreitete später auch "Alexandre Dumas in seinem Roman", der Mitte des 19. Jh.s erschien.

Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.- Wagram, ergänzen: Voltaire "spann die Geschichte weiter" und deutete an, der Gesichtslose "wäre ein Zwilling Ludwigs" gewesen.

Dies hält Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, für "haarsträubend": "Die Niederkunft der Königin Anna (1638, Anm.) vor unzähligen Zeugen ist reichlich dokumentiert, ein weiteres Neugeborenes . . . hätte nicht unbemerkt bleiben können". Für plausibler hält der Tüftler, dass es "an der Vaterschaft Ludwigs XIII. Zweifel" gab, war doch "das Königspaar . . . seit 1615 (!) verheiratet" und lange kinderlos. "Kardinal Richelieu als allmächtiger Lenker des Staates hatte allen Grund", die "Geburt eines Sohnes zu erhoffen, um seine Politik fortsetzen zu können".

Wie Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, ergänzt, ist auch die Version verbreitet, nach der der Gesichtslose der "leibliche Vater des Königs" war. "Mir . . . erscheinen alle drei Theorien ziemlich unwahrscheinlich!"

Schwarzer Samt

Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, notiert, dass es Voltaire war, der in Umlauf brachte, "dass die Maske aus Eisen bestand". Er schilderte sie so: "Das Kinn der Maske bestand aus Stahlfedern, sodass der Gefangene essen konnte, ohne sie zu entfernen." Andere Quellen besagen aber, die Maske sei "aus schwarzem Samt" gewesen.

Mag. Robert Lamberger, Wien 4: Der Unbekannte starb "am 19. November 1703 . . . in der Bastille". Angeblich wurde er, so Ing. Helmut Penz, Hohenau/ March, "am Folgetag unter dem Namen Marchioly beigesetzt". Es gibt auch die (bewusst verbreitete) Legende, sein Skelett sei 1789 bei Erstürmung der Bastille in einer Zelle entdeckt worden.

Gerhard Toifl, Wien 17: "Der letzte, der des Rätsels Lösung kannte", war wohl "der französische Kriegsminister Chamillart, der sie . . . 1721 mit ins Grab nahm."

Brigitte Schlesinger, Wien 12, fand heraus, dass "erst 2015" viele Dokumente aus Saint-Mars’ Nachlass auftauchten. Ob sich darin noch Hinweise verstecken, die "Aufschluss über das Mysterium geben können"?

P.S. Recherchen zu einem 1703 in Wien eingeführten "tragenden" Verkehrsmittel folgen im November, von Dr. Gottfried Pixner, Wien 13, und anderen!

Zusammenstellung dieser Rubrik: Andrea Reisner